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Ein Bildungsstreik mit Chancen

16.11.2009 | 20:24 Uhr
Ein Bildungsstreik mit Chancen

Düsseldorf/Essen. Mit ihrer Kritik an den neuen gestrafften Bildungsgängen stoßen die Studenten nicht auf taube Ohren. Heute stehen wieder große Demonstrationen in mehreren NRW-Städten an - unter anderem Essen und Düsseldorf.

Protestiert wird heute dezentral. In vielen Städten soll es Aktionen von Studenten geben, dazu eine große Demo ab 11 Uhr am Hauptbahnhof in Düsseldorf. Wie viele wohl auf den Beinen sein werden? „Bei der Demo vielleicht 3000, landesweit vielleicht 5000 oder 10 000 – schwer zu sagen”, meinte Hilmar Schulz, einer der Sprecher des Studentenprotestes an Rhein und Ruhr, gestern gegenüber der NRZ.

Dass es wohl keine Massenbewegung ist, räumt der Student von der Hochschule Niedrrhein (Krefeld/Mönchengladbach) unumwunden ein. Aber: An den Universitäten gebe es große Sympathien für die Bildungsdemonstranten. Selbst diejenigen, die den Protest ablehnen, täten dies, „weil ihnen die Form nicht passt, weil sie nicht für Hörsaalbesetzungen sind”: „Aber auch sie merken und wissen, dass mit Bachelor- und Masterstudiengängen etwas nicht stimmt”, ist Schulz überzeugt.

Studiengebühren, das Dauerbrennerthema

Bachelor und Master – der Ärger mit den gestrafften neuen Studiengängen ist nur ein Grund, weshalb die Studenten auf die Straße gehen. Es geht auch darum, dass sich Hochschulen weiter öffnen, Zugangsvoraussetzungen fallen sollen. Zudem holen die Studenten die Dauerbrennerforderung nach Abschaffung der Studiengebühren wieder aus dem Schrank. Gebührenhamsterei befeuert dabei den Zorn der Protestierer.

Gut sechseinhalb Millionen Euro hatte z. B. die Hochschule Niederrhein gebunkert, ehe sie das Geld samt und sonders auf Druck des Ministeriums in einem eilig gezimmerten Investitionsprogramm verplante. Am Sinn der einzelnen Maßnahmen haben Leute wie Hilmar Schulz mächtige Zweifel: „Man muss das W-LAN-Netz an der Uni nicht noch ausbauen, wenn es doch schon einigermaßen funktioniert.”

Wissenschaftsrat räumt Fehler ein

Politisch scheint bundesweit bereits etwas in Bewegung gekommen zu sein. Nach den Protesten und Hörsaalbesetzungen der vergangenen Tage hatte der Wissenschaftsrat am Wochenende Fehler bei der Bachelor-Einführung eingeräumt; auch der Vorsitzende der Kultusministerkonferenz hatte Verständnis für die Studenten geäußert.

In Nordrhein-Westfalen hat Minister Andreas Pinkwart (FDP) zumindest bei einigen Anliegen Zweifel, ob es den Protestierern wirklich um die Sache geht – etwa, wenn die Forderung nach einer Abschaffung des Stipendiensystems erhoben wird: „Gerade da ist NRW doch führend”, wunderte sich ein Sprecher. Grundsätzlich aber begrüße man, wenn Studenten ihre Interessen artikulieren. Zudem scheint auch im Ministerium die Erkenntnis zu reifen, dass es bei Bachelor und Master nicht rundläuft.

Studenten fühlen sich als „Versuchskaninchen”

Man werde untersuchen, ob es zu hohen Prüfungsdruck und überzogene Anwesenheitspflichten gibt, versicherte der Sprecher. Falls ja, sei das ein Problem der Praxis an den Hochschulen – „das Gesetz jedenfalls verlangt keinen sechsmestrigen Abschluss”. Man werde dazu das Gespräch mit den Rektoren und Prorektoren suchen.

Student Hilmar Schulz indes mag nicht gelten lassen, wenn der Schwarze Peter an die Unis weitergegeben wird. Aus seiner Sicht macht sich das Ministerium einen schlanken Fuß: „Es hat den Unis Vorgaben gemacht, die sie gar nicht umsetzen können – und wir Studenten müssen bei den neuen Studiengängen Versuchskaninchen spielen!”

Holger Dumke

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