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Das Gefängnis als Pulverfass

01.12.2009 | 17:26 Uhr

NRW-Justiziministerin muss Antworten geben.

Die Menschen an Rhein und Ruhr atmen auf, seit man die beiden Schwerverbrecher Heckhoff und Michalski nun wieder hinter Schloss und Riegel weiß – dank der unterm Strich klugen Arbeit der Polizei. Wohl jeder wird zuletzt ein mehr oder weniger unwohles Gefühl bei dem Gedanken gehabt haben, dass zwei gefährliche und außerdem bewaffnete Ausbrecher auf unseren Straßen unterwegs sind.

Dennoch ist mit der Festnahme längst nicht wieder alles in Ordnung. Bohrende Fragen bleiben:

Warum etwa ist es möglich, dass ein Häftling im Gefängnis angeblich Waffen kaufen kann? Wer beschafft solche Waffen - Wärter, Besucher? Wie leicht ist es, einen Justizbeamten zu bestechen? Und wieso kann solch ein Beamter zwei Schwerverbrecher scheinbar mühelos in die Freiheit lotsen?

Dass die Aachener Gefängnischefin sich nun windet und kaum plausible Antworten liefert, ist beunruhigend genug. Politisch hauptverantwortlich bleibt allerdings NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter. Die Ministerin muss ebenso wie die Anstaltschefin gewusst haben, welche Zustände in der JVA Aachen herrschen. Erst vor wenigen Wochen wurden eine miserable Personalausstattung und unübersichtliche Wohneinheiten beanstandet. Solche Missstände kennt man gewöhnlich aus amerikanischen Krimiserien. Aber bei uns? Wer hat zugelassen, dass die einstige Vorzeige-Anstalt sich in ein Pulverfass verwandelte?

Verstörend ist zudem, wieso ein Boulevard-Blatt gestern offenbar aus Vernehmungsprotokollen des am Samstag geschnappten Geiselgangsters Heckhoff zitieren konnte. Wer aus dem Justizapparat hat da die Papiere weitergereicht? Und: Floss als Gegenleistung Bargeld?

Die Ministerin wird viel aufzuklären haben. Und dies sollte sie zügig und umfassend tun - und nicht erst in einem Untersuchungsausschuss. Zumal die Ministerin nach dem Foltermord-Skandal vor zwei Jahren im Siegburger Gefängnis aufgefordert war, die Zustände in den Haftanstalten zu verbessern. Offensichtlich ist das nicht geschehen - ein echter Skandal.

Manfred Lachniet

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