Fußball total? Darüber kann Ruud nur lächeln
15.06.2008 | 19:19 Uhr 2008-06-15T19:19:00+0200
Wie Trainer Marco van Basten sein Team völlig umgekrempelt hat.
BERN. Ruud van Nistelrooy lächelte, leicht verzweifelt, wie ein überzeugter Vegetarier, dem man gerade einen Schweinskopf aufgetischt hat. Ob das „total football” gewesen sei? In diese olle Mottenkiste wollte der Stürmer sich und sein Team ungern sperren lassen. „Nein, nein”, sagte er, „diese Zeiten sind vorbei. Das moderne Spiel ist anders.”
Der mit Kontern von erlesener Schönheit herausgespielte 4:1-Sieg über die Franzosen hatte ja alle Beobachter mehr oder weniger kirre gemacht. Auf der Suche nach Erklärungen für diese „noch immer unglaubliche Leistung” (Rafael van der Vaart), drängte sich in Bern automatisch das alte „total football”-Etikett auf.
Totaler Fußball. Jeder andere Begriff schien für diese Elf nach dem zweiten begeisternden Sieg in Folge einfach viel zu klein. Falsch war er trotzdem. Was die Qualität des Vortrages anging, konnte man noch darüber diskutieren, wie total, sprich: perfekt Marco van Bastens „Elftal” dem armen gallischen Hahn die blauen Federn gerupft hatte - nicht aber über die Methode. Die Niederländer hatten „die Franzosen kommen lassen”, wie Hamburgs Verteidiger Joris Mathijsen erklärte, „vielleicht zu sehr”. Ihr auf überfallartige Gegenstöße vertrauendes Spiel hatte mit der vor 40 Jahren in Amsterdam erfundenen bedingungslosen Offensive und den ständigen Positionswechseln nur noch die Trikotfarbe gemein.
Wie radikal van Basten die Dogmen der Vergangenheit entsorgt hat, ohne dabei gleichzeitig die herausragenden Angriffsfähigkeiten seiner Spieler zu minimieren, war nach der Pause offensichtlich geworden. Der Bondscoach hatte beim Stand von 1:0 den Tempodribbler Arjen Robben anstelle des schwerfälligen Abräumers Orlando Engelaar gebracht. Eine unglaublich riskante Maßnahme, „typisch niederländisch” gar, wie die Zeitungen zwischen Tokio und Toronto staunten? Eben nicht.
Rafael van der Vaart verstand zunächst die Frage gar nicht, als jemand seine Meinung zu der „unheimlich offensiven” Auswechslung wissen wollte. Der 25-Jährige erklärte, dass man mit Robben „mehr Tiefgang” auf dem Platz gehabt habe, und lenkte damit den Blick auf die veränderte Grundausrichtung nach dem Seitenwechsel.
Franzosen auf dieFlügel gelockt
Van Basten hatte van der Vaart und Wesley Sneijder zurück vor die Abwehr gezogen, dort verstopften sie mit dem humorlosen Raumabdichter Nigel de Jong die Mitte. Die Franzosen wurden noch mehr auf die Flügel gelockt, wo sich die immer wieder nach außen driftenden Thierry Henry und Franck Ribéry im Weg standen.
Die Uefa-Grafiken zeigen eindrucksvoll, wie die Niederländer nach der vermeintlich todesmutigen Einwechslung von Robben - der gegen den überforderten Willy Sagnol das Spiel entschied - kollektiv viel weiter hinten standen. Van Basten hatte erkannt, dass sein Team erst ein paar Schritte zurück machen musste, um schneller nach vorne zu kommen. In krude Offensiv-defensiv-Kategorien lässt sich so ein smarter Schachzug nicht pressen; dieses Holland hat die Fachbegriffe hinter sich gelassen, wie die Spitzenvereine aus der Champions League. (NRZ)
10:31
total football oder modern, schoen oder nicht... Hauptsache fair. van Basten reagiert ja diesen Anschuldigungnen gegenueber nur noch genervt, wie Honigstin auf Footbo berichtet
http://de.footbo.com/Users/RaphaelHonigstein/Blog/571587
11:44
Es ist einfach schöner, schneller Fußball, den die Niederländer zeigen. Es macht echt Spass zuzuschauen!