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Kampfsport oder Klopperei

19.05.2009 | 19:40 Uhr
Kampfsport oder Klopperei

In Köln sollen beim Ultimate-Fighting die Fäuste sprechen. Doch zunächst zwang eine Dezernentin den Veranstalter in die Knie.

Das hätten der zierlichen Sozialdemokratin wohl nur wenige zugetraut. Kölns Jugenddezernentin Agnes Klein hat einen der mächtigsten amerikanischen Sportveranstalter und einen der weltweit bedeutendsten Event-Manager in die Knie gezwungen.

Ergebnis: Für das Kampfsportspektakel Ultimate Fighting Championship (UFC), das am 13. Juni in der Kölner Lanxess Arena über die Bühne gehen soll, gibt es ein striktes Jugendverbot. Minderjährige unter 18 Jahre dürfen an diesem Tag die Halle nicht betreten. Der Veranstalter hat dem Verbot zugestimmt, zähneknirschend. Für die kämpferische Agnes Klein dagegen gab's dafür jede Menge Lob. Viele Politiker und Verbände gingen gestern noch viel weiter, sie forderten ein komplettes Verbot der Kampfsport-Show.

Ungeschminkte, nackte Gewalt

Dabei hatten der aus Las Vegas stammende Organisator des Ultimate Fighting Championship und dessen deutscher Partner Marek Lieberberg in wochenlangen Verhandlungen versucht, das Jugendverbot für ihre Kampfshow abzuwenden. Doch die Kölner Jugenddezernentin Klein blieb hart, drohte sogar damit, notfalls vor Gericht durch sämtlich Instanzen zu gehen. Ihre Begründung für das Verbot: „Was bei Shows dieser Art gezeigt wird, ist ungeschminkte, rohe Gewalt. Das verführt Jugendliche zur Nachahmung. Unsere Bemühungen, Kinder und Jugendliche in den Schulen zur Gewaltlosigkeit zu erziehen, würden unglaubwürdig, wenn wir so ein Spektakel in unserer Stadt zulassen würden.”

Die Dezernentin hat gemeinsam mit Experten ihres Jugendamtes Videos von UFC Kämpfen ausgewertet. Die Bilder gleichen sich: In einem Käfig aus Maschendraht stehen sich vor meist mehreren Zehntausend Zuschauern martialisch aussehende Muskelmänner gegenüber. Sobald der Ringrichter die Runde freigibt, gehen sie mit Tritten und Schlägen aufeinander los. Selbst auf Gegner, die schon am Boden liegen, prügeln die Kämpfer weiter ein. Das ganze wirke wie eine Straßenschlägerei. Es gebe bei den UFC Kämpfen, so die Kritik, nur wenige Regeln, die Kämpfer vor Verletzungen schützen sollen. „Abstoßend”, findet Kölns Jugend-Dezernentin Klein. Mit Sport habe das nichts zu tun.

Der als Konzerveranstalter bekannte Frankfurter Unternehmer Marek Lieberberg wirft Kritikern des Ultimate Fighting Championship vor, den Sport mit einer Verleumdungs-Kampagne zu überziehen. Lieberberg organisiert im Auftrag der amerikanischen Veranstalter die Show in der Kölner Arena.

Hintergrund
Beliebt in Amerika

Die Ultimate Fighting Championship (UFC) ein Kampfsportspekatakel, das zwei Spielkasinobetreiber und ein Boxpromotor aus Las Vegas vermarkten. Die Geschäftsleute hatten 2001 die Rechte gekauft und die Kämpfe unter dem Namen Ultimate Fighting Championship zu einem der erfolgreichsten Sportereignisse in den USA gemacht. Der Kampf ist eine Mischung aus Boxen, Ringen, Jiu-Jitsu und Karate. Ringrichter greifen ein, wenn einer der Kämpfer verletzt wird. Während Schläge auf einen am Boden liegenden Gegner und Tritte gegen den Körper eines liegenden Gegners erlaubt sind, bleiben zum Beispiel Kopfstöße, Augenkratzen, Beißen, Haare ziehen, Einführung der Finger in Körperöffnungen, Tiefschläge, Tritte auf den Kopf eines am Boden liegenden Gegners verboten. UFC-Kämpfe werden in 36 Länder übertragen. Die Unternehmer aus Las Vegas wollen ihre Show mit Live-Kämpfen in Europa und Asien etablieren.

Er habe sich intensiv mit UFC beschäftigt, erklärt der eloquente Manager: „Es gibt keine einzige wissenschaftliche Untersuchung, die zu dem Schluss kommt, dass dieser Sport Jugendliche zu Gewalttaten animiert. Im Gegenteil: UFC hilft sozial benachteiligten Jugendlichen, Selbstwertgefühl und Disziplin zu entwickeln.” Das Verletzungsrisiko sei wesentlich geringer als beim Boxen oder bei der Formel 1. Obwohl es nicht so aussähe, die Kämpfer unterlägen strengen Regeln, die gefährliche Kampftechniken von vornherein ausschlössen.

„All das haben wir auch der Kölner Jugenddezernentin erklärt”, sagt Lieberberg. „Aber wir haben sie nicht überzeugen können, deshalb müssen wir jetzt das Jugendverbot akzeptieren, obwohl es eigentlich ungerechtfertigt ist.”

Der Vertreter seines amerikanischen Partners, der eigens aus London zu den Verhandlungen in Köln angereist ist, sieht den Wirbel um UFC ganz gelassen: „Wir waren schon in vielen Städten und in vielen Staaten. Fast überall gibt es Missverständnisse über unseren Sport. Das erstaunt uns nicht. Wir wissen damit umzugehen”, sagt UFC-Manager Marshall Zelaznik.

Offenbar wertet er es schon als Erfolg, dass die Kampfshow überhaupt in der größten Veranstaltungshalle in Deutschland stattfinden darf. Vielleicht jedenfalls. Denn nach dem Punktsieg der Sozialdemokratin Klein zeigt jetzt auch ein CDU-Mann seine Muskeln. Elmar Brok, der CDU-Mann für Europa, sprach sich gestern für ein generelles Verbot aus.

Wenn es dazu nicht kommt, erwarten der Veranstalter am 13. Juni in Köln 10 000 Zuschauer. Damit wäre UFC der Sprung nach Deutschland geglückt, für die Unternehmer aus Las Vegas ist das ein weiterer Schritt, mit ihrer Show zu expandieren.

Oliver Köhler

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Kommentare
20.05.2009
08:30
Kampfsport oder Klopperei
von Kalle Presley | #2

ein sehr intelligenter und von fachwissen stotzender kommentar von heinrich. und genau wegen solcher leute gibt sich die politik solchen themen hin anstatt einfach mal wichtigere dinge anzupacken.

19.05.2009
23:04
Blockierter Kommentar.
von miriam.lessmann | #1

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