Der klassische Fehlstart
11.02.2009 | 23:08 Uhr 2009-02-11T23:08:00+0100
Der erste Test im Länderspieljahr 2009 ist misslungen. Das Löw-Team spielte zu ideenlos.
DÜSSELDORF. Die Düsseldorfer Arena war gestern Abend mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der wärmste Ort Deutschlands. Während sich außerhalb des Stadions die Temperaturen der Null-Grad-Grenze näherten, sorgte das geschlossene Dach des Multifunktionsbaus im Inneren für vergleichsweise mollige 18 Grad. Die 45 000 Zuschauer in der Landeshauptstadt konnten sich am Länderspiel Deutschland gegen Norwegen trotzdem nicht erwärmen. Die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw kam nahezu nie auf Betriebstemperatur, und am Ende wurde die Stimmung sogar richtig frostig: Ballack und Co. kassierten im ersten Länderspiel des Jahres 2009 eine 0:1 (0:0)-Niederlage.
Norwegen als Test für die WM-Qualifkation
Joachim Löw hatte sich gezielt die Wikinger als Prüfstein für die kommenden Aufgaben in der WM-Qualifikation ausgesucht. Der Bundestrainer hatte die Gäste als ähnlich defensiv und destruktiv eingestuft, wie er die Spielweise von Liechtenstein und Wales am 28. März und 1. April erwartet. Doch dieser Schuss ging nach hinten los: Während die Deutschen in ihren Offensivbemühungen zu ideenlos und nicht zielstrebig genug wirkten, brachten die Norweger die DFB-Verteidigung immer wieder ins Schwitzen. So nutzte Christian Grindheim in der 63. Minute eine Unachtsamkeit zum entscheidenden Tor. „Wir haben nicht unverdient verloren”, erklärte Löw nach dem Spiel, „im Spielaufbau war das zu langsam und zu wenig inspirierend.”
Gomez hatte die größte Chance zum Ausgleich
Um eben für den Ernstfall in der WM-Quali zu proben, verzichtete Löw anfangs auf Experimente und schickte die vermeintlich aktuell stärkste Elf auf das Feld. Rene Adler hütete das Tor, das Herzstück im Mittelfeld bildeten wieder Kapitän Michael Ballack und Torsten Frings. Sturmpartner von Miroslav Klose war Mario Gomez. Der Stuttgarter, der vor zwei Jahren in Düsseldorf erstmals im DFB-Trikot spielte, war der wesentlich aktivere Angreifer und hatte in der 58. Minute auch die größte Chance zum Ausgleich, als Norwegens Keeper Jarstein mit den Fingerspitzen Gomez' Flachschuss aus 18 Metern um den Pfosten lenken konnte.
Schon in der ersten Halbzeit stellten die Gäste das deutsche Team von viele Probleme. Aus der grundsätzlich defensiven 4-5-1-Taktik mit Thorstein Helstad als einziger Spitze ergaben sich immer wieder gefährliche Konter, bei denen Deutschland Glück hatte, dass Per Mertesacker mit dem langen Bein vor Helstad zur Ecke klärte (14. Minute), der Unparteiische Messner (Österreich) nicht auf Strafstoß entschied, als Heiko Westermann Norwegens Ein-Mann-Sturm elfmeterwürdig von den Beinen holte (20.) und Adler Helstads Kopfball spektakulär mit einer Hand parierte (22.). Deutschlands größte Chance hatte Philipp Lahm mit einem Schuss von der linken Seite (29.).
Dass Norwegens Liga seit drei Monaten im Winterschlaf schlummert und Interims-coach Olsen auf so bekannte Namen wie Carew, Riise oder Iversen verzichten musste, war den Gästen kaum anzumerken. So blieben sie den Deutschen auch im zweiten Durchgang ebenbürtig, die sich mit zunehmender Spieldauer immer mehr Pfiffe des enttäuschten Publikums gefallen lassen mussten.
Gelungene Debüts von Beck und Özil
Die wenigen positiven Erkenntnisse, die Joachim Löw ziehen konnte, waren somit die geglückten Debüts von Andreas Beck und Mesut Özil. Verteidiger Beck vom Überraschungs-Spitzenreiter 1899 Hoffenheim zeigte auf der rechten Außenbahn seinen Offensivgeist. Und dass der Bremer Mesut Özil für die letzten 13 Minuten eingewechselt wurde, beendet nun auch faktisch die Frage, für welche Nation sich der türkischstämmige 20-Jährige entschieden hat.
Hinsichtlich der lahmen Offensive und löchrigen Abwehr ergaben sich für Joachim Löw allerdings neue Fragen. (NRZ)
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