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Ein Staatsbesuch des Charmes

28.04.2009 | 14:58 Uhr
Ein Staatsbesuch des Charmes

In Spanien ringen Frankreichs First Lady Carla Bruni und Prinzessin Letizia Ortiz um die Krone des Glamours.

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste auf dem internationalen Parkett? Den zwei-tägigen Staatsbesuch von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy in Spanien hatte die Boulevardpresse zu beiden Seiten der Pyrenäen von vornherein als ein Spitzenduell der Eleganz ausgelobt. Wie Argus-augen verfolgten die Objektive der Kameras jedes Aufeinandertreffen der französischen First Lady Carla Bruni (40) mit der spanischen Kronprinzessin Letizia Ortiz (36) und die Kommentare über die Garderoben der beiden Damen verdrängten den zwischen Paris und Madrid vereinbarten Schulterschluss im Kampf gegen Terrorismus sowie illegale Einwanderung von den Titelseiten.

Keine Frage: Schlank, gut aussehend, langhaarig und an öffentliche Aufmerksamkeit gewohnt sind sowohl das ehemalige Top-Model Bruni als auch die frühere Starjournalistin Ortiz. Ebenso zeichnet beide Frauen die ausgesuchte Eleganz aus, mit der sie sich zu kleiden wissen. Wer aber würde Wen in den Schatten stellen im Wettstreit um die Krone der Grazie und des Glamours, wer würde am Besten jene schwierige Balance zwischen Protokoll und Show halten können, die es bei solchen Treffen zu finden gilt?

Über mangelnde Popularität auf der iberischen Halbinsel kann sich „Carlita”, wie Carla Bruni von den Spaniern gerne genannt wird, keineswegs beklagen. Aber ihre Rivalin, die Kronprinzessin, ist in Madrid die Königin der Herzen. Und obwohl Carla schon bei der Ankunft im kleinen, mit einem weißen Bolero kombinierten Schwarzen glänzte, hatte sie einen schwierigen Stand.

Wie auf Eiern gegangen

Es sei eben einfacher, Queen Elizabeth II. oder Michelle Obama auszustechen als Letizia Ortiz, lästerte die seriöse Tagezeitung „El Pais”. Immerhin konstatierte das Blatt einen Gleichstand, als Carla und Letizia bei der Begrüßung Wangenküsschen tauschten. Der blaue Zweiteiler der Französin und das pflaumenfarbene, ebenfalls halblange Kleid der Spanierin sollen sich so ebenbürtig gewesen sein wie beider formvollendeter Auftritt. Die Stunde der Entscheidung schlug also beim Galadiner im Königspalast. Hier gelang es Letizia, nach spanischer Meinung, in silbergrauer Robe mit Schleppe und Diadem im Haar Carlas nachtblaues, von einem Diamantencollier geschmücktes Abendleid auszustechen. Französische Beobachter hingegen fanden das Gewand der Französin stilvoller und ihren Gang eleganter, da die kleinere Letizia sich auf zu hohe Absätze stellte und angeblich „wie auf Eiern” wandelte…

Bleibt festzuhalten, dass in einem Punkt völlige Einigkeit herrschte in der französisch-spanischen Resonanz: Beim „Staatsbesuch des Charmes” gab der Chic den Ton und nicht die Politik. Carlas und Letizias Lächeln spiegelten demnach den Stand der Beziehungen zwischen Paris und Madrid wieder, die laut offiziellen Äußerungen und ungeachtet einer (dementierten) despektierlichen Bemerkung Sarkozys über mangelnde Intelligenz von Spaniens Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero „so gut wie nie” sind. NRZ

Peter Heusch

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