Entsetzen über afghanische Justiz
23.10.2008 | 07:31 Uhr 2008-10-23T07:31:00+0200Essen. Ein 24-jähriger Journalistikstudent soll in Afghanistan für zwanzig Jahre hinter Gitter. Sein "Verbrechen": Er hat einen Internet-Artikel verbreitet, der sich kritisch mit der Rolle der Frau im Islam auseinandersetzt. Menschenrechtler sind entsetzt, das Auswärtige Amt ist besorgt.
Sayed Perwiz Kambakhsh muss nicht sterben, weil er einen kritischen Internet-Artikel über die Rolle der Frau im Koran verbreitet hat. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Dem heute 24 Jahre alten afghanischen Journalistikstudenten drohen jetzt zwanzig Jahre Gefängnis wegen Gotteslästerung. Dazu hat ihn ein Berufungsgericht in Kabul verurteilt, der Hauptstadt des Landes, in dem Bundeswehr-Soldaten sterben, um „die afghanische Interimsregierung bei der Wahrung der Menschenrechte” zu unterstützen, wie es das Verteidigungsministerium formuliert.
Verurteilt am Bundeswehrstandort
Kambakhsh sitzt seit Oktober 2007 im Gefängnis. Er war festgenommen worden, weil er an seiner Universität einen Internet-Artikel verbreitet haben soll, in dem Koran-Auslegungen kritisiert werden, die die Unterdrückung von Frauen rechtfertigen. Im Januar wurde er in Mazar-i-Sharif, der Stadt, in der sich die deutsche Isaf-Zentrale befindet, von einem islamischen Scharia-Gericht zum Tode verurteilt. Ein Urteil, das im Westen Entsetzen und Proteste der Vereinten Nationen, Menschenrechtsgruppen und Journalistenverbände auslöste.
Auch das Urteil des weltlichen Berufungsgerichtes in Kabul ist auf harsche Kritik gestoßen: Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) nannte es „beschämend” und führte es auf den „Druck von Fundamentalisten” zurück. Die Gesellschaft für bedrohte Völker sprach von einem „schwarzen Tag für den Rechtsstaat Afghanistan”. Asien-Referent Ulrich Delius kritisierte insbesondere den afghanischen Staatspräsidenten Hamid Karzai, der versprochen habe, sich für die Freilassung des jungen Mannes einzusetzen.
Auswärtiges Amt: Urteil "erscheint unverhältnismäßig"
Im Auswärtigen Amt sieht man das Urteil ebenfalls kritisch: „Die in der ersten Instanz verhängte Todesstrafe wurde nicht bestätigt, dennoch erscheint das Urteil unverhältnismäßig”, so ein Sprecher auf NRZ-Anfrage. Die Bundesregierung werde das Revisionsverfahren vor dem Obersten Gerichtshof „genau verfolgen”. Die afghanische Justiz habe jetzt „eine weitere Gelegenheit, ihre Unabhängigkeit zu beweisen”.
Allein in diesem Jahr gibt das Auswärtige Amt zwei Millionen Euro für Projekte zur Stabilisierung des afghanischen Justizwesens aus. Das Entwicklungsministerium hat dafür bislang 6,5 Millionen Euro aufgewandt.
17:17
Das mit dem Verteidigen der Freiheit hat wohl nicht viel gebracht.
09:59
Alle soldaten raus, Geldflüsse stoppen, das Land hermetisch gegen den Rest der Welt abriegeln und ansonsten in Ruhe lassen. Das wäre die einzig logische Reaktion auf solche Vorkommnisse, egal, in welchem Land dieser Erde. Wer sind wir denn, einem autonomen Staat vorschreiben zu wollen, wie er seine internen Dinge regelt. Das ist die einzige Überlegung, die rechtlich haltbar ist. Keine Kontakte mehr, keine Wirtschaftsverkehr, insbesonders hier den Export jeglicher Güter -auch Mohnprodukte- verhindern.
07:43
Denke, wir sichern den Mohnexport in die USA.
00:46
Der Artikel ist doch ein Witz!
Der macht den Anschein alsob es NUR in Afghanistan DIESEN EINEN Fall gäbe...
Tatsächlich gibts davon mit Sicherheit täglich mehrere Fälle und zwar in nahezu allen islamischen Staaten. Der Student hat Glück daß er nicht schwul ist: Darauf steht nämlich die Todesstrafe! Und der Justiz ist es auch egal ob es sich um Männer, Frauen oder Kinder handelt!
20:55
Die große Frage: Was macht man mit einem Land, das sich als Terrorzelle entwickelt hat und von dort die westliche Welt bedroht?
Man wandte die alten Rezepte an, z. B. a la Vietnam:
Politisch: Man muß ein quasi westlich orientiertes Vasallenregime installieren, das von der dortigen Bevölkerung weitgehend abgelehnt und nur am Tropf der Westmächte hängt, das kann und wird auf Dauer nicht gut gehen.
Militärisch: Die westlichen Mächte verstricken sich in einen unsäglichen Partisanenkrieg, der von vornherein als verloren gelten muß.
20:50
Soviel also zu den demokratischen Strukturen, welche die Bundeswehrsoldaten in Afghanistan helfen sollen aufzubauen.
20:14
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