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Geldpolitik

Elektroschock für die Wirtschaft

19.03.2009 | 19:50 Uhr

Die US-Notenbank öffnet alle Schleusen und wirft 1,25 Billionen Dollar auf den Markt. Die Sorge vor einer Inflation wächst.

Berlin. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) öffnet alle Schleusen. Insgesamt pumpen die Währungshüter um Fed-Chef Ben Bernanke noch einmal 1,25 Billionen US-Dollar in die US-Wirtschaft. In Ein-Dollar-Scheinen ergibt sich so ein Turm von mehr als 100 000 Kilometern Höhe, was etwa einem Drittel der Strecke von der Erde bis zum Mond entspricht. Finanziert wird das gigantische Programm über die Notenpresse, die Geldmenge wird also noch einmal drastisch aufgebläht. Kann das gut gehen? Die NRZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

Warum kauft die Fed eigentlich Wertpapiere?

In den USA liegt der Leitzins schon bei quasi 0%. Die klassische Geldpolitik ist damit am Ende ihrer Möglichkeiten. Wegen der außergewöhnlich schlechten Wirtschaftslage greift die Fed deshalb nun zu ungewöhnlichen Mitteln, was vorher schon Japaner und Briten getan haben. Durch den Ankauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren will sie die langfristigen Zinsen weiter drücken. Kredite für Verbraucher und Unternehmen sollen noch billiger werden, um die Nachfrage zu stimulieren. Die Bank Unicredit spricht von einem „Elektroschock” für die Märkte.

Um welche Wertpapiere geht es dabei?

Am größten ist der Posten für den Ankauf hypothekenbesicherter Papiere (Mortgage Backed Securities, MBS). Das sind verbriefte Forderungen, die mit Immobilienkrediten besichert sind. Für den Ankauf dieser MBS von den Banken druckt die Fed 750 Mrd US-Dollar. Das Ziel dieses „Credit Easing” genannten Verfahrens: Die Hypothekenzinsen sinken, in Not geratene Hausbesitzer werden so entlastet.

Ähnlich verhält es sich mit dem Ankauf von US-Staatsanleihen, wofür die Fed 300 Mrd Dollar ausgibt. Durch die starke Nachfrage der Notenbank nach Staatsanleihen mit Laufzeiten von 10 Jahren steigen deren Kurse, spiegelbildlich sinkt ihre Rendite. Die Folge: Die langfristigen Zinsen sinken, Kredite für Unternehmen und Verbraucher werden billiger. Weitere 200 Milliarden wendet die Fed auf, um von (halb-)staatlichen Instituten wie der Immobilienbank Fannie Mae ausgegebene Schuldverschreibungen aufzukaufen.

Wird die Notenpresse der Amerikaner nicht eine gigantische Inflation auslösen?

Gut möglich. „Der Dollar wird geschlachtet”, sagte ein Händler. Der „Greenback” gab gegenüber dem Euro um mehr als 3% nach. Auch der Goldpreis stieg. Die Anleger flüchten aus dem Dollar, weil sie Sorge vor einer ungeheuren Inflation haben. Aktuell ist die Gefahr zwar gering, weil das Risiko eines allgemeinen Preisverfalls (Deflation) überwiegt. Sobald aber die Wirtschaft Tritt fasst, muss die Fed rasch reagieren, um das Geld wieder einzusammeln. Genau das war vor ein paar Jahren aber nicht gelungen, als die Geldflut, die Bernankes Amtsvorgänger Alan Greenspan nach dem 11. September 2001 lostrat, nicht früh genug eingedämmt wurde - der Nährboden für die heutige Krise.

Warum sind die Börsenkurse trotzdem gestiegen?

Börsianer lieben billiges Geld, weil sich Verbraucher und Unternehmen dann billiger finanzieren können. Wichtiger noch aber ist das Signal der US-Notenbank an die Märkte, dass sie eine schwere Depression mit allen Mitteln vermeiden will. Und sei es um den Preis, dass sie mit dem Aufblähen der Geldmenge schon wieder den Keim für die nächste Krise säht.

Peter Hahne

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