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Die guten Seiten der Krise

11.08.2009 | 16:53 Uhr

Inflationsrate fällt erstmals seit 22 Jahren unter Null

Für die Bürger hat die Wirtschaftskrise zum Glück auch ihre guten Seiten. Seit Monaten sinken die Energie- und Lebensmittelpreise, im Juli ist die Inflationsrate erstmals seit 22 Jahren deutlich unter Null gefallen. Verbraucher werden entlastet, der Konsum gestärkt. Diesem Effekt ist mehr als allen staatlichen Konjunkturprogrammen zu verdanken, dass die Binnenkonjunktur die deutsche Wirtschaft einigermaßen in Schwung hält.

Jede Wirtschaftskrise trägt somit auch den Keim ihrer Überwindung in sich. Eine Deflation, wie sie manche Experten befürchtet haben, ist hingegen nicht mehr zu erwarten. Einen Preisverfall auf breitem Niveau wird es schon deshalb nicht geben, weil vor allem die niedrigen Energie- und Nahrungsmittelpreise die Inflationsrate in den Keller schicken. Rechnet man sie heraus, wird deutlich: Die Preise steigen auch im Abschwung moderat, deflationäre Tendenzen kündigen sich nirgends an. Eher das Gegenteil ist zu befürchten.

Die enormen Liquiditätsspritzen der Notenbanken könnten beim Anspringen der Wirtschaft sehr rasch für eine Rückkehr hoher Inflationsraten sorgen. Vier Prozent und mehr sind zumindest für die USA nicht aus der Luft gegriffen. In Europa ist das zwar unwahrscheinlich, weil sich die EZB bislang großer politischer Unabhängigkeit nach dem Vorbild der Bundesbank erfreut. Doch der Druck auf die EZB dürfte, gerade aus Paris, wegen der steigenden Staatsverschuldung wachsen.

Eine schleichende Inflation, richtig dosiert, ist das beste Mittel für eine geräuschlose Entschuldung von Staaten. Hierfür braucht es weder Steuererhöhungen noch parlamentarische Mehrheiten. Was für die Politik verführerisch ist, wäre für die Bürger indes ein Programm zur Massenenteignung. Sparguthaben würden entwertet, Lohnsteigerungen aufgefressen. Es bleibt deshalb zu hoffen, dass die Notenbanken den richtigen Zeitpunkt für die Rücknahme ihrer expansiven Geldpolitik finden. Und die europäische Politik die Unabhängigkeit der Zentralbank niemals auf die Probe stellen wird. NRZ

Peter Hahne

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