Abwärts auf der sozialen Rutsche
14.07.2009 | 18:00 Uhr 2009-07-14T18:00:00+0200Das Abgleiten in Hartz IV wird immer rasanter
Es gab Zeiten, da war Hartz IV für die meisten Menschen ziemlich weit weg. Vorbei. Mit der Wirtschaftskrise kriecht die Angst vor dem Jobverlust immer höher. Bis weit hinauf in die Mittelschicht. Das liegt an den starren Grundmustern des fünf Jahren alten Systems, dessen milliardenschwere Rücklagen sich bald in riesige Defizite verwandeln werden; mit allen Konsequenzen für den Steuerzahler.
Wer in diesem Jahr den Arbeitsplatz verliert, muss stark damit rechnen, schon 2010 im Hartz-IV-Kreislauf zu landen und damit zu den zweifachen Verlierern zu gehören. Denn die Chancen, ausgerechnet in der größten Wirtschafts- und Finanzkrise seit langem aus der knapp bemessenen Grundsicherung bald herauszukommen, stehen nicht nur für Langzeitarbeitslose und Unqualifizierte aus den unteren Einkommensschichten alles andere als gut.
Längst hat man sich hier, so scheint es, zynischerweise daran gewöhnt, dass jene, die im letzten Aufschwung wieder eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gefunden haben, etwa über Zeitarbeit, jetzt wieder zu den Ersten gehören, die unter dem krisenbedingten Personalabbau leiden müssen. Ein herber Rückschlag für das gesamte System Hartz IV. Das ganze Ausmaß der Misere könnte künftig aber auch viele treffen, die noch niemand auf dem Ticket hat - die Gut-Qualifizierten. Vom ordentlich bezahlten Facharbeiter erst in die Arbeitslosigkeit und dann raus aus dem eigenen Reihenhäuschen, weil beim Arbeitslosengeld II unerbittlich das Vermögen herangezogen wird - in