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Das Ruhrgebiet als Urlaubsziel

14.11.2009 | 18:05 Uhr
Das Ruhrgebiet als Urlaubsziel

Oberhausen. Gasometer statt Sandstrand - immer mehr Menschen entdecken das Revier als Urlaubsziel. Die Oberhausenerin Brigitte Sadhoff vermietet schon seit elf Jahren Urlaubsdomizile in der Emschermetropole an Touristen. Anfangs hatte sie gedacht: "Wer soll denn hier hinkommen?"

Man kann sich das als eingeborener Revierbürger nur schwer vorstellen, aber genau so soll es sich zugetragen haben: Da kommt eine Familie aus dem Schwarzwald ins Ruhrgebiet, macht drei Wochen Urlaub in Herne – und will wiederkommen, weil es ihr so gut gefallen hat. „Das gibt's!”, sagt Axel Biermann, Geschäftsführer von Ruhr Tourismus. Und weil zunehmend Urlauber das Revier für sich entdecken, gibt es auch immer mehr Ferienwohnungen. Wie viele es sind von Duisburg bis Dortmund, das weiß Biermann nicht, gerade versucht man in seinem Hause eine Übersicht zu erstellen. Fest steht für den Touristik-Experten: „Es gibt hier einen Markt für Ferienwohnungen”, sagt er, „und der wächst.”

Allein in Oberhausen habe die örtliche Touristik-Zentrale vor einem Jahr mehr als 40 Ferienwohnungen gezählt, berichtet er. Acht davon gehören Brigitte Sadhoff. Zur Urlaubs-Vermieterin wurde die 49-Jährige vor elf Jahren eher unverhofft. Gemeinsam mit ihrem Mann war sie damals auf der Suche nach einem Haus „Da sagte ein Bekannter: Kauft mal ein größeres, dann könnt ihr 'ne Ferienwohnung machen”, erinnert sie sich. Zuerst habe sie die Idee für Quatsch gehalten. „Doch nicht in Oberhausen!”, habe sie gedacht, „wer soll denn hier hinkommen?”

Sie erkundigte sich bei Fachleuten, rang sich schließlich doch durch – und kaufte ein Jugendstilhaus im Stadtteil Sterkrade. „Das lag quasi in Schutt und Asche, musste kernsaniert werden”, erzählt Sadhoff. Im November schaltete sie die erste Werbung für zwei kleine Wohnungen, im April kamen die ersten Gäste, da war alles „nur mehr schlecht als recht fertig”.

„Es gibt hier einen Markt für Ferienwohnungen”

Aufwändig und mit viel Liebe zum Detail hat die 49-Jährige seitdem die Wohnungen renoviert und mit Liebe zum Detail eingerichtet, sie kaufte ein zweites Haus („Kernschrott!”) und richtete zwei Wohnungen in ihrem Elternhaus her. „Ich habe ein Prinzip”, sagt sie. „In jeder Wohnung muss ich selbst wohnen wollen.” Die alten Dielenböden sind abgeschliffen und neu lackiert, das Fachwerk freigelegt, in alten Apothekerflaschen stehen Blumen auf der Fensterbank. Kaum eine Woche ist in den letzten zehn Jahren vergangen, in der sie nicht Geschäftsreisende oder Urlauber begrüßt hat. Was als Hobby neben dem Halbtagsjob in einer Apotheke begann, ist beinahe zu einer Vollzeitaufgabe geworden. MAN mietet seine Ingenieure bei ihr ein, das benachbarte Krankenhaus schickt Ärzte, und bald, wenn der Weihnachtsmarkt am Centro beginnt, werden auch viele Händler wieder bei ihr übernachten.

Und dann sind da eben auch noch die Privatgäste. Italiener, einstige Gastarbeiter, die nach der Rückkehr in die Heimat Freunde im Ruhrpott besuchen wollen. Eine Gruppe von acht behinderten jungen Leuten aus Nienburg an der Weser, die im Sommer von Oberhausen aus Ausflüge in Freizeitparks und zur Arena auf Schalke machten. Oder eben Familien aus ganz Deutschland, die die Schönheiten des Reviers entdecken wollen. „Wer hierher zum Urlaub machen kommt”, erzählt Brigitte Sadhoff, „der kommt ganz bewusst.” Mit Reiseführer ausgestattet, gehen die Feriengäste auf Entdeckungstour in der Region, besuchen Industriekultur und Freizeitparks, Einkaufszentrum und Naherholungsgebiete – und haben ihre Vermieterin schon häufig überrascht.

Ein tolles Radwegenetz

„Das ist das Problem, das wir haben, die hier geboren sind. Wir gehen mit geschlossenen Augen durch die Gegend.” Dass das Revier „ein tolles Radwegenetz” hat, erfuhr Brigitte Sadhoff von ihren Gästen. „Oder dass es auf Zeche Zollverein extra Fackelführungen am Abend gibt.” Am meisten schwärmten die Urlauber von der Vielseitigkeit des Ruhrgebiets. „Die sind ganz begeistert, wie viel hier geboten wird”, erzählt die 49-Jährige, „und wie schnell man von einer Stadt in der anderen ist.” Als die Blue Man Group bis zum Juli 2008 in Oberhausen gastierte, wohnte einer der blauen Männer bei ihr. „Dessen Frau war überglücklich, weil sie hier alles mit dem Fahrrad erledigen konnte, und die Leute wären alle so nett.”

Hoffnung auf die Kulturhauptstadt

Vom nahenden Kulturhauptstadt-Jahr verspricht sich Brigitte Sadhoff einen Schub für den Tourismus – in verstärkten Buchungen bemerkbar macht sich Ruhr.2010 indes noch nicht. Und obwohl es bereits viele Anbieter von Feriendomizilen im Revier gibt, haben diese untereinander bislang kaum Kontakt. „Ein städteübergreifendes Netzwerk”, sagt sie, „das wäre schön.”

Sarah Hubrich

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