Die Parteien machen leere Steuerversprechungen
11.09.2009 | 15:13 Uhr 2009-09-11T15:13:00+0200
Essen. Der Wahlkampf ist die Zeit großer Worte: Die Steuerzahler sehnen sich nach Erleichterungen und die Parteien versprechen das Blaue vom Himmel. Die Ernüchterung ist unausweichlich: Vor allem Union und FDP haben Steuer-Versprechen in ihre Programme geschrieben, die sie nicht einhalten können.
In Wahlkampfzeiten laufen die Märchenerzähler in den Parteizentralen bekanntlich zu Höchstform auf. Politiker versprechen das Blaue vom Himmel herunter, nach der Wahl mag man sich an vieles dann nicht mehr erinnern. Die größte Wahllüge deutet sich im Bundestagswahlkampf 2009 auf dem Gebiet der Steuerpolitik an. Vor allem FDP und Union haben Versprechen in ihre Wahlprogramme geschrieben, die sie angesichts der katastrophalen Haushaltslage infolge der Wirtschaftskrise nach Auffassung von Fachleuten wohl nie werden halten können.
So verspricht die FDP ein völlig neues Steuersystem mit nur noch drei Steuersätzen - und einem Entlastungsvolumen von 35 Milliarden Euro. Einkommen bis zu 20 000 Euro werden nach den Plänen der Liberalen nur noch mit zehn Prozent Steuern belegt, bis 50 000 Euro würden 25 Prozent fällig und für Einkommensanteile darüber soll der Fiskus nur noch 35 Prozent eintreiben. Der Drei-Stufen-Tarif sieht ferner einen Grundfreibetrag von 8004 Euro im Jahr vor, der auch für jedes Kind gelten soll.
Alles unter Vorbehalt
Für die Gegenfinanzierung verweisen die Liberalen mutig auf die Lehren des früheren Reagan-Beraters Arthur Laffer. Der US-Ökonom hatte einst die empirisch nie belegte, dafür aber in der Praxis umso häufiger widerlegte Vorstellung populär gemacht, dass sich Steuersenkungen durch ein höheres Wirtschaftswachstum weitgehend selbst finanzieren.
Soweit geht der Glaube in der Union an die segensreiche Wirkung leistungsfördernder Steuersenkungen zwar nicht. Aber auch die CDU/CSU lässt sich durch ein erwartetes Haushaltsdefizit von 90 Milliarden Euro für 2010 allein im Bundeshaushalt nicht davon abbringen, den Bürgern vor der Wahl wenigstens kleine Steuererleichterungen in Aussicht zu stellen. So soll der Eingangssteuersatz schrittweise von 14 auf 12 Prozent sinken. Auch für Besserverdienende hat die Union etwas im Angebot. Der Spitzensteuersatz soll künftig nicht mehr ab einem Jahreseinkommen von 52 552 Euro greifen, sondern langfristig erst ab 60 000 Euro.
Langfristig – damit ist das Credo der Union in Sachen Steuerpolitik ohnehin wohl am besten umschrieben. Alles mit Blick auf die Steuer- und Finanzpolitik steht unter Finanzierungsvorbehalt und hängt davon ab, wie sich Wirtschaft und Haushaltslage in der Zeit nach der Wahl entwickeln.
Die SPD buhlt um die kleinen Leute
Die SPD wiederum gibt sich bemerkenswert offen: „Eine verantwortungsvolle Finanzpolitik muss akzeptieren, dass es auf absehbare Zeit keinen Spielraum für allgemeine Steuersenkungen gibt”, heißt es im „Regierungsprogramm”. Doch ganz ohne Versprechen wollten auch die Sozialdemokraten nicht in den Wahlkampf ziehen. So soll der Kinderfreibetrag um 200 Euro erhöht werden. Der Eingangssteuersatz soll auf zehn Prozent sinken, bei Verzicht auf eine Steuererklärung winkt ein Bonus von 300 Euro vom Finanzamt.
Alles ein Angebot an die kleinen Leute. Großverdiener mit einem Jahreseinkommen ab 125 000 Euro (Verheiratete: 250 000 Euro) würden hingegen unter einer SPD-Regierung mehr Steuern zahlen müssen, der Grenzsteuersatz stiege in dieser Einkommensregion von 42 auf 47 Prozent. Eine Börsenumsatzsteuer auf Aktienkäufe rundet die steuerlichen Vorstelllungen der SPD ab.
Auf ähnlicher Linie wie die Wahlkämpfer aus dem Willy-Brandt-Haus liegen die Grünen. Auch sie wollen den Spitzensteuersatz anheben, allerdings nur auf 45 Prozent - und zusätzlich die Einnahmen aus der Erbschaftssteuer erhöhen. Das Ehegattensplitting wollen die Grünen abschaffen.
Die Bürger müssen mit Steueranhebungen rechnen
Am weitesten bei der Besteuerung Wohlhabender geht die Linkspartei. Sie fordert einen Spitzensteuersatz von 53 Prozent ab einem Jahreseinkommen von 65 000 Euro. Die Progression im Einkommenssteuerrecht soll nach den Plänen der Linken linear verlaufen, um dem Problem der kalten Progression zu begegnen. Steuern auf Devisengeschäfte oder Rüstungsexporte gehören daneben ebenso zum steuerpolitischen Repertoire der Linken wie eine Vermögenssteuer, höhere Erbschaftssteuern und höhere Gewinnsteuern für Unternehmen.
