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„Der kann mich nicht fressen”

02.05.2008 | 18:33 Uhr

TIERE. Dortmund ist an diesem Wochenende Hundehauptstadt. Bei der Europasieger-Zuchtschau geht es nicht nur um die Wurst.

DORTMUND. Luna schläft, sammelt Kräfte für ihren großen Auftritt. Frauchen Silvana, Hüterin ihrer Hunde-Träume, strahlt. „Ich war bei ihrer Geburt dabei und wusste sofort, sie soll es sein.” Luna ist vier Monate alt, eine mokkabraune Neufundländer-Schönheit, die mit ihren Leuten normalerweise im sauerländischen Attendorn durch die Wälder streift. Heute ist die Welpen-Dame zu Gast in Dortmund. Dort soll Luna mit anderen Artgenossen Werbung für ihre gemütsstarke Rasse machen. Für Frauchen und Hündin ein großer Tag - schließlich geben sich seit ges-tern in den Westfalenhallen die schönsten Vierbeiner aus über 30 Ländern die Ehre. Die VDH-Europasieger-Zucht-schau 2008 macht Dortmund ein Wochenende lang zur deutschen Hundehauptstadt.

6000 Rassehunde kämpfen um Titel und Pokale - vom Afghanen bis zum Affenpinscher. Der Veranstaltungsort ist gut gewählt. Denn die Nordrhein-Westfalen sind auf den Hund gekommen. Acht der zehn hundereichsten großen Städte in Deutschland liegen laut Statistik in NRW. Die Schnauze vorn hat hierbei Herne mit 136 Hunden pro Quadratkilometer Stadtgebiet, gefolgt von Oberhausen (113) und Essen (100).

Gisbert Langheim interessiert sich an diesem Wochenende in Dortmund vor allem für den ovawart. Kein Wunder, denn der Mann ist Präsident des Internationalen Hovawart-Vereins und dazu noch Zuchtrichter. Dyk hat schon Bekanntschaft mit Langheim gemacht. Der braune Rüde, dessen Fellfarbe der Experte als „blond” bezeichnet, muss seine Leichtfüßigkeit unter Beweis stellen. Frauchen lässt ihren Liebling „vorlaufen”. Der Fachmann nickt: „Dyk hat eine schöne Gangart. Und eine Persönlichkeit im Ring ist er auch, nicht ängstlich, selbstbewusst.” Die ganz fitten Vierbeiner messen sich unterdessen in den Westfallenhallen beim Hundesport. Insider nennen es Agility. Meint: Bello muss superflink einen Parcours aus Tunneln, Stangen und Wippen nehmen. In Dortmund geht es um mehr als die Wurst. Denn gesucht werden Kandidaten, die im September bei der Agility-WM in Helsinki antreten.  Besucher, die sich über einen Hund informieren wollen, der zur Familie passt, haben die Qual der Wahl. Aus über 330 Rassen kann wählen, wer sein Herz an keinen Mischling verlieren will. Dass der Mensch sein tierisches Familienmitglied in 80 Prozent der Fälle nach dem Aussehen aussucht, findet Manfred Hoeppner ziemlich daneben. „Nicht jeder Hund passt zu jedem Menschen. Vor einem Kauf sollte man sich unbedingt über den Charakter und die Bedürfnisse des Tieres informieren.”  

Manchen Leuten rät der Vorsitzende des Schutz- und Polizeihundevereins Gevelsberg sogar ganz vom Hundekauf ab. „Leute, die beruflich den ganzen Tag außer Haus sind, sollten davon Abstand nehmen.” Auch Familien mit mehreren, noch kleinen Kindern sollten verzichten. „Ein Hund ist ein weiteres Kind, für das man Zeit benötigt.” Die Europasieger-Zuchtschau in Dortmund nutzt der Hundetrainer zu „Schnupperkursen” zwischen Vierbeiner und Kind. „Es gibt Jungen und Mädchen, die eine höllische Angst vor Hunden haben. Wenn ich ihnen hier zum Beispiel einen Zwergschnautzer vorstelle, ist auch dem Kleins-ten klar: Der kann mich nicht fressen.” Wer danach noch gemeinsam spielt, kommt sich näher - so Hoeppners Devise. Hundeland Deutschland: Eine halbe Million Vierbeiner findet jährlich eine Familie. Udo Kopernik, Sprecher des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH), warnt Hunde-Freunde vor dubiosen Händlern. „Wenn etwa in einer Anzeige Rasse-Welpen für die Hälfte des üblichen Preises angeboten werden, sollte man vorsichtig sein. Dies gilt auch, wenn der vermeintliche Züchter nur über Handy erreichbar ist.” Vor allem aus Ungarn, Polen und Tschechien würden Hunde aus dubiosen Quellen nach Deutschland gebracht, so Kopernik. „Das läuft oft über Österreich. Wenn jemand zwölf Welpen über Hunderte von Kilometern im Kofferraum transportiert und hier acht verkauft, ist das ein lukratives Geschäft, das mit viel krimineller Energie betrieben wird”, sagt Kopernik. Und der Käufer eines solchen vermeintlich preiswerten Tieres weiß nicht, was er sich einhandelt. (NRZ)

Jutta BUBLIES

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