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Der Papst ist nicht unfehlbar

30.01.2009 | 22:06 Uhr

Benedikt XVI. darf die Auschwitzlüge nicht vergeben

Dass ein Papst aus Deutschland ausgerechnet unmittelbar vor dem Gedenktag der Shoa einen prominenten Holocaust-Leugner kirchlich rehabilitiert, zeugt von einer Instinktlosigkeit, die fassungslos macht. Man muss eine Lehre aus dem Vorgang ziehen: Auch der Papst ist nicht unfehlbar.Es wäre gut, wenn er dies indirekt einräumen und den häretischen Bischof Williamson wieder aus der katholischen Kirche entfernen würde; er gehört nicht in diese Gemeinschaft. Denn dieser irregeleitete Sektierer beleidigt das Andenken von Millionen jüdischen Opfern und zudem auch das der vielen christlichen Glaubenszeugen, die in den Vernichtungslagern der Nazis ermordet wurden. Allerdings ist durch den weltweiten Skandal in der Öffentlichkeit ein Zerrbild der katholischen Kirche und ihres Oberhauptes entstanden. Benedikt XVI. hat sich die Ansichten des obskuren Herrn Williamson keineswegs zu eigen gemacht. Nichts im Werk von Joseph Ratzinger weist auf Antisemitismus hin.Im Gegenteil: Als Papst hat er sich intensiv für den christlich-jüdischen Dialog eingesetzt und besonders während seiner Deutschlandbesuche immer wieder den eigenen Schrecken über die Schuld an der Shoa beschworen.

Deshalb ist jetzt jegliche Hysterie als Reaktion auf die päpstliche Fehlentscheidung unangebracht. Dass der Zentralrat der Juden in Deutschland die Gespräche mit der katholischen Kirche abgebrochen hat, ist eine unangemessene Strafe, die jene am schmerzhaftesten trifft, die sich für Aussöhnung und Brüderlichkeit im Geiste Martin Bubers engagieren. Auch stellt die Aufhebung der Exkommunikation der Mitglieder der traditionalistischen Pius-Bruderschaft die Fortschritte des 2. Vatikanischen Konzils nicht in Frage. Nachdem Benedikt XVI. die alte, lateinische Liturgie wieder als eine Sonderform der Messfeier zugelassen hatte, wurde auch die Rehabilitierung der Piusbrüder, die den tridentinischen Ritus nie aufgeben wollten, erwartet.Übrigens war die Freigabe der "Alten Messe" kein Erfolg. Sie wird nach wie vor kaum praktiziert. Außerdem ist die moderne Liturgie nur ein Symbol für wesentlichere Reformen der Weltkirche, wie z.B. die Hinwendung zur Ökumene, eine Öffnung gegenüber der Not der Welt und der Bereitschaft zum interreligösen Dialog. Als junger Theologe hatte Joseph Ratzinger daran wesentlich mitgewirkt, und als Papst ist er ohne Zweifel ein Verfechter dieses unumkehrbaren Weges.

Er gilt international sogar als Philosoph auf dem Stuhl Petri, als ein brillanter Denker, dessen historisches Anliegen die Begründung der Religion mit den Mitteln der Vernunft ist. Nun stellt sich aber die ernste Frage, ob der Papst den vatikanischen Machtapparat noch im Griff hat. Eine "Panne" war die Rehabilitierung Williamsons nämlich nicht. Geheimnisvoll mag der Vatikan ja sein, aber an Zufälle dieses politischen Ausmaßes darf man nicht glauben.Nun muss der Papst ein Machtwort sprechen. Gottes Gnade mag unerschöpflich sein. Hier auf Erden ist aber die "Auschwitzlüge" unverzeihlich. Selbst die Barmherzigkeit des Heiligen Vaters sollte hier ihre Grenze haben.

r.oppers@nrz.de

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Kommentare
04.02.2009
06:48
Der Papst ist nicht unfehlbar
von Mayer Christel | #1

Der Streit um die Rehabilitierung der reaktionären Pius-Brüder sowie die weltumfassende Entscheidung des Papstes mutet an wie ein Stück aus dem klerikalen Tollhaus.Vorwärts ins Mittelalter!Die Jugend taumelt in Orientierungslosigkeit.Sie Super-Aktion des Vatikan stellt alles aber auch alles in Frage!Vielleicht muß sich alles auflösen um neu fließen zu können?Die Hoffnung bleibt,daß eine Sache nie so schlecht sein kann,daß sie nicht auch für etwas gut wäre.Was würde JESUS heute sagen?Wie würde er entscheiden?
HALLELUJA !

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