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Wirtschaftskrise

Globalisierung contra Seele

01.05.2009 | 19:19 Uhr
Globalisierung contra Seele

Der Politiker Heiner Geißler und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sprachen in Düsseldorf.

Beide sind sie Kritiker aktueller Bundespolitik, beide stehen fest im System und sind gefragte Interpreten der Krise. Heiner Geißler, ehemals CDU-Generalsekretär und Minister, und Josef Ackermann, Deutsche-Bank-Chef mit neuem Vertragsbonus bis 2013. Versteht sich der eine, jetzt prominentes Attac-Mitglied, als scharfzüngiger Globalisierungskritiker, sieht sich der andere als „Mr. Globalisierung” schlechthin - in einem System, in dem er gern Weltmeister werden möchte. Beide fanden diese Woche ihr Publikum in Düsseldorf: Ackermann beim überfüllten „Liberalen Netzwerk”, Geißler auf der Mai-Bühne des DGB.

Für den erfolgsverwöhnten Bankchef rollten die Liberalen um Hergard Rohwedder und Jürgen Schröer den roten Teppich aus. Charmant und bestens gelaunt, nur Stunden vor einem Kurzbesuch in Washington, gab sich Josef Ackermann durchaus selbstkritisch: Ja, die Banken hätten zu Beginn der weltweiten Krise unterschätzt, in welcher Dimension „das Kartenhaus” zusammenbricht: „Wir hätten früher reagieren und das Schlimmste verhindern können. Aber wir waren nicht vorbereitet.” Nun aber würden die 360 größten Banken der Welt Regulierungen und Kontrollen miteinander vereinbaren.

„Die Hirne zerfressen”

Der 79-jährige Geißler greift an: jene, die Arbeitsplätze von Land zu Land verschieben, Nokia etwa - „weil die Gier nach Geld ihnen die Hirne zerfressen hat”. Überzogenes Renditestreben, das Familien ins Unglück stürzt, sei das Werk von „Kriminellen”. In diesem Zusammenhang fällt der Name Ackermann und der Ruf nach einem „ethischen Fundament”. Geißler verlangt es vor allem von der Politik, ein „richtiges Menschenbild”, das dem Einzelne helfe, nicht nur Spielball der Ökonomisierung zu sein.

Auch Ackermann wird nach der Ethik und Moral seines Handelns gefragt. Er bettet seine Antwort ein in die Überzeugung, dass mikroökonomische (also deutsche) Spielregeln im globalen Wettbewerb untauglich seien. Daher sagt er auch, dass in Deutschland noch schwächere Banken pleite gehen müssten - „aus dem Markt ausscheiden”.

Heiner Geißler hat den gegenteiligen Ansatz. Er kämpft gegen die „verletzte Menschenwürde der Hartz-IV-Empfänger”. Für die Menschen, so seine zentrale Forderung, „müssen Parteien ihre Seele wiederentdecken”. (NRZ)

Dieter Schneider

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03.05.2009
16:14
Globalisierung contra Seele
von h.d. | #3

Ach der alte Geißler. Dem hat ja schon Helmut Kohl die rote Karte gezeigt. Zu Recht! Der glaubt alles besser zu wissen. Nichts weiß er!

03.05.2009
00:23
Globalisierung contra Seele
von G. Fengler | #2

Ich ergänze: Danke für Ihre guten Absichten, Herr Geißler!
Allerdings: Gegen die Globalisierung hat kaum jemand was, solange vieles hier schön billig ist, weil in Niedriglohn-Ländern produziert wird. Woher nehmen wir dann das Recht, uns darüber aufzuregen, wenn sich das Blatt allmählich wendet? Auch zugunsten der lange Zeit Ausgebeuteten da draußen! Da habe ich von den sogenannten Globalisierungsgegnern bis heute noch keine plausible These geschweige denn überzeugende Antwort gehört.

01.05.2009
20:11
Globalisierung contra Seele
von G. Fengler | #1

Danke, Herr Geißler

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