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Gefährliches Schnäppchen

16.02.2009 | 18:42 Uhr

Gebrauchtwagenhandel im Internet. Wie Käufer und Verkäufer von Räubern und Betrügern ausgenommen werden.

Eigentlich hätten die Opfer gewarnt sein müssen, als sie sich Anfang Januar mit 7500 Euro in bar auf den Weg nach Düsseldorf machten, um einen gebrauchten schwarzen VW Golf weit unter Marktwert zu erwerben. „Das ist der Schnäppcheneffekt. Die Räuber und Betrüger zählen auf die Gier der Menschen und haben leichtes Spiel”, sagt Markus Niesczery von der Polizei Düsseldorf. Sein Bericht über die zusammengeschlagenen und ausgeraubten Gebrauchtwagenkäufer liest sich wie die Chronik eines angekündigten Verbrechens.

Die 33- und 37-jährigen Bayern aus Nürnberg waren im Januar per Internetrecherche auf den Wagen aufmerksam geworden. Über die angegebene Handynummer nahmen sie Kontakt zum Anbieter auf, der sich als „Denis” aus Düsseldorf vorstellte und einen Besichtigungstermin vereinbarte. Da er angeblich lange arbeiten müsse, klappe es nicht vor 18 Uhr. Der Golf stehe aber in einer gut ausgeleuchteten Garage.

Das Angebot schien so verlockend, dass die Nürnberger am Tattag per Flugzeug anreisten und mit dem Taxi in die Düsseldorfer Innenstadt zur Ottweiler Straße fuhren- eine Seitenstraße im Stadtteil Derendorf. Unübersichtlich und mit guten Fluchtmöglichkeiten. Hier wartete „Denis” mit einem Komplizen auf die ahnungslosen Bayern, denen irgendwann auffiel, dass es sich bei den angeblichen Verkäufern um Rumänen handelte. Mittlerweile war es 18.20 Uhr und dunkel geworden.

Zu Fuß ging die Gruppe los - angeblich zu der nahe gelegenen Garage. Die Männer aus Nürnberg achteten nicht weiter darauf, dass ihnen im Dunkeln ein Jogger entgegenkam und vorbeilief. Plötzlich drehte sich der Jogger um und schlug mit einem Baseballschläger zu. Als die Männer später wieder zu sich kamen, waren die Rumänen und das Bargeld weg.

Ähnlich erging es Mitte Januar einem Mann aus Braunschweig. Dieser war mit 9500 Euro nach Düsseldorf gekommen, um hier einen Pkw zu kaufen. Auch er wurde hinterrücks zusammengeschlagen und beraubt.

Nach mehreren Überfällen auf Gebrauchtwagen-Käufer konnte die Polizei in Düsseldorf die vierköpfige Bande vom Balkan jetzt festnehmen. Der Zugriff auf die Männer im Alter zwischen 16 und 31 Jahren war kein Zufall. „Den Kollegen war aufgefallen, dass in den Internet-Annoncen, die als Lockmittel für die späteren Straftaten dienten, immer das Wort „schwarz” falsch („schwartz”) geschrieben war”, so Markus Niesczery. Darauf recherchierten die Ermittler gezielt im Internet-Gebrauchtwagenmarkt, bis sie wieder auf eine Offerte aus Düsseldorf mit dem charakteristischen Schreibfehler stießen. Als sich dieses Mal ein Interessent telefonisch auf die Autoanzeige meldete, ahnte die Baseballschläger-Bande nicht, dass die Polizei am anderen Ende der Leitung war. Am Treffpunkt wurde das Balkan-Quartett dann mit Hilfe von Spezialeinsatzkräften überwältigt. Zwei Fälle haben die Täter inzwischen gestanden.

Noch heute kann Markus Niesczery von der Polizei Düsseldorf den Leichtsinn der Opfer nicht fassen. Er rät: „Man sollte niemals mit so viel Barem zum Autokauf gehen.” Sein Tipp: Der Käufer kündigt schon am Telefon an, dass er ohne Bargeld zur Besichtigung erscheinen wird. Die Kaufsummer wird erst später in einer Bank abgehoben und dort dem Verkäufer übergeben. (NRZ)

Christoph GIRSCHIK



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