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Der neue Leitwolf

15.11.2009 | 18:52 Uhr

Signar Gabriel dominiert den SPD-Parteitag

Die SPD blickt auf einen bemerkenswerten Parteitag zurück. Sieben Wochen nach ihrem historischen Wahldebakel konnte die Partei ihren Abwärtstaumel stoppen und marschiert wieder vorwärts.

Erstaunlich. Eigentlich hätte man erbitterte Flügelkämpfe, seit Jahren das Markenzeichen der zerstrittenen Partei, erwartet. Stattdessen ist es der neuen Führungs-Troika gelungen, das Parteivolk zu versammeln. Die Dreierriege ist zwar gleichberechtigt ins Rennen gegangen, hat jetzt aber einen Leitwolf: Dresden war die große Show des Sigmar Gabriel. Der neue Frontmann hat bewiesen, dass er mehr ist als nur eine Notlösung. Nachdem Franz Müntefering die Sozialdemokratie in einen Winterschlaf versetzt hatte, bringt Gabriel wieder Leben und Leidenschaft in die Partei.

Seine grandiose Wahl zum Vorsitzenden war auch ein Sieg über Andrea Nahles, die Rivalin vom Dienst. Ihr Wahlergebnis war eine rote Karte für die einstige Heroine des linken Flügels. Sie hat damit die Quittung für ihre nervenden Ränkespiele und Rachefeldzüge kassiert.

Frank-Walter Steinmeier spielt nur noch eine Nebenrolle. Seitdem er zaghaft auf den Parteivorsitz verzichtet hat, läuft für ihn die Uhr. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann Gabriel auch Fraktionschef wird, um die SPD möglichst stark für die kommenden Wahlkämpfe aufzustellen.

Von Machtpolitik versteht Gabriel etwas, das hat er in Dresden unter Beweis gestellt. Er ist der neue starke Mann der SPD. Steinmeiers belfernde Rhetorik im seltsam scheppernden Schröder-Sound wirkt dagegen wie ein Echo aus der Vergangenheit.

Die Zukunft der SPD liegt immer noch in der Mitte. Gabriel hat das begriffen und nicht nur über Hartz IV geredet, sondern auch Unternehmer, vor allem aber den Mittelstand angesprochen. Ein Linksrutsch sieht anders aus. Daran ändert auch die symbolische Forderung nach einer „Reichensteuer” nichts. Das SPD-Programm der Zukunft muss ein pragmatischer Mittelweg sein, der nicht verleugnet, dass man 11 Jahre lang Deutschland regiert hat, zugleich aber neue Lösungen für die alten Herausforderungen anbietet: Arbeit, Bildung und soziale Sicherheit für alle.

Rüdiger Oppers

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