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Horst Köhler fordert mehr Engagement für eine gerechte Welt

27.08.2009 | 18:51 Uhr
Horst Köhler fordert mehr Engagement für eine gerechte Welt

Bonn. Auf Einladung der NRW-Landesregierung diskutieren derzeit in Bonn 700 Politiker, Wissenschaftler und Wirtschaftsexperten über eine nachhaltige Entwicklungspolitik. Kritik wird an der bisherigen Entwicklungspolitik geübt, die oft nur Clan-Hierachien und Korruption unterstützt habe.

Es war ein selbstbewusstes Afrika, das sich zum Auftakt der 2. Bonner Konferenz für Entwicklungspolitik zeigte. Seine Majestät Otumfuo Nana Osei Tutu II., König des Ashantireiches (Ghana), redete in bestem Managerenglisch, forderte für Afrika einen Platz am Tisch der G-9-Staaten und eine Partnerschaft auf Augenhöhe bei den großen Entscheidungen dieser Welt. Und er tat das in traditionellem, bunten Gewand, die goldenen Königsinsignien auf Kopf und Schulter und stimmgewaltigem Zeremonienmeister an seiner Seite.

Kein Widerspruch war das, sondern ein Afrika, das sich zu seiner Vergangenheit, zu seinen Wurzeln bekennt und gleichzeitig den Blick in die Zukunft richtet.

Ghana ist NRW-Partnerland

Zum zweiten Mal nach 2007 hat die NRW-Landesregierung mit Partnern Politiker, Wissenschaftler, Wirtschafter aus Afrika und Europa an den Konferenztisch gebeten, um über nachhaltige Entwicklungsarbeit zu reden. 700 Teilnehmer kommen zwei Tage lang zusammen – die meisten afrikanischen Delegationen haben ihre Heimat in Ghana, dem NRW-Partnerland.

„Wenn wir Globalisierung gerechter gestalten wollen, dann müssen wir als Weltgemeinschaft handeln”, so ein gewohnt pro-afrika-kämpferischer Bundespräsident. Nicht nur die Politiker seien gefordert, Engagement müsse auf allen zivilgesellschaftlichen Ebenen entwickeln, lokal, regional, kommunal, sagte Horst Köhler.

„Oft genug sind Hilfen von Regierung zu Regierung nicht bei den Ärmsten der Armen angekommen”, so Helen Zille, Ministerpräsidentin der Provinz Western Cape in Südafrika und ehemals Bürgermeisterin Kapstadts. Traurige Ironie: Die „alte Entwicklungshilfe” habe häufig nur bad governance gefördert, Clan-Hierarchien und Korruption unterstützt..

Mehr Engagement aus der Bürgergesellschaft

„Wir brauchen das Engagement aus der Bürgergesellschaft”, so Horst Köhler. Und Köhler legte nach. „Die Entwicklungsindustrie hat mitunter ein Eigenleben entwickelt und achtet zu selten darauf, was die Menschen in Afrika selbst für Ideen und Ziele haben.” Tief enttäuscht sei er, dass die 2007 mit Nigeria geschlossene Energiepartnerschaft kaum mit Leben gefüllt sei. „Es ist beschämend, dass in Nigeria nach wie vor die arme Bevölkerung keinen Strom hat.”

Und: „So viele Reden, so viel Papier, so viel Konferenzen - und so wenig praktische Ergebnisse und konkrete Zielsetzungen.” Deutschland, so Köhler, solle sich für die „Gründung eines großen europäisch-afrikanischen Jugendwerks einsetzen – mit kraftvoller Unterstützung der Länder und Kommunen.”

Heike Waldor-Schäfer

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