Unterm Strich aber ist das Fazit eindeutig: Die Steuerzahler sollten sich nach der Wahl – und wenn auch erst in ein oder zwei Jahren, wenn die Wirtschaft wieder robust ist - darauf einstellen, dass die Steuern eher steigen als sinken. Von den schönen Versprechungen in den Wahlprogrammen der Parteien dürfte dann wenig übrigbleiben. (NRZ)
12:32
Staubsaugerverteter verkaufen Staubsauger
Versicherungsvertreterr verkaufen Versicherungen
Volksverteter verkaufen das Volk
Mehr ist diesem Thema nicht hinzuzufügen...
09:02
Die Politiker von CDU/CSU, SPD und FDP verschleiern bewusst die reale Situation in Wirtschaft, Bankensystem und Staatshaushalt. Da wurden haushaltspolitische Ziele in der Verfassung verankert, die aber nur über Steuererhöhungen zu erreichen sind. Durch Manipulationen und andere Maßnahmen hat man verhindert, dass die Bürgerinnen und Bürger die Folgen der Krise vor den Wahlen allzu stark spüren. Aber nach den Wahlen werden die Folgen um so spürbarer werden.Für den 27. September gibt es weiterhin zwei realistische Konstellationen. A) CDU/CSU und FDP haben eine knappe Mehrheit. B) Sie haben diese Mehrheit knapp verfehlt. Im ersten Fall werden nach einigen Wochen Merkel und Westerwelle erklären müssen, warum ab dem 1.1.2011 die Mehrwertsteuer erhöht wird, eine PKW-Maut eingeführt wird, dass aber die Steuersenkungen erst zum 1.1.2013 möglich sind. Vielleicht wird auch die Einkommenssteuer gesenkt, dann aber wird die Mehrwertsteuererhöhung höher ausfallen. Weitere Kürzungen im Sozialbereich und bei der Bildung wird es auch geben. Ob sie damit bis nach der Landtagswahl in NRW warten können ist fraglich. Im zweiten Fall, also in einer großen Koalition kann Merkel erklären, die SPD sei leider gegen Steuersenkungen, man müsse aber die Mehrwertsteuer erhöhen und eine PKW Maut einführen. Die Hessenwahl ist das Vorbild. Frau Ypsilanti hat ihr Versprechen nicht eingehalten und sie wurde entsprechend als Lügnerin angegriffen. Nach Oktober ist Merkel an der Reihe.
17:57
Die Herrschaften Politiker und ihre ganz speziellen Interessenvertretungsvereinigungen, die Parteien, die vorrangig ja eigentlich die Interessen von uns Bürgern vertreten sollten, machen nicht nur leere Steuerversprechen, die belügen, betrügen und bescheißen uns Bürger doch ständig auf ganzer Linie.
Auch diese plötzliche Einigung um OPEL, wie sie heute bekannt geworden ist, stinkt doch sehr nach einem mehr als faulen Wahlkampfmanöver um sich kurz vorher nochmal wärmstens als Macher und Krisenmanager zu empfehlen. Was dann hinterher wird, was kümmert das diese selbsternannten Volksvertreter. Im Erfinden von Ausreden und verlogenen Begründungen ist man ja mehr als erfahren.
Nur leider, leider, leider wird die Mehrheit der Bürger nicht endlich schlau und lässt sich vor jeder Wahl aufs Neue wieder einsülzen, einschleimen.
14:06
Zu 12: Das Rezept würde nur funktionieren, wenn das Geld auch in Deutschland ausgegeben würde. Bei den unteren Einkommen mag das stimmen, aber bei den höheren nicht. Das Geld kann auch gespart oder im Ausland investiert werden. Auf der anderen Seite fallen entweder höhere Schulden an, oder öffentliche Ausgaben werden gekürzt und damit die Binnennachfrage gesenkt. Daher bin ich mir sicher, dass Merkel und Westerwelle lügen und die Steuern erhöhen werden
13:38
@ dadi #4
400 Menschen zahlen 80 % der Einkommenssteuer in Deutschland? Laut Statistischem Bundesamt tragen Steuerpflichtige mit über 500.000 € Jahreseinkommen etwa 11,2 % am gesamten Einkommenssteueraufkommen. Die Masse des Einkommensteueraufkommens liegt mit etwa 38 % in der Einkommensgruppe 50.000 bis 125.000 €. Sie haben somit Recht wenn Sie sagen, die Besserverdiener tragen mehr Steuerlast. Aber die 80 % Steueraufkommen Ihrer 400 ausgewählten Leistungsträger sind somit knallhart widerlegt.
13:35
#11:
Sie verstehen scheinbar nichts vom Marktgeschehen. Der Markt braucht mehr Volumen für mehr Steuern und Sozialabgaben. Aber vorher brauchen die Menschen mehr im Geldbeutel. Sozis glauben, sie könnten nur nehmen. Das führt in den Ruin!
13:17
Zu 10: Ihr Rezept ist alt, aber es hat noch nie funktioniert.
11:55
Die Sozis haben noch nie begriffen, dass man erst Steuern senken muss, um Nachfrage zu schaffen und dann wieder mehr Steuern einzunehmen. Hier kann man auf die Vernunft der CDU und FDP bauen: Hoffentlich!
11:51
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
11:12
Politiker sind wie Verkäufer auf einer Kaffeefahrt. Wieviel die Heizdecke wert ist und was sie kostet, erfährt man viel später