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Jung war ein hoffnungsloser Fall

27.11.2009 | 18:23 Uhr

Lieber ein Ende mit Schrecken...

Die ohnehin an Rücktritten nicht arme Geschichte der Republik ist um eine skurrile Episode reicher. Mit Franz Josef Jung übernimmt ein Sozialminister die politische Verantwortung für eine Vertuschungsaffäre im Verteidigungsministerium. Das ist kein Fall von Nächstenliebe im Kabinett. Es ist konsequent.

Klug ist es wiederum, dass die Kanzlerin keine Zeit verloren hat und mit Kristina Köhler als neue Familienministerin und Ursula von der Leyen als Nachfolgerin Jungs aufhorchen lässt. Ausstrahlung, Durchschlagskraft hat von der Leyen. Fremd ist ihr das Metier auch nicht. Nebenbei kann sie eine Scharte auswetzen: Beim Gesundheitsministerium kam sie nicht zum Zuge und wurde von Philipp Rösler ausgestochen. Nun kriegt sie doch noch ihr „großes” Ressort, eine Riesenbaustelle, eine politische Herausforderung.

Kristina Köhler wiederum ist kein unbeschriebenes Blatt, aber den Ausschlag gab wohl, dass sie wie Jung aus Hessen kommt. Das war schon alles. Aber darf das auch schon alles sein?

Ein Wort zu Jung: Es kann ja passieren, dass bei einem Luftangriff Zivilisten ums Leben kommen. In Afghanistan tobt schließlich ein Krieg. Aber wenn was schief geht, hilft nur eines: Hosen runter. Politisch korrekt formuliert: Offenheit.

Das war der erste große Fehler, der zweite folgte auf dem Fuß: Als Verteidigungsminister wurde Jung im eigenen Haus ausgetrickst. Er musste gehen. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Für Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist Jungs Affäre wie ein Blick in eine Glaskugel: So kann es kommen, wenn nicht der Minister das Ministerium führt, sondern umgekehrt. Der CSU-Mann ist ein Günstling des Schicksals: Kaum an der Spitze des Wirtschaftsministeriums konnte er sich in der Opel-Krise profilieren; als neuer Verteidigungsminister meistert derselbe Guttenberg eine Bewährungsprobe.

Die Kabinettsumbildung passt zum Start der Regierung. Sie kommt arg überdreht und atemlos daher. Das zweite Kabinett Merkel braucht schon nach einem Monat einen Befreiungsschlag. NRZ

Miguel Sanches

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