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Das sind Helden!

07.05.2009 | 17:26 Uhr

Viele Filme thematisieren Handicaps.

Unseren Streifzug durch das Kino der Helden, die anders sind, beginnen wir mit einem Klassiker. Freaks kam 1932 in die Kinos – und war ein Skandal. Für den Horrorfilm, der in einem Zirkus spielt, rekrutierte Regisseur Tod Browning in Zirkuszelten und auf Rummelplätzen Menschen, die kleinwüchsig waren oder körperliche Missbildungen hatten. Auch Hans, die Hauptfigur, ist kleinwüchsig und Teil einer Kuriositätenshow, wie sie damals gar nicht so selten war. Browns wollte mit Freaks für Toleranz gegenüber Andersartigen werben. Doch damit war er seiner Zeit offenbar voraus und verstieß gegen die gängigen Moralvorstellungen. In einigen Bundesstaaten wurde der Spielfilm sogar verboten.

56 Jahre später feierte Rain Man hingegen großen Erfolg. Dustin Hoffman bekam für die Rolle des Autisten Raymond den Oscar als bester Hauptdarsteller. Hoffman soll sich ein Jahr auf Rain Man vorbereitet haben. In Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa trafen 1993 Johnny Depp (Gilbert Grape) und Leonardo DiCaprio aufeinander. DiCaprio spielt Arnie Grape, Gilberts geistig behinderten Bruder. Der Film schildert, wie eine Familie aus den Fugen gerät und brachte Leonardo DiCaprio eine Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller ein. Als Andersartige brillierte Jodie Foster in Nell (1994). Aufgewachsen in einer abgelegenen Hütte bei ihrer sprachbehinderten Mutter ohne Kontakt zu anderen, wird sie in die Zivilisation geworfen – und setzt sich schließlich durch.

Die Darstellung von Menschen mit Behinderung verlangt Schauspielern Höchstleistungen ab. So wurde Sean Penn für die Hauptrolle in Ich bin Sam (2001) mit dem Oscar ausgezeichnet. Darin wird die Geschichte des geistig behinderten Sam Dawson erzählt, der sich allein um seine Tochter Lucy kümmert. Al Pacino bekam die höchste Auszeichnung, als er 1993 in Der Duft der Frauen einen Blinden gab.

Rain Man mit Tom Cruise und Dustin Hoffman. Foto: SAT.1

Doch es sind nicht nur Hollywood-Produktion, die Handicaps zu ihrem Thema machen. So geht es im deutschen Spielfilm Erbsen auf halb 6 (2004) um Jakob, der durch einen Autounfall sein Augenlicht verliert und Lilly, die seit ihrer Geburt blind ist. In Jenseits der Stille (1996) erzählt Regisseurin und Autorin Caroline Link die Geschichte von Lara, die als Tochter gehörloser Eltern aufwächst. In Crazy (2000), der Verfilmung des Buches von Benjamin Lebert, ist die halbseitige Lähmung der Hauptfigur Benni ein Randaspekt. Für viele junge Schauspieler war der Film, der vom Erwachsenwerden handelt, übrigens der Durchbruch. Etwa für Robert Stadlober, Tom Schilling und Julia Hummer.

Ken Duken spielte 1999 die Rolle des querschnittsgelähmten Mark in Gran Paradiso. Mark hat beide Eltern verloren und will sich selbst das Leben nehmen, als ihn seine Therapeutin animiert, sich auf den Weg nach Gran Paradiso zu machen. Die Zeit, die man Leben nennt (2008) erzählt vom Pianisten Luca, der vor einer internationalen Karriere steht, als ein Autounfall alles verändert. In Verrückt nach Paris (2002) brechen Hilde, Philip und Karl aus dem monotonen Alltag eines Wohnheims für Menschen mit Behinderungen in Bremen aus. Eigentlich wollen sie bloß nach Köln, doch irgendwie geraten sie nach Paris. Der Film setzt sich intensiv mit der Wahrnehmung und auch der Selbstdarstellung von Menschen mit Behinderungen auseinander – auch die Hauptdarsteller sind behindert und arbeiteten zuvor in einem integrativen Bühnen-Projekt.

Um die Liebe zweier geistig behinderter Menschen geht es in Ganz normal verliebt (1999). Der Hollywoodfilm stieß auf Kritik. Teilweise wurde ihm vorgeworfen, die Behinderungen der Hauptfiguren nur zu benutzen, um die Geschichte voranzutreiben, ohne sich wirklich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Einfühlsam schildert hingegen der belgische Spielfilm Am achten Tag (1996) die zufällige Freundschaft zwischen dem ruinierten Bankmanager Harry und Georges, der das Down-Syndrom hat. Beinahe dokumentarisch nähert sich der britische Spielfilm Mein linker Fuß (1989) dem Thema. Daniel Day-Lewis spielt die autobiografische Geschichte von Christy Brown, der vollständig gelähmt war, bis es ihm gelang, mit einem Stück Kreide und seinem Fuß zu schreiben.

Mehrfach ausgezeichnet ist Schmetterling und Taucherglocke (2007). Die amerikanisch-französische Koproduktion wurde von Kritikern gefeiert – poetisch, aber unsentimental werde die Leidensgeschichte des seit einem Schlaganfall gelähmten Journalisten Jean-Dominique Bauby erzählt. Übrigens ist auch sie autobiografisch. Ebenfalls auf einer wahren Geschichte basiert Das Meer in mir (2004) über nach einem Badeunfall vollständig gelähmten Mann.

Für Aufsehen sorgte der deutsche Fernsehfilm Contergan schon vor seiner Premiere 2007. Die Firma Grünenthal, damals Hersteller des Schlafmittels, verhinderte zunächst die Ausstrahlung. Der Zweiteiler arbeitet den Contergang-Skandal Anfang der 60er Jahre auf. Contergan erhielt mehrere Preise, darunter den Bambi.

Marc Hippler

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