Erleichterung nach Papst-Brief
12.03.2009 | 18:27 Uhr 2009-03-12T18:27:00+0100
Katholische Bischöfe und Laien aber auch der Zentralrat der Juden in Deutschland begrüßen das Schreiben von Benedikt XVI.
In einem ungewöhnlichen Schritt hat sich Papst Benedikt XVI. an alle katholischen Bischöfe weltweit gewandt und in einem persönlichen Brief die Begnadigung der Bischöfe der Pius-Bruderschaft erläutert. In dem gestern offiziell veröffentlichten Schreiben räumt das Kirchenoberhaupt Pannen ein, rechtfertigt aber seine entgegenkommende Haltung zu den Pius-Brüdern als Geste der Versöhnung. Die Deutsche Bischofskonferenz nahm den Brief mit Erleichterung auf. Der Zentralrat der Juden in Deutschland reagierte mit „Respekt und Hochachtung”, erneuerte aber zugleich seine Kritik an der Pius-Bruderschaft.
Künftig aufmerksamer das Internet verfolgen
Die Aufhebung der Exkommunikation von vier Traditionalisten-Bischöfen habe zu einer Auseinandersetzung „von einer Heftigkeit geführt, wie wir sie seit langem nicht mehr erlebt haben”, schreibt der Papst. Benedikt XVI. nannte es eine Panne, dass der Vatikan Berichte über die Holocaust-Leugnung des britschen Bischofs Richard Williamson im Internet nicht rechtzeitig zur Kenntnis genommen habe. Diese Panne habe den Frieden zwischen Christen und Juden sowie den Frieden in der Kirche für einen Augenblick gestört; er bedauere das zutiefst. Er lerne daraus auch, „dass wir beim Heiligen Stuhl auf diese Nachrichtenquelle in Zukunft aufmerksamer achten müssen”.
Zugleich beklagt das Kirchenoberhaupt, dass „auch Katholiken, die es eigentlich besser wissen konnten, mit sprungbereiter Feindseligkeit auf mich einschlagen zu müssen glaubten”. Er habe gelegentlich den Eindruck gehabt, dass er selber ohne Scheu und Zurückhaltung mit Hass bedacht worden sei. Um so mehr danke er „den jüdischen Freunden, die geholfen haben, das Missverständnis schnell aus der Welt zu schaffen und die Atmosphäre der Freundschaft und des Vertrauens wiederherzustellen”.
Mit Blick auf die Pius-Bruderschaft unterstreicht der Papst, dass die Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe keine vollständige Rehabilitierung der Vereinigung bedeute. „Solange die doktrinellen Fragen nicht geklärt sind, hat die Bruderschaft keinen kanonischen Status in der Kirche und solange üben ihre Amtsträger, auch wenn sie von der Kirchenstrafe frei sind, keine Ämter rechtmäßig in der Kirche aus.”
Keine eigene Kongregation für Traditionalisten
Als konkrete Reform kündigt Benedikt XVI. an, die für Traditionalisten zuständigen Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei” mit der Glaubenskongregation zu verbinden. Damit solle deutlich werden, dass die jetzt zu behandelnden Probleme wesentlich lehramtlicher Natur sind, weil sie vor allem die Annahme des Zweiten Vatikanischen Konzils und des nachkonziliaren Lehramts der Päpste betreffen.
Der Bischofskonferenz-Vorsitzende, Erzbischof Robert Zollitsch, wertete das Schreiben als „Dokument des brüderlichen Umgangs mit uns Mitbischöfen, der geistlichen Unterscheidung und der ehrlichen Rechenschaft gegenüber allen Gläubigen”. „Wir sind dem Heiligen Vater für seinen freimütigen Brief sehr dankbar”, betonte Zollitsch, der in den nächsten Tagen im Vatikan zu einem persönlichen Gespräch mit dem Papst zusammentrifft. Der Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), der Duisburger Dirk Tänzler, erklärte zu dem Brief: „Das ist der Papst, wie wir ihn auf dem Weltjugendtag in Köln kennengelernt haben: authentisch, menschlich, versöhnend.”
Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan J. Kramer, würdigte den Schritt des Papstes. Es bleibe aber ein Dissens mit Blick auf die Aufhebung der Exkommunikation der Pius-Bischöfe. Die Gruppe agiere in ihrer Gesamtheit antidemokratisch und extremistisch. Auch in den vergangenen Tagen habe der deutsche Distriktobere der Pius-Bruderschaft, Franz Schmidberger, weiter sein Unwesen getrieben. „Sie hetzen nach wie vor weiter”, so Kramer.KNA
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