Fairer Handel trotzt der Krise
11.08.2009 | 19:19 Uhr 2009-08-11T19:19:00+0200
Verbraucher akzeptieren immer häufiger Preisaufschläge, damit Produzenten in Entwicklungsländern höhere Erlöse erhalten. Durch die Wirtschaftskrise sensibilisiert.
Berlin. Die Verbraucher in Deutschland greifen immer häufiger zu fair gehandelten Lebensmitteln und Textilien. Im vergangenen Jahr gaben sie dafür fast 40 Prozent mehr aus als im Jahr zuvor, wie das „Forum Fairer Handel“ gestern in Berlin berichtete.
Idee gewinnt zunehmend Unterstützer
Insgesamt erlösten die Anbieter fair gehandelter Erzeugnisse 2008 knapp 270 Millionen Euro. „Der faire Handel trotzt der Krise“, sagte der Vorsitzende des Forums, Hans Christoph Bill. Mehr noch: Nach Auffassung des Netzwerks, in dem kirchliche und diverse andere Organisationen versammelt sind, gewinnt die Idee nachhaltigen Wirtschaftens mit fairen Bedingungen für die Produzenten in Entwicklungsländern zunehmend Unterstützer - insbesondere in der Wirtschaftskrise.
So habe die Branche in den vergangenen zwei Jahren 4,3 Millionen Neukunden gewonnen. 44 Prozent der Deutschen kaufe zumindest gelegentlich fair gehandelte Produkte in Supermärkten, Discountern oder „Weltläden”.
Der Griff zum fair gehandelten Kaffee oder Tee hängt dabei nicht so deutlich vom Geldbeutel ab, wie man meinen könnte. Von den Verbrauchern mit einem monatlichen Einkommen unter 1000 Euro gaben fast 40 Prozent an, zumindest gelegentlich fair gehandelte Produkte zu kaufen. In der Einkommensklasse ab 2500 Euro waren es 54 Prozent.
Dazu beigetragen haben auch die Discounter, die seit einiger Zeit fair gehandelte Erzeugnisse wie Kaffee, Schokolade, Orangensaft oder Bananen anbieten und für eine breite Marktdurchdringung sorgen. 27 Prozent der mit dem Fairtrade-Siegel ausgezeichneten Produkte werden mittlerweile bei Discountern verkauft. Die Wachstumsraten der vergangenen Jahre sind hoch, liegen aber gemessen am Gesamtumsatz der Lebensmittelbranche nach wie vor auf niedrigem Niveau. So stieg der Umsatz mit fair gehandelten Produkten von 99 Millionen Euro 2004 bis heute fast auf das Dreifache.
Besonders häufig griffen die Verbraucher 2008 zu Fruchtsäften (plus 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr), Zucker (plus 59 Prozent), Honig (plus 35 Prozent) und Kaffee (plus 13 Prozent). Die größten Wachstumsraten wurden mit Produkten erzielt, die das weit verbreite „Fairtrade”-Siegel tragen. Sie stehen inzwischen für 80 Prozent des Gesamtumsatzes mit fair gehandelten Produkten. Dominiert wird das Geschäft von Lebensmitteln, lediglich 17 Prozent des Gesamtumsatzes entfallen auf Schmuck, Geschirr oder Kunsthandwerk.
Verzicht auf Kinderarbeit
Warum der faire Handel boomt, zeigt der Blick auf die Kaufmotive. Drei Viertel der Verbraucher gaben an, fair gehandelte Produkte wegen des garantierten Verzichts auf Kinderarbeit zu kaufen. Eine „richtige Verwendung des Geldes”, „faire Preise für die Produzenten” und zunehmend auch Qualität spielen ebenfalls eine große Rolle
Informationen zum „Fairtrade”-Siegel gibt es beim Verein Transfair
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