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Aufwachen aus dem Siegestaumel

22.08.2008 | 22:06 Uhr

China bleibt China trotz Olympischer Spiele

Für die Pekinger Führung steht jetzt schon fest - dies waren die besten, erfolgreichsten und grandiosesten Spiele aller Zeiten. Mit 47 Goldmedaillen (Stand Freitagabend) liegt das Reich der Mitte deutlich vor dem großen Konkurrenten USA. China feiert sich schon seit Tagen - als große Sportnation, als Superorganisator, als Land, das endlich vom Ausland den Respekt und die Anerkennung erhält, die es glaubt seit langem zu verdienen. Wer in China an diesem schönen Selbstbild zweifelt, wird sogar von Offiziellen der Unwissenheit oder des bösen Willens beschuldigt und muss sich vorwerfen lassen, das Land einfach nicht zu verstehen.

Doch das Bild, das Peking auch in den staatlich gesteuerten Medien dem eigenen Volk vorgaukelt, hat wenig mit der Wirklichkeit zu tun. Denn wer von anderen immer wieder verlangt, die Spiele nicht zu politisieren, sollte sie auch selbst nicht politisch überfrachten. Die tiefere Bedeutung dieser doch eigentlich so simplen Wahrheit, wird sich wohl auch den Machthabern im Regierungssitz Zhongnanhai erschließen müssen. Die noch so erfolgreiche Organisation eines Sportfestes ändert nichts an der Stellung einer Einparteiendiktatur in der Welt.

Denn wenn die chinesische Führung nach den Superspielen aus ihrem Siegestaumel erwacht, ist China immer noch China. Die Spiele haben nichts verändert. Das Ausland wird die gleichen drängenden Fragen stellen - über die Menschenrechte, die Pressefreiheit, Tibet oder die Umweltzerstörung. Goldmedaillenrekord hin oder her.

politik@nrz.de

RUTH KIRCHNER, Peking

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