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Silvester

Die Rakete von heute trägt pink

29.12.2009 | 15:47 Uhr
Die Rakete von heute trägt pink

Essen/Ratingen. Ab Dienstag sind wieder für drei Tage Silvesterraketen, -böller und Co. in den Geschäften zu haben. Und trotz eher trüber Wetteraussichten für die Neujahrsnacht hofft der in Ratingen ansässige Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) auf Millionenumsätze.

Schlag zwölf wird es Markus Schwarzer am Donnerstag richtig krachen lassen. „Zuerst kommen einige Vulkanfontänen, anschließend römische Lichter und ein paar leisere Batteriefeuerwerke”, beschreibt der Marketing-Chef des deutschen Böller-Marktführers Weco die Choreographie seines Privatfeuerwerks. „Dann gibt's ein Zwischenfinale: mit großen Raketenkalibern. Zwischenzeitlich das Tempo fallen lassen, das ist ganz wichtig, und dann zum großen Schlag ausholen, mit 10 Batteriefeuerwerken gleichzeitig. Und am Ende: Goldregen.”

Dieser Spaß am Silvesterabend kostet freilich um die 250 Euro. Wer so viel Enthusiasmus zum Jahreswechsel für Ballerballa hält, dem sei gesagt: Es ist auch schon für den kleineren Geldbeutel was zu haben. „Von drei bis 90 Euro ist alles möglich”, erklärt Klaus Gotzen.

109 Millionen Euro Umsatz

Ab Dienstag stehen Raketen, Böller und Co. für drei Tage in den Geschäften, und der Geschäftsführer des Verbandes der pyrotechnischen Industrie (VPI) hofft auf ähnlich gute Umsätze wie im vergangenen Jahr. 109 Millionen Euro haben sich die Deutschen vor Jahresfrist die Knallerei in der Neujahrsnacht kosten lassen – Wirtschaftskrise hin oder her. Die Erfahrung habe gezeigt, dass gerade in schwierigen Zeiten ausgiebig gefeiert werde.

Wie gut das Geschäft mit dem Feuer ab heute laufen wird, hängt auch vom Wetter ab. „Wenn's ungemütlich ist, kaufen die Unentschlossenen eher nicht”, so Gotzen. Rebekka Krampitz vom Wetterdienst Meteomedia hat in dieser Hinsicht schlechte Nachrichten: Das grau-bewölkte Wetter hält bis Silvester an, bei Temperaturen um null Grad sind Niederschläge von Regen bis Schnee möglich.

Schöner, bunter, größer

Wie auch immer: Buntes Feuerwerk kann sich auch vor wolkigem Nachthimmel sehen lassen. Plumpes Böllern jedenfalls ist out. Schöner, bunter, größer – was in diesem Jahr beim Bundesamt für Materialforschung und -prüfung (BAM) zum Sicherheitstest ankam, war „mit immer mehr Schwarzpulver und Glitzereffekt gefüllt”, heißt es aus Berlin.

Info
Tipps für Hundebesitzer

Die Silvesterknallerei kann nach Schätzungen bei gut 20 Prozent aller Hunde zu Angstzuständen führen.

Besonders Collies bereite der lärmende Neujahrsübergang oft Probleme, hat die Düsseldorfer Tierärztin für Verhaltenstherapie, Karina Mahnke, beobachtet.

Was tun? Eine einfache Möglichkeit zur Geräuschgewöhnung bieten Geräusch-CDs. Am Silvesterabend alle Fenster, Rollläden und Vorhänge schließen. Musik und/oder Fernsehergeräusche helfen, genauso wie ein besonders geliebter Kauartikel, z. B. ein getrocknetes Rinderohr, den der Hund länger nicht mehr bekommen hat. Am besten ein paar Minuten vor 24 Uhr überreichen. Zeigt der Hund Angst: nicht darauf eingehen, auch den Hund nicht zu beruhigen versuchen. Zulassen, dass er sich versteckt (das gilt auch für Katzen).

Hatte der Hund bereits Zufall ein traumatisches Silvester-Erlebnis, helfen angstlösende Futterzusatzstoffe (Kosten für eine Monatskur pro 20-Kilo-Tier: um 45 Euro) Auch spezielle Halsbänder können für Wohlfühlstimmung sorgen (27,50 Euro).

Der Trend gehe seit Jahren zum Batteriefeuerwerk, berichtet auch VPI-Chef Klaus Gotzen. Einmal angezündet, schießen diese Verbundfeuerwerke Dutzende Leucht- und Knallkörper ab. „Im Trend sind optisch effektvolle Sachen”, sagt Gotzen, „all das, was schöne Bilder an den Himmel zaubert.” Neu im Sortiment: Gleich mehrere Batterien, die aneinandergekoppelt sind. „Da hat man mehrere Minuten Freude.” Und bei den Farben ist Schwelgen angesagt, allerdings abseits vom gewohnten Rot, Blau und Grün. Die Raketen der Saison trügen vielmehr Pink, Lemon, ein mintfarbenes Aqua und Orange in den Himmel, schwärmt Weco-Mann Schwarzer.

Weniger Beanstandungen bei Fernost-Produkten

Mit der Werbung für „Tripple Fire”, „Wildshots” oder „Challenger” kommen auch die Warnungen, das Feuerwerk mit Vorsicht zu genießen. Die Feuerwehren stellen sich auf die „arbeitsreichste Nacht des Jahres” ein. Der Großteil der Einsätze sei durch unachtsamen Umgang mit Raketen und Co. verursacht, erklärt Ralf Ackermann, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbands.

Dabei wird das in Deutschland verkaufte Feuerwerk – zu mehr als 60 Prozent aus Fernost importiert – immer sicherer: Die Zahl der beanstandeten Feuerwerkskörper gehe stetig zurück, teilte das BAM gestern mit. Jedes Feuerwerk, das in Deutschland legal verkauft werden soll, wird hier auf Herz und Nieren geprüft. Beim Kauf der Silvesterrakete sollten Kunden daher unbedingt auf die BAM-Nummer achten.

Bis zu 1000 Grad heiß

Ungefährlich sind allerdings auch sicherheitsgetestete Knall- und Leuchtkörper nicht: Beim Abbrennen können laut Landesgesundheitsministerium Temperaturen von bis zu 1000 Grad Celsius auftreten. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. mahnt Eltern, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nicht mit Feuerwerk hantieren zu lassen.

Auch Klaus Gotzen rät: „Wer das Feuerwerk hochschießt, sollte einen klaren Kopf haben!” Es könne nicht schaden, sich schon am Nachmittag in Ruhe die Bedienungsanleitung durchzulesen. Raketen sollten aus schweren Sektflaschen oder besser noch aus Flaschen in einem Flaschenkasten abgeschossen werden, Batterien auf ebenem Untergrund aufgestellt werden – genügend Sicherheitsabstand sollte selbstverständlich sein. „Achten Sie auf das Umfeld”, rät Christoph Schöneborn, Sprecher des Verbandes der Feuerwehren in NRW. „In der unmittelbaren Nähe von Fachwerk- oder Reetdachhäusern ist das Abbrennen seit diesem Jahr verboten!”

Sarah Hubrich und Michael Minholz

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Kommentare
29.12.2009
21:54
Blockierter Kommentar.
von miriam.lessmann | #1

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