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"Der Typ kennt keine Verwandten"

27.11.2009 | 19:39 Uhr

Die aufsehenerregende Verbrecherkarriere des Michael Heckhoff

Der Mülheimer Michael Heckhoff ist der Polizei als außergewöhnlich brutaler Schwerverbrecher mit einem Hang zu Waffen bekannt. Der 50-Jährige saß in Aachen eine lebenslängliche Strafe plus Sicherungsverwahrung ab und hat nichts zu verlieren. Auch Menschen, die ihn im Knast erlebten, sagen: „Wenn er eine Berufsbezeichnung angeben müsste, würde er ohne Zweifel Verbrecher eintragen. Der Typ kennt keine Verwandten.”

Wobei es ihm in Haft offenbar immer wieder gelingt, sich unauffällig, fast jovial zu verhalten. „An sich ein nicht unangenehmer Typ, der sich anpasst und immer mal ein nettes Wort für andere übrig hat”, wie es ein Zeuge ausdrückt. „Das lässt die Attacken dann aber auch wie aus heiterem Himmel kommen.”

Noch immer haben die Kriminalbeamten Heckhoffs großmäuligen Vergleich mit einem der Gladbecker Geiselnehmer im Ohr. „Den Rösler kenn' ich aus dem Bau, der ist ein Schiss gegen mich”, prahlte er. Auch seine Tiraden, die er lispelnd über Funk der Polizei entgegenschleuderte, jagen den Beamten noch heute einen kalten Schauer über den Rücken.

Das war im Jahr 1991. Heckhoff erregte damals bundesweit Aufsehen durch eine Geiselnahme von zwei Polizeibeamten. Diese hatten ihn nach einem Überfall auf eine Sparkassenfiliale festgenommen, bei der Leibesvisitation auf dem Mülheimer Polizeipräsidium aber eine Mini-Pistole übersehen, mit der er dann die Dienstwaffe forderte.

Einer Polizistin hielt er die Dienstwaffe mit gespannten Hahn an den Kopf und forderte freies Geleit. Er floh zunächst nach Essen, ließ in einem Parkhaus einen Polizisten frei, es kam zum Schusswechsel.Schließlich kaperte Heckhoff ein Taxi und sperrte die Polizistin in den Kofferraum. Nach Stunden ließ er die Frau frei und eine zehntägige Flucht durch Norddeutschland schloss sich an. Heckhoff kehrte nach Mülheim zurück und gab nach Verhandlungen mit einem Polizeipsychologen physisch und psychisch erschöpft auf.

Schon ein Jahr später unternahm Heckhoff den ersten Ausbruchsversuch in Werl. Dabei hatte er mit seinem damaligen Komplizen Kurt Knickmeier die Justizbeamten mit täuschend echt aussehenden Attrappen aus Brot und Seife eingeschüchtert. Bei der Geiselnahme im Werler Gefängnis wurden die Opfer von Knickmeier mit Spiritus begossen, angesteckt und lebensgefährlich verletzt. Bei der Befreiungsaktion wurde Heckhoff durch einen Schlüsselbeindurchschuss verletzt und kann einen Arm seitdem nur noch eingeschränkt bewegen.

Drei Jahre später fanden die Beamten in der Zelle Heckhoffs abermals vermeintliche Waffen. Um ihm ähnliche Aktionen zu erschweren, wurde Heckhoff in den vergangenen Jahren so oft wie möglich in immer wieder andere Justizvollzugsanstalten verlegt.

Das Problem: In NRW gibt es lediglich eine Handvoll Anstalten, die für Verbrecher dieses Kalibers ausgestattet sind. NRZ

Michael MINHOLZ/Steffen TOST

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