Ganztag für jeden dritten Schüler
14.08.2009 | 18:22 Uhr 2009-08-14T18:22:00+0200
Düsseldorf. Die Hauptschule verliert immer mehr an Boden, der Ganztag wird weiter ausgebaut. Schulministerin Barbara Sommer (CDU) will außerdem ein System der Lehrerbewertung einführen - Persönlichkeitsrechte von Pädagogen sollen nicht verletzt werden.
Die Hauptschule blutet weiter aus. Mit dem neuen Schuljahr verliert sie in NRW weitere 6,5 Prozent ihrer Schüler – ab Montag werden noch 203 000 Jugendliche die Hauptschule besuchen. Die gesamte Schülerzahl im Land sinkt dagegen nur um 1,4% auf 2,78 Millionen. Auch im Vergleich der Schulformen schneidet die Hauptschule mit Abstand am schlechtesten ab, obwohl bereits jede zweite als Ganztagsbetrieb angeboten wird. Die Realschule verliert 1,6% ihrer Schüler, während Gesamtschulen und Gymnasien sogar leicht zulegen. Mit 14,5% wechselten auch die wenigsten Grundschul-Abgänger zur Hauptschule.
Finanzierung zu Lasten der Gesamtschule
Zum Wochenbeginn werden 172 400 Erstklässler eingeschult (+ 5%). Mit Ferienende startet der Ausbau des Ganztagsunterrichts auch für 52 Gymnasien und 44 Realschulen; damit läuft jede zehnte Schule dieser Schulform im Ganztagsbetrieb. Diese Quote soll kontinuierlich erhöht werden. Laut Schulministerin Barbara Sommer (CDU) kann heute fast jeder dritte Schüler (29,1%) in NRW ein Ganztagsangebot wahrnehmen. Im Endausbau im Jahre 2015 sollen es 43 % sein. Die Finanzierung geht zu Lasten der Gesamtschulen: Neugründungen mit Ganztagsbetrieb will Sommer nicht mehr genehmigen.
Angstfreier Austausch
Um die „Feedbackkultur” an Schulen zu verbessern, wirbt Sommer um ein System der Lehrerbewertung, das freiwillig eingeführt werden kann. Darüber ist am 25. August ein Gespräch mit den Verbänden geplant. Zwar lehnt Sommer die Internet-Plattform „spickmich.de” ab, da Lehrer keine Chance hätten, sich gegen anonyme „Verunglimpfungen” zu wehren. Sie befürwortet aber ein von der Uni Jena entwickeltes Online-Verfahren, das einen „angstfreien Austausch” der Schüler über den Unterricht und ihre Bedürfnisse mit den Lehrern erlaube, ohne dass Persönlichkeitsrechte verletzt würden. Für Dritte soll das Forum nicht zugänglich sein, auch nicht für Schulleiter.
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