Frank Schleck unter Verdacht
26.07.2008 | 15:32 Uhr 2008-07-26T15:32:00+0200
Der Zweite der Gesamtwertung und CSC-Profi soll Kunde beim Dopingarzt Eufemiano Fuentes gewesen sein.
ROANNE. Manch einen Mannschafts-Direktor hätte der Vorfall in Panik versetzt, doch Bjarne Riis verströmte demonstrative Gelassenheit: „Wir haben nichts zu verbergen”, sagte der Chef des Teams CSC am Donnerstagabend, nachdem französische Grenzbeamte das Auto von Johnny Schleck nach Dopingmitteln durchsucht hatte. Der Ex-Radprofi aus Luxemburg war unterwegs von Bourg D'Oisans nach St.Etienne, weil er seine beiden Söhne Frank und Andy bei der Tour begleitete – zwei von Riis besten Männern.
Die Ruhe des Dänen war wahrlich erstaunlich. Nach den Verhaftungen der überführten Doper Beltran, Duenas Nevado und Ricco in der vergangenen Woche weiß man, dass die französischen Behörden nicht ohne begründeten Verdacht gegen Radsportler ermitteln. Am Freitagabend nun wurde bekannt, warum die Beamten die luxemburgische Radsportfamilie vermutlich in Visier genommen hatten: Sowohl gegen Frank Schleck als auch gegen seinen Teamchef Bjarne Riis soll im Zusammenhang mit der Affäre um den madrilenischen Dopingarzt Fuentes ermittelt werden.
Die Süddeutsche Zeitung wollte aus Ermittlerkreisen in Spanien gehört haben, dass sowohl Schleck als auch Riis „keine Unbekannten” seien. Aus einer weiteren anonymen Quelle wollte die SZ gehört haben, dass Riis mehrfach mit Fahrern seiner Mannschaft bei Fuentes vorstellig geworden sein. Der Arzt steht unter Verdacht, bis zu 50 Radprofis beim Blutdoping unterstützt zu haben, darunter Jan Ullrich und der Tour Zweite von 2005 Ivan Basso.
Gezielte Tests gegen das Riis-Team
Die gezielte Durchsuchung von Johnny Schleck soll indes auf koordinierte Ermittlungen der Behörden von Italien, Spanien und Frankreich zurückgehen. Der Dopingjäger des italienischen olympischen Komitees, Ettore Tori, hatte zu Beginn diesen Jahres aus Madrid die Akte Fuentes angefordert. Während der zwei Tage, in denen die diesjährigen Tour durch Italien kam, wurde daraufhin die Mannschaft von Bjarne Riis sechs gezielten Dopingtests unterzogen.
CSC-Saxo reagierte am Vorabend der Tour-Entscheidung beim Zeitfahren von Montlucon auf die Meldungen so gelassen wie Riis schon am Vortag auf die Durchsuchungen von Vater Schleck. „Wenn man so große Behauptungen aufstellt”, so Team-Sprecher Brian Nygaard, „dann sollte man handfeste Fakten in der Hand haben.” Die zwei anonymen Zeugenaussagen, auf denen der Bericht der Süddeutschen basiert, seien laut Nygaard jedoch nicht stichhaltig: „Man macht es sich ein wenig zu einfach heutzutage im Radsport, Leute zu demontieren.”
Bisher kein positiver Test während der Tour
Doch trotz aller Verdachts-momente ist es nach wie vor wahrscheinlich, dass sowohl Frank Schleck, als auch sein Mannschaftskamerad Carlos Sastre am Sonntag in Paris auf dem Siegerpodest stehen. Ein Verfahren gegen Schleck oder Riis gibt es bislang nicht, von einem positiven Test ist auch nichts bekannt. Das wäre allerdings ohnehin eine Premiere – bislang ist noch nie ein CSC-Fahrer bei offiziellen Proben aufgefallen. (NRZ)
18:01
O Kommentare, Tag für Tag, zu den Berichten der NRZ Tour de France. Das ist der einzig richtige Kommentar der Internetuser zu eurer Berichterstattung dieses Doping-Ereignissen.
Diese Berichterstattung bzw ABM für Sebastian Moll ist echt eine Farce.