In eine tiefe Falle getappt
07.07.2008 | 22:00 Uhr 2008-07-07T22:00:00+0200Dortmund Peter Leko glänzte gegen Jan Gustafsson mit einem Bluff und ebnete sich so den Weg zum Turniersieg in Dortmund.
Peter Leko hat am Sonntag zum dritten Mal nach 1999 und 2002 das Traditionsturnier der Dortmunder Schachtage gewonnen. Während der deutsche Außenseiter Jan Gustafsson in Dortmund überraschend den zweiten Platz teilte, wurde Wladimir Kramnik, Weltmeister von 2000 bis 2007 und WM-Herausforderer 2008, nur Vorletzter. Ein Zufall? Peter Leko spricht über die ständig wachsenden Anstrengungen, die das moderne Schach den Großmeistern abverlange.
NRZ: Sie haben eine Sensation verhindert, vor der vorletzten Runde lag der Hamburger Jan Gustafsson allein in Führung.
Peter Leko: Ja, wer hätte vor dem Turnier gedacht, dass meine Partie gegen Gustafsson die entscheidende ist. Jan hat gezeigt, dass er sogar mit der Weltspitze mithalten kann, wenn er gut vorbereitet ist. Ich freue mich über seinen Erfolg.
NRZ: Wie haben Sie ihn überlistet?
Leko: Es war psychologisch nicht so einfach für Jan. Wie sollte er mit Weiß überhaupt gegen mich spielen, auf Gewinn oder auf Remis? Ich entschloss mich, nicht zu aggressiv ranzugehen und einfach so zu eröffnen, wie ich es am besten kann. Aber mir war klar, ich muss auch ein bisschen bluffen.
NRZ: Sie haben Ihren f-Bauern vorgeschoben – für das geübte Auge ein hässlicher Zug.
Leko: Wenn ein Kind einen solchen Zug spielt, müsste man ihm die Schachfiguren normalerweise wegnehmen und sagen „Du hast kein Talent”.
NRZ: Der Meister kennt die Regel, der Topgroßmeister deren Ausnahme?
Leko: Ja, es war eigentlich ein sehr, sehr starker Zug, der Schlüsselzug der gesamten Partie. Es war genau die Stellung, die ich mir gewünscht hatte. Die Computer sehen zwar einen Vorteil für Jan, aber eigentlich stehe ich schon besser. Er hatte wirklich Pech, in so eine tiefe und unnatürlich wirkende Falle hineinzutappen.
NRZ: Zuletzt hatten Sie in entscheidenden Partien Nerven gezeigt. Mittlerweile sind Sie nur noch Zehnter der Weltrangliste.
Leko: Nach diesem Turnier aber nicht mehr, in der nächsten Liste werde ich sicher wieder höher stehen. Es ist immer sehr eng in der Spitze, vieles hängt von Kleinigkeiten ab, zum Beispiel meine erste Partie hier in Dortmund gegen Mamedjarow.
NRZ: Schachrijar Mamedjarow, der neue Star aus Aserbaidschan.
Leko: Er hatte mich in der Eröffnung überrascht, aber ich konnte alle Probleme sehr stilvoll lösen. Das war ein gutes Remis, das hat mir sehr viel Selbstvertrauen gegeben. Im modernen Schach ändert sich so viel, es gibt so viele gute Spieler, die in Bestform jeden schlagen können. Schach geht in eine gute Richtung, es werden immer mehr, denen man Großes zutrauen kann.
NRZ: Wie kommt's?
Leko: Allein seit 2004 hat sich Schach enorm entwickelt. Die Datenbanken wachsen und wachsen, die Schachprogramme werden immer schneller und das allgemeine Schachwissen entwickelt sich in einer solch irrsinnigen Geschwindigkeit, dass sogar die Topspieler Probleme haben mitzuhalten. Das ist einerseits alles sehr interessant, aber andererseits auch eine unheimliche Belastung für die Spieler. Du musst in Topform sein, du musst topvorbereitet sein, du musst physisch fit sein. Deswegen von meiner Seite Hochachtung für Topspieler, denn derjenige, der sich unter diesen Belastungen oben halten kann, der hat es wirklich verdient.
NRZ: Ganz oben steht zurzeit Weltmeister Viswanathan Anand. Er spielt im Oktober gegen Waldimir Kramnik in der Bonner Bundeskunsthalle um die WM.
Leko: Auf dieses fantastische Match bin ich wirklich sehr gespannt. Es ist das legitimierte Weltmeisterschaftsfinale, auf das sich die ganze Schachwelt freut. (NRZ)
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