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Der Blues des Erzählens

23.04.2008 | 20:30 Uhr

AUSSTELLUNG. Die US-amerikanische Top-Künstlerin Kiki Smith hat sich im Krefelder Haus Esters heimisch eingerichtet - kunstvoll versteht sich, mit Raben und religiösen Motiven.

KREFELD. "Her Home", ihr Zuhause, steht jetzt in Krefeld: die feine Villa Esters dient der amerikanischen Top-Künstlerin Kiki Smith als Ort einer außergewöhnlichen Rundum-Installation. Was schon von außen zu erkennen ist, weil sich eine aufwendige Glasarbeit vor die Fensterfront des Mies-van-der-Rohe-Baus geschoben hat: eine liegende Frau "entlässt" ein junges Mädchen aus sich.

Frauen-Power als Programm?

Kiki Smith, Tochter des großen Minimal-Bildhauers Tony Smith, gilt neben Marlene Dumas oder Nancy Spero als Vertreterin einer feministischen Ästhetik. Lange Zeit hat sich die 1954 in Nürnberg geborene, in den USA aufgewachsene Künstlerin mit dem Menschen-Innenleben beschäftigt, hat mit Körperflüssigkeiten das Vergängliche dargestellt. Was ihr den Ruf eines Wahn-Wunderkammer-Weibes einbrachte, so mysteriös wirkten ihre Leib-Sezierungen.

Existenztheater, Märchenwelt und Alptraum

Krefeld aber ist ein schaurig-schöner Mix aus Existenztheater, Märchenwelt und Alptraum mit religiösen Anspielungen. Die Erleuchtung ist ein Aufmarsch von Lämpchen unter der Decke. Das Thema Verkündigung deutet Kiki Smith in ihren großformatigen Drucken so um, dass es um künstlerische Kreativität geht. Die Vögel als christliches Verkündigungssymbol zeugen jetzt von künstlerischer Inspiration.

Überhaupt, der Mythos Tier: Flügellahme Rabenvögel liegen in Krefeld auf dem Parkett, Tauben flattern zwischen zerbrechlichen Hängekonstruktionen, und vor der Grafik mit der weissagenden Frau tanzen die Maus-Ratten. Dass gleich nebenan Porzellanfigürchen einen Tisch zieren, gerahmte Spiegelbild-Hinterglasmalerei-Blumenbilder durch raffiniertes Dekor bestechen und in einem Sarg gläserne Pusteblumen wachsen? - Warum nicht? Kiki Smith will das ganze Leben. "Mich interessiert, was Frauen über Frauen sagen, ich bin eine Frau." Kurator Martin Hentschel erklärt: "Kiki Smith entwickelt ein metaphernreiches Spektrum von Möglichkeiten fraulichen Lebens außerhalb der Ehe".

Dass da auch ein Ego-Trip drin steckt? Man verzeiht es ihr angesichts der vielen Werkstoffe, der motivische Spannbreite, des existentiellen Witzes - und gerät ins Stolpern. Bronze, Pappmache?, Plastikblumen, Zeichnung, Skulptur, Installation - Kiki Smith formt den Blues des brodelnden Erzählens. Fehlt nur noch, dass dabei Alice aus dem Wunderland um die Ecke guckt! (NRZ) Bis 24. August; ein Katalog erscheint noch.

CLAUDIA POSCA

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