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Lutz Pfannenstiel

Der Welt-Torhüter

17.10.2008 | 18:30 Uhr
Der Welt-Torhüter

Flekkeroy. Das unglaubliche Leben des Lutz Pfannenstiel, der als einziger Profi auf allen Kontinenten der Erde gespielt hat.

Lutz Pfannenstiel ist Weltrekordler. Der Torwart aus Zwiesel hat als einziger Fußballer auf allen Kontinenten der Erde als Profi gespielt. Er hat dabei in Singapur drei Monate im Gefängnis gesessen, ist in England auf dem Platz gestorben und wiederbelebt worden und war der erste deutsche Profi in Brasilien. Zur Zeit hütet der 35-Jährige das Tor des norwegischen Zweitligisten Floy IL.

NRZ: Wie ist das Wetter in Norwegen? Schon Schnee?

Lutz Pfannenstiel: Ach was. Ich bin ganz im Süden von Norwegen, morgens ist es jetzt zwar schon sehr kühl, aber sonst ist das Wetter wie in Kiel oder in Flensburg.

NRZ: Sie sind erst seit dem Sommer in Norwegen, leben Sie noch im Hotel? 

Pfannenstiel: Nein, ich wohne auf der Insel Flekkeroy, von der mein Verein auch den Namen hat. Auf Flekkeroy leben 3000 bis 4000 Menschen, darunter viele Fischer, und man fährt durch einen Tunnel unter dem Meer zu uns. Ich wohne in einem Seehäuschen am Meer, draußen liegt ein Boot, mit dem ich zum Fischen fahren kann.

NRZ: Ein Bayer im Boot auf dem Meer vor Norwegen?

Pfannenstiel: Ja, ich fahre öfter mal raus. Ich habe sogar tatsächlich mal ein paar Fische gefangen, aber ich kann sie nicht töten. Das muss meine Frau übernehmen.

NRZ: Wie muss man sich die zweite norwegische Liga vorstellen? Arbeiten die Klubs professionell?

Pfannenstiel: Unser Klub auf jeden Fall. Wir haben eine junge Mannschaft mit einem isländischen Nationalspieler, und unser Trainer war schon mit IFK Göteborg in der Champions League. Leider sind wir nur Dritter und schaffen den Aufstieg in diesem Jahr nicht mehr. Aber im nächsten Jahr wollen wir es packen.

NRZ: Wir? Das heißt, Sie wollen länger als ein paar Monate in Norwegen bleiben?

Pfannenstiel: Tja, wer weiß das schon. Ich habe zumindest eine Vertrags-Option für ein weiteres Jahr. Aber ich habe auch Angebote aus Ghana, Bolivien, Brasilien, Argentinien und Neuseeland. Ich weiß noch nicht, was ich mache. Die Angebote reizen mich, aber Norwegen ist ausgerechnet das Land auf der Welt, in dem ich am liebsten lebe. Und der Fußball hier liegt mir auch.

NRZ: Ist Fußball in Norwegen denn anders als anderswo?

Pfannenstiel: Die Norweger sind große Kerle und spielen gerne Kick and Rush, also den Ball hoch rein. Damit komme ich besser klar als mit den kleinen Asiaten, die 25 Doppelpässe am Stück spielen.

NRZ: Vor sechs Jahren sind Sie in England beim Versuch, einen Alleingang zu stoppen, auf dem Platz gestorben und wiederbelebt worden. Haben Sie seitdem Angst im Tor?

Pfannenstiel: Nein, denn die Sache war Pech, ein Unfall. Der Stürmer wollte über mich wegspringen, ist hängengeblieben, und ich habe sein Knie in den Solarplexus bekommen. Alle Organe haben sofort versagt, und ich war tot. Allerdings habe ich außer dem Zusammenprall nichts mitbekommen, und daher auch keine schlimmen Erinnerungen.

NRZ: Aber Sie haben die Bilder danach gesehen, oder?

