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Erleichterung nach Papst-Brief

12.03.2009 | 22:46 Uhr
Erleichterung nach Papst-Brief

Rom. Katholische Bischöfe und Laien, aber auch der Zentralrat der Juden begrüßen das Schreiben von Benedikt XVI. zum streit um die Pius-Bruderschaft.

Wenn es um den richtigen Zeitpunkt geht, überlässt der Vatikan nichts dem Zufall. Kaum ist der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch am Mittwoch in Rom gelandet, kursierte im Internet die umfangreiche Erklärung des Papstes zu der seit nun sieben Wochen gärenden Krise um die Pius-Bruderschaft. So hatte der Vatikan gleich den Bischofskonferenz-Vorsitzenden aus demjenigen Land auf seiner Seite, aus dem nach der Rücknahme der Exkommunikation für vier Bischöfe der Pius-Bruderschaft die heftigste Kritik gekommen war.

„ungewöhnlich persönlicher Brief”

Zollitsch nannte das Papier, das gestern offiziell vorgestellt wurde, denn auch einen „ausgezeichneten, großartigen und ungewöhnlich persönlichen Brief”. Hans-Joachim Meyer, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, sprach gar von einem „geschichtlich einmaligen Dokument”. Und der Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), der Duisburger Dirk Tänzler, erklärte: „Das ist der Papst, wie wir ihn auf dem Weltjugendtag in Köln kennengelernt haben: authentisch, menschlich, versöhnend”. Der Zentralrat der Juden reagierte mit „Respekt und Hochachtung”, erneuerte aber zugleich seine Kritik an der Pius-Bruderschaft.

In einem ausführlichen Schreiben hatte sich Benedikt an die weltweit fast 5000 katholischen Bischöfe gewandt um die Fragen zu beantworten, die seit Ende Januar Talkshows, Leitartikel und Politiker-Kommentare bewegen. Es sei eine „für mich nicht vorhersehbare Panne” gewesen, dass die Aufhebung der Exkommunikation überlagert worden sei „von dem Fall Williamson”. Explizit erwähnt er dessen Holocaust-Leugnungen indes ebenso wenig wie andere antisemitische Tendenzen in der Pius-Bruderschaft.

Dass diese „Überlagerung” „den Frieden der Kirche und auch den Frieden in der Kirche für einen Augenblick gestört hat, kann ich nur zutiefst bedauern”. Um solche Situationen künftig zu vermeiden wolle der Heilige Stuhl künftig intensiver auf die Nachrichtenquelle Internet achten. Außerdem wird der Sonderstatus der vatikanischen Traditionalistenlobby ein Ende haben. Die „Kommission Ecclesia Dei”, deren allzu großem Ehrgeiz die „Pannen” Benedikts angelastet werden, wird wieder Teil der Glaubenskongregation.

Zudem bedauert der Papst, dass „Grenze und Reichweite” der Aufhebung der Exkommunikation nicht klar genug dargestellt worden seien. Er betont: „Die Exkommunikation trifft Personen, nicht Institutionen.” Die Pius-Bruderschaft könne kein Teil der Kirche sein, „solange die doktrinellen Fragen nicht geklärt sind”.

Wohlgemerkt: Der Papst bedauert eine Kommunikationspanne und ein Missverständnis. Ausführlich verteidigt er hingegen den „leisen Gestus der Barmherzigkeit“, mit dem er die vier Traditionalistenbischöfe „von der Gewissenslast der Exkommunikation als der schwersten Kirchenstrafe“ habe befreien wollen.

Denen, die fürchten, der Papst wolle die Öffnungen der Kirche durch das II. Vatikanische Konzil (1962-1965) zurückfahren, sagt Benedikt: „Man kann die Lehrautorität der Kirche nicht im Jahr 1962 einfrieren”, das müsse auch der Bruderschaft ganz klar sein. All zu Progressive fängt er indes gleich wieder ein: Manchen, „die sich jetzt als Verteidiger des Konzils hervortun, muss auch in Erinnerung gerufen werden, dass das II. Vaticanum die ganze Lehrgeschichte der Kirche in sich trägt.”

In für ein Kirchenoberhaupt ungewöhnlich offenen Worten spricht Benedikt von seinen persönlichen Verletzungen. „Betrübt“ habe ihn, dass „selbst Katholiken, die es besser wissen konnten, mit sprungbereiter Feindseligkeit auf mich einschlagen zu müssen glaubten.“ Manchmal „hat man den Eindruck, dass unsere Gesellschaft wenigstens eine Gruppe benötigt, der gegenüber es keine Toleranz zu geben braucht; auf die man ruhig mit Hass losgehen darf. Und wer sie anzurühren wagte – in diesem Fall der Papst –, ging auch selber des Rechts auf Toleranz verlustig und durfte ohne Scheu und Zurückhaltung ebenfalls mit Hass bedacht werden.“

Dass manche Kritik jedoch auch berechtigt gewesen sein könnte, davon spricht der Papst hingegen nicht.

Der Papst-Brief im Wortlaut

Thomas Rünker, Paul Kreiner

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Kommentare
13.03.2009
17:45
Erleichterung nach Papst-Brief
von sub1603 | #2

Eine Aufhebung der Exkommunikation Luthers als Versöhnungsgeste mit den Protestanten? Dieser Vorschlag ist doch ohne Sinn, denn Martin Luther ist doch ein komplett anderer Sachverhalt.

Immer wieder die Unfehlbarkeit des Papstes zu betonen, dient doch nur dem Zweck, ihn anschließend abzukanzeln. Denn die Unfehlbarkeit hat mit dem Sachverhalt Pius-Bruderschaft nicht das Geringste zu tun, da der Papst hier keine Glaubens- oder Sittenlehre verkündet hat. Auf die Unfehlbarkeit hat sich zuletzt 1954 Papst Pius XII. bezogen, als er die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel verkündet hat.
Und eine sachliche Begründung für die Aussage zum Pannen-Papst wird es wohl auch nicht geben.
Es ist halt schick, alles was gegen den Mainstream geht runter zu machen. Das ist schon fast zur Ideologie geworden. Wie hat Frau Knobloch gesagt: (Frau Merkel hat sich) auf die Seite gestellt, auf die man sich in diesem Konflikt zu stellen hat. Das ist Zensur und Meinungsdiktatur! Und das ist so unmoralisch wie es nur sein kann. Aber weil (scheinbar) die Mehrheit auf der Seite ist, die von anderen vorgeschrieben wird, rennen alle wie die Lemminge hinterher und finden sich dabei noch unglaublich intellektuell.
Fakten, wie die Aussagen von Rabbinern, die gesagt haben, die Erklärungen des Papstes sind ausreichend, oder wie die Aussage des amerikanischen Rabbi Yehuda Levin, der die Ausshöhnung mit den Piusbrüdern (aufgrund der vagen Positionen von Linkskatholiken zum Lebensrecht) unterstützt, werden einfach mal außen vor gelassen. Es ist unbequem und anstrengend, die Dinge von zwei Seiten zu betrachten. Einfacher ist es, mit immer denselben Klischees die Keulen zu schwingen. Das ist auch intellektuell nicht so anstrengend. Vielleicht ist in Deutschland - und nur hier! - die Diskussion deshalb so gelaufen, weil wir einfach nicht mehr fähig sind, zu reflektieren. Mit Begriffen wie extrem und reaktionär kann man halt besser schlagen als mit der sachlichen Diskussion, die vor allem die Würde des Einzelnen, die ein jeder von uns für sich in Anspruch nimmt und die selbstverständlich auch für den Papst gilt, angreift. Denn es ist gemein und unmenschlich, einen anderen für eine Entscheidung, mit der man nicht einverstanden ist, als senil u. ä. zu schimpfen. Aber das zeigt nur eines: Das Dschungel-Camp ist offenbar ein Querschnitt unserer Gesellschaft.
Was ich jetzt, nach dem Brief dieses großen Theologen-Papstes, erwarten würde, wären ebenso große Pressemitteilungen des Zentralrates oder von Küng & Co. wie sie zu Beginn der Debatte erschienen sind. Aber dazu fehlt den Angesprochenen wohl die menschliche Größe... Schade, es zeigt aber im Fall der Frau Knobloch, dass sie von ihrem großen Vorgänger Ignatz Bubis nichts gelernt hat. Gerade ihn habe ich in der ganzen Zeit, wie so oft, schmerzlich vermisst. Denn dann wäre es sachlich und souverän zugegangen, mit Stil und Würde.

13.03.2009
09:10
Erleichterung nach Papst-Brief
von Roland Klose | #1

Der unfehlbare Papst räumt selbst Fehler ein. Wie kann das sein? Dabei hat doch Papst Benedikt XVI. angeblich einen ganz heißen Draht zu unserem Gott. Andererseits ist der Vatikan definitiv noch nicht im Internet-Zeitalter angekommen. Der anfangs vielumjubelte Benedetto hat sich mittlerweile zum Pa(nnen)-Pa(pst) gewandelt, der auf Kritik vor allem seiner katholischen Schafe nur noch beleidigt und verletzt reagiert. Hat er keine Lehren aus der Holocaust-Äffare um Bischof Richard Williamson gezogen? Jetzt die Aufhebung der Exkommunikationen der vier Pius-Bischöfe als reine Versöhnungsgeste darzustellen, ist viel zu wenig. Wann erkennt die Pius-Bruderschaft endlich das II. Vatikanische Konzil an und vor allem, wann dementiert Williamson öffentlich in einem Interview seine Holocaust-Leugnung wie vom Vatikan seinerzeit gefordert? Warum gibt es keine Versöhnungsgeste durch die Aufhebung der Exkommunkation Martin Luthers? Es bleiben noch viele offene und ungelöste Fragen die reaktionäre Pius-Sekte betreffend.

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