Ermittlungen auf Hochtouren
11.03.2009 | 18:42 Uhr 2009-03-11T18:42:00+0100Abtreibung, Zwangsheirat: Immer mehr Details zu Lebensumständen des Reeser Mordopfers.
Rees. „Warum musste Gülsüm Semin sterben?” Diese Frage beschäftigt die Mordkommission in Krefeld. Vor gut einer Woche hatte ein Landwirt in Rees (Kreis Kleve) die Leiche der erschlagenen jungen Frau im Gebüsch eines kleinen Wäldchens gefunden. Inzwischen wird mehr und mehr über die 20-jährige muslimische Kurdin bekannt, die vor 13 Jahren mit ihrer Familie nach Rees zog. Mutmaßungen über einen sogenannten „Ehrenmord”, also ein Verbrechen aus einem falsch verstandenen Ehrbegriff heraus, belasten zunehmend das Zusammenleben in der Kleinstadt am Niederrhein.
Die Ermittler arbeiten unter Hochdruck. Und sie scheinen dem Mörder immer näher zu kommen, gestern verhängte sie eine absolute Auskunftssperre. Hintergrund offenbar: Viele Menschen, die Gülsüm kannten, hatten sich in den vergangenen Tagen in verschiedenen Medien zu Wort gemeldet und den Verdacht auf die Familie gelenkt. Dass die Kripo in diese Richtung ermittelt, wollen die Beamten auf Nachfrage nicht bestätigen. Zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung kamen zum Umfeld der Ermordeten.
Keine Vermisstenanzeige
„Leider gab es keine Hinweise, die etwas zum Abend des 2. März sagen konnten”, bedauert Gerd Hoppmann, der Leiter der Mordkommission. An diesem Montag wurde Gülsüm gegen 20.15 Uhr zum letzten Mal in ihrer Wohnung gesehen. Die junge Frau wohnte in Mülheim, getrennt von ihrer Familie. Sie war von ihren Angehörigen nicht als vermisst gemeldet worden.
Unter den Menschen, die sich zu Wort meldeten, war auch ihr Ex-Freund, ein 25-jähriger Türke. Seinen Angaben zufolge war Gülsüm in der Türkei zwangsverheiratet worden; akzeptierte das aber nicht. Die junge Frau wollte in Deutschland leben, schminkte und kleidete sich westlich; sie wollte hier arbeiten und eine Familie gründen.
Gülsüm Semin besuchte eine berufsvorbereitende Schule in Duisburg. Beim Einwohnermeldeamt an ihrem Wohnort Mülheim hatte sie beantragt, dass ihre Meldedaten nicht herausgegeben werden, sollte sich jemand nach ihr erkundigen. Die junge Frau hatte augenscheinlich Angst vor Nachstellungen.
Heimlich nach Holland
Sicher ist: Sie war schwanger, die Beziehung mit ihrem Freund scheiterte aber. Angeblich aus Angst vor der Familie entschloss sie sich, heimlich in den Niederlanden eine Abtreibung vornehmen zu lassen. Gülsüm fürchtete wohl, dass die Schwangerschaft als Schande gewertet würde. Angeblich soll es bei der Abtreibung Komplikationen gegeben und die Familie schließlich davon erfahren haben.
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