Pfannenstiel: Natürlich weiß ich, was passiert ist. Die weinenden Spieler, die auf dem Platz standen. Und der Spielabbruch, nicht gerade alltäglich in England. Aber ich bin erst im Hospital wieder zu mir gekommen, und deshalb konnte ich das abhaken.

NRZ: Singapur mit drei Monaten Gefängnis nach einem angeblichen Wettbetrug war schlimmer?

Pfannenstiel: Das war das Schlimmste überhaupt. Ich war unschuldig. Ich hatte den Mann, mit dem ich etwas abgesprochen haben sollte, nur zufällig gesehen. Singapur ist das einzige Land auf der Welt, das ich nie mehr betreten werde.

NRZ: Dabei lief bis dahin alles wunderbar, Sie sollten sogar indonesischer Nationaltorwart werden.

Pfannenstiel: Stimmt, die hatten mich in Singapur angerufen, und ich hatte schon zwei Testspiele mit der Mannschaft gemacht. Weil ich mit einer Indonesierin verheiratet war, hätte ich einen indonesischen Pass kriegen können, und fast war ich sogar soweit. Ich habe es dann zum Glück doch nicht gemacht, denn der deutsche Pass hat mir im Gefängnis von Singapur mit Sicherheit das Leben gerettet.

NRZ: Wo hat es Ihnen neben Norwegen am besten auf der Welt gefallen? 

Pfannenstiel: In Neuseeland, weil ich mich dort nach der Gefängniszeit erholen konnte. Und in Vancouver, tolle Stadt, guter Fußball, da hätte ich bleiben können.

NRZ: Aber?

Pfannenstiel: Das Angebot aus Brasilien kam dazwischen. Es war für mich die Chance, als erster deutscher Profi in Brasilien zu spielen, und das ist etwas, was man für Geld nicht kaufen kann. Also habe ich das gemacht.

NRZ: Das Gastspiel hat aber nur ein paar Monate gedauert.

Pfannenstiel: Richtig, denn mein Verein hat nur die Regionalmeisterschaft mitgespielt. Die dauert in Brasilien sechs Monate, und da hat der Klub sein komplettes Geld reingesteckt. Aber das wusste ich vorher, und ich hatte im Anschluss auch schon einen Vertrag als Torwarttrainer der Nationalmannschaft Kubas.

NRZ: Wann, wo und wie haben Sie eigentlich zwischendurch noch studiert? 

Pfannenstiel: In Neuseeland. Es war ein Fernstudium für Sport- und Touristik-Management, das ich zuerst nicht ernst genommen habe. Aber in Neuseeland bin ich dann zehn Monate lang jeden Morgen um sechs aufgestanden, habe vor dem Training drei Stunden gelernt und nach dem Training wieder. Ich habe die Prüfung zwar nicht mit „eins plus” bestanden, aber mit einer guten Zwei. Darauf bin ich stolz.

NRZ: Und nach Ihrer Karriere ziehen Sie nach Zwiesel?

Pfannenstiel: Bestimmt nicht, ich bleibe Weltbürger. Ich möchte gerne spielen, bis ich 40 Jahre bin, also noch fünf Jahre. Und dann vielleicht was als Trainer. Ich war ja schon in Armenien und in Neuseeland Erstliga-Trainer.

NRZ: Warum waren Sie eigentlich nie in der Bundesliga?

Pfannenstiel: Ich bin ja schon als Jungspund weg aus Deutschland. Aus den Augen, aus dem Sinn. Ich war zwar mal bei Wacker Burghausen in der Regionalliga, aber stimmt: Wenigstens ein einziges Bundesligaspiel hätte ich gerne mal gemacht. (NRZ)

Ralf Birkhan

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Kommentare
19.10.2008
14:18
Der Welt-Torhüter
von eleven | #2

Hervorragender Mann. Ist zwar mit dem blödesten
Namen der Welt geschlagen, hat aber eine Laufbahn hingelegt,
die höchsten Respekt verdient.

19.10.2008
08:22
Der Welt-Torhüter
von (stauderge) | #1

Guter Mann,Hut ab.

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