Feilschen um die Zukunft
02.12.2009 | 19:05 Uhr 2009-12-02T19:05:00+0100
Brüssel. Ab Montag verhandeln 192 Staaten in Kopenhagen über ein neues Klimaschutzabkommen. Hier die wichtigsten Fakten auf einen Blick.
Die Klimakonferenz:
Vom 7. bis zum 18. Dezember treffen sich 192 Nationen auf der Konferenz der Vereinten Nationen in Kopenhagen, um neue weltweite Ziele für den Klimaschutz festzulegen und ein Nachfolge-Abkommen für das Kyoto-Protokoll auszuhandeln. Dieses hatte die Indus-trieländer verpflichtet, ihren jährlichen Treibhausgas-Ausstoß bis 2012 um durchschnittlich 5,2 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Für den Folgevertrag bis 2020 sollen nun die USA und wirtschaftlich aufstrebende Nationen wie Indien, Brasilien und vor allem China mit ins Boot geholt werden, die jährlich Tausende Tonnen Dreck in die Luft schleudern.
Die Teilnehmer:
Mehr als 15 000 Teilnehmer werden erwartet. Außerdem werden zahlreiche Nichtregierungsorganisationen als Beobachter vor Ort sein. Die Delegation Deutschlands wird 20 bis 30 Mitglieder umfassen. Die erste Woche gehört den Fachleuten aus den Ministerien, in der zweiten Woche fliegen die Umweltminister ein; für das Ende der Konferenz haben Staats- und Regierungschefs ihr Kommen angesagt. Kanzlerin Angela Merkel wird ebenso nach Kopenhagen reisen wie Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy.
Die Ziele:
Klimaforscher haben festgelegt, dass die globale Durchschnittstemperatur im Vergleich zur vorindustriellen Zeit nicht um mehr als maximal zwei Grad Celsius steigen darf. Andernfalls drohen schlimme Klimakatastrophen. Um das Ziel zu erreichen, müsste der globale Ausstoß von Treibhausgasen bis 2050 um die Hälfte gegenüber 1990 sinken. Derzeit beträgt er etwa 30 Milliarden Tonnen im Jahr. Für den künftigen Klimapakt sollen die Industrieländer ihre Emissionen bis 2020 um 25 bis 40 Prozent unter den Wert von 1990 drücken. Für die Entwicklungs- und Schwellenländer gelten andere Maßstäbe: Sie sollen ihren CO2-Ausstoß um 15 bis 30 Prozent senken.
Die Knackpunkte:
Ungeklärt ist die Frage, wie viel Geld die reichen Staaten den Entwicklungs- und Schwellenländern für Klimaschutzprojekte bereitstellen. Bislang konnten sich die 27 EU-Mitgliedsländer noch nicht über die interne Lastenverteilung einigen. Ein anderer Knackpunkt ist, ob sich die Länder verbindlich darauf einigen, ihre CO2-Emissionen zu reduzieren. Auch die fortschreitende Abholzung von Wäldern dürfte für Diskussionen sorgen. Die UN will einen Weg finden, Wälder als Kohlendioxidspeicher anzuerkennen.
Die Position der Europäischen Union:
Die 27 Staaten der EU gelten als Zugpferd bei den Verhandlungen und werden in Kopenhagen mit einer gemeinsamen Position auftreten. Bis 2020 will die EU ihre Emissionen um 20 Prozent gegenüber 1990 verringern – wenn andere Staaten mitziehen sogar um 30 Prozent.
Die Position der USA:
Die Vereinigten Staaten haben gemeinsam mit China 40 Prozent des weltweiten Kohlendioxid-Ausstoßes zu verantworten. Im Vergleich zu Europa fällt das Angebot der Amerikaner allerdings mickrig aus. Um 17 Prozent wollen sie ihren Kohlendioxid-Ausstoß bis 2020 senken. Allerdings ist das Vergleichsjahr nicht - wie international üblich - 1990, sondern 2005. Auf 1990 bezogen wäre das nur ein Rückgang von höchstens vier Prozent.
Die Positionen andere Länder:
China bietet an, die Treibhausgase bis 2020 um 40 bis 45 Prozent gemessen an der Wirtschaftsleistung gegenüber dem Stand von 2005 zu verringern. Jeder einzelne Industriebetrieb soll weniger Treibhausgase in die Luft ablassen. Da im Zuge des Wirtschaftswachstums in China aber ständig neue Fabriken entstehen, dürfte der gesamte Kohlendioxidausstoß aber weiter steigen.
Brasilien will seine Emissionen um rund 36 auf 39 Prozent bis 2020 reduzieren – im Vergleich zu einem angenommenen Wert, der ohne Kampf gegen den Klimawandel erreicht würde.
Russland hat sich den europäischen Klimazielen angeschlossen und will bis 2020 auch 20 Prozent weniger Treibhausgase gegenüber 1990 ausstoßen.
Die Erfolgsaussichten:
Wie gesagt, um die globale Erwärmung bei zwei Grad Celsius zu stoppen, müssen die Industrieländer ihren CO2-Ausstoß um mindestens 40 Prozent senken. Nimmt man alle Angebote zusammen, kommen bislang aber nur 18 Prozent heraus. Außerdem ist jetzt schon klar, dass das ursprüngliche Ziel nicht mehr erreicht wird – nämlich ein globales Klimaschutz-Abkommen als Nachfolge für das Kyoto-Protokoll unter Dach und Fach zu bringen. Nun geht es darum, den Staaten zumindest verbindliche Zusagen zu entlocken, damit dann bis Mitte nächsten Jahres ein Vertrag zustande kommt.
0mitdiskutieren