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„Es ging immer nur um Geld”

25.09.2009 | 18:18 Uhr

Prof. Broelsch räumt Steuerhinterziehung bei kleineren Beträgen ein. Fahnder fanden 30 000 Euro in bar im Abrechnungsbüro

Essen. Von Chirurgen erwarten wir eines vor allem anderen: Dass sie die Ruhe bewahren. Doch Prof. Dr. Christoph Broelsch hat am zweiten Verhandlungstag vor dem Landgericht Essen zweimal die Ruhe verloren – ganz kurz. Einmal gab es einen kurzen, heftigen Ausbruch, und beim zweiten Mal räumte er mit einer merkwürdigen Mischung aus Nonchalance und Burschikosität ein, Steuern hinterzogen zu haben. „Wenn Sie das so sagen”, meinte er auf entsprechende Vorhaltungen von Richter Wolfgang Schmidt. Ihm sei „nicht schuldhaft ins Gewissen gestoßen”, dass es nicht den Buchstaben des Gesetzes entspricht, die 150 bis 210 Euro in bar, die er von Kassenpatienten für seine Chefarztsprechstunde nahm, nicht ordentlich zu verbuchen, sondern sie „einfach so ver-sanden” zu lassen, „für Blumen und für Reisen von Studenten”.

 Doch im Universum Broelsch hat es größere Summen gegeben, die zumindest auf ungewöhnliche Weise aufbewahrt wurden: Bei der Durchsuchung des Abrechnungsbüros wurden in Briefumschlägen und Stofftaschen vier Einzelbeträge von zusammen 30 000 Euro in bar gefunden, berichtete der Leiter der Ermittlungskommission Ralf Steffen vom Wirtschaftskommissariat der Kripo Essen.

 „Es ging immer nur um Geld”, berichtete er dem Gericht von der fast zweijährigen Arbeit der Kommission, die alle möglichen Verdachtsmomente und Spuren zusammentrug, untersuchte und schließlich die 62 Fälle zu Ende ermittelte, wegen der sich Broelsch nun vor Gericht verantworten muss: wegen des Verdachts von Betrug, Nötigung, Steuerhinterziehung.

 Die ersten Zeugen, die gestern aussagten, hätten Broelsch nicht aus der Ruhe bringen müssen. Die 71-jährige Witwe aus Warendorf bestätigte, dass Broelsch ihr vor der OP entgegengekommen sei. Statt der bereits unterschriebenen Vereinbarung zur privatärztlichen Behandlung, die 15 000 bis 20 000 Euro gekostet hätte, habe man sich zu einer Spende für die Forschung entschieden. Die kam mit 7500 Euro günstiger, und das Sekretariat Broelsch sorgte dafür, dass die Vereinbarung verschwand und es stattdessen eine Spendenquittung gab – allerdings erst auf mehrmalige Nachfrage.

 Gut, der Scheck musste schnell und noch vor der OP beschafft werden, genauso wie der über 1500 Euro, den eine jetzt 54-Jährige gern auf den Tisch legte, damit Broelsch ihr persönlich die Gallenblase entfernte. Aber Zwang zu spenden, den habe sie nicht verspürt, sagte sie.  Kripo-Mann Steffen ist es dann, der daran erinnert, dass die Patienten unterschrieben, dass die Spenden auch für Reisen ausgegeben wurden und meldet Zweifel an, dass es immer First-Class-Flüge, teure Hotels und noble Restaurants für die Forschungsreisenenden hätte geben müssen. Doch aus der Ruhe bringt er Broelsch mit einem Ermittlungskomplex wegen Organhandels, bei dem ihn der Richter ermahnt, dass dies nicht Gegenstand der Gerichtsverhandlung sei. Doch darauf springt Broelsch kurz darauf noch mal an: Er habe Unterlagen, aus denen eindeutig hervorgehe, dass da überhaupt kein Geld geflossen sei. Worauf ihn Richter Schmidt noch einmal erinnert, dass dies doch gar nicht verhandelt werde. 

Stephan Hermsen

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Kommentare
26.09.2009
19:50
„Es ging immer nur um Geld”
von akaz | #1

Der schönste Satz in diesem Bericht ist für mich: ...Doch im Universum Broelsch hat es größere Summen gegeben, ...

Da haben doch die Kosmologen und die Theoretischen Astrophysiker Recht, wenn sie behaupten, dass es Paralleluniversen gibt. In diesen Universen gelten möglicherweise andere physikalischen Gesetze. Dass in diesen Universen auch andere moralische und ethische Gesetze gelten, ist doch hiermit bewiesen.

Aber der Herr Professor ist nicht allein der Besitzer eines eigenen Universums. Sehr viele Firmen haben so etwas, ob Siemens, Telekom, Bahn oder alle Banken, selbst unser Bundes-Innenminister hat ein eigenes Universum.

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