Der erste echte Prüfstein
10.09.2008 | 17:50 Uhr 2008-09-10T17:50:00+0200
Helsinki. Bundestrainer Joachim Löw erwartet heute Abend (19.35 Uhr) gegen Finnland eine „immens schwere Aufgabe”. Auch Krisen-Stürmer Miroslav Klose soll wieder spielen.
Im altehrwürdigen Olympiastadion in Helsinki, das seit den Sommerspielen 1952 wie ein Museumsstück gepflegt wird, beginnt für die deutsche Nationalmannschaft nach dem Ausrufen einer neuen Ära der Ernstfall. „Uns erwartet eine immens schwere Aufgabe”, sagte Joachim Löw gestern vor der zweiten Partie in der Qualifikation für WM 2010 gegen Finnland. „Das Spiel wird schwierig, aber wir müssen einen Sieg folgen lassen”, so der Bundestrainer. Nachdem mit dem 6:0 gegen Liechtenstein gleich die Tabellenführung der Gruppe vier übernommen wurde, soll heute (19.35 Uhr/ZDF) das Punktepolster vergrößert werden.
Forssell brennt auf das 96-Duell mit Robert Enke
Nach den schönen Spätsommertagen in Oberhaching in der vorigen Woche war in der finnischen Hauptstadt das Wetter so unerfreulich wie beim Samstagsspiel mit Dauerregen in Vaduz. 15 Grad und Dauerregen – es gab kaum einen Grund dafür, gestern außer für das Abschlusstraining das Hotel Hilton Strand zu verlassen. Das war Löw nicht einmal unrecht, er versuchte die Konzentration seiner 20 Spieler auf das Duell gegen die Finnen zu lenken. Denn bei denen brennt ein Spieler ganz besonders auf das Duell mit Deutschland: Mikael Forsell. Der Hannoveraner fiebert darauf, seinen 96-Kollegen Robert Enke zu überwinden. „In der letzten Minute das entscheidende Tor zu machen, habe ich im Training gegen Robert schon geübt”, sagt Forsell ganz schön forsch.
Ohne die Vize-Europameister Ballack, Frings, Mertesacker, Friedrich und Metzelder muss Löw heute erneut seine Mannschaft bilden. Der 48-Jährige plant keine Änderungen, obwohl er gestern mitteilte: „Ich denke intensiv über die Aufstellung nach.”
Löw warnt: „Es wird nicht viele Tore geben”
Jene Elf, die beim 2:0 im Test gegen Belgien und am Samstag in Liechtenstein siegte, soll ihren ersten Härtetest gegen die kampfstarken Finnen bestehen. „Wir wollen aber nach vorne spielen und den Gegner mit Offensivfußball in Schwierigkeiten bringen”, kündigte Löw an und lobte die defensive Organisation der Gastgeber, aus der gefährliche Konter vorgetragen werden: „Es wird nicht viele Tore geben.”
An Miroslav Klose, seinem Ersatzkapitän, will Löw ebenso festhalten wie an Clemens Fritz, der als rechtes Glied der Vierer-Abwehr neben Heiko Westermann, Serdar Tasci und Philipp Lahm in Vaduz den schwächsten Eindruck hinterließ. Aber Fritz wird nur durch Andreas Hinkel ersetzt, wenn er krank wird oder einem der Trainer unflätige Bemerkungen an den Kopf schmeißen würde. Die Variante, dass Lahm in seinem 50. Länderspiel wieder einmal auf rechts wechselt und damit auf links ein Platz für Marcell Jansen frei wird, hat Löw verworfen. Seitdem Lahm sich beim FC Bayern auf die linke Seite festgelegt hat, möchte auch er nicht mehr ständig wechseln.
Die linke Seite ist das Paradestück
Mit dem kleinen Münchner ist die linke Seite das Paradestück der Nationalelf. Piotr Trochowski, bei der EM ohne Einsatz, gehört plötzlich zum Stammpersonal und setzt im linken Mittelfeld starke Akzente. Mit Lahm, den er seit zehn Jahren aus der gemeinsamen Jugendzeit beim FC Bayern kennt, und Lukas Podolski war „Troche” zuletzt treibende Kreativkraft. Auf rechts spielt Bastian Schweinsteiger nicht schlecht, aber sein Hintermann Fritz und sein Vordermann Klose fielen deutlich ab. Unterstützt werden sie im zentralen Mittelfeld wieder von Simon Rolfes und Thomas Hitzlsperger. „Wir alle müssen uns gegen stärkere Gegner beweisen. Belgien und Liechtenstein, das waren keine Prüfsteine”, so Hitzlsperger. (NRZ)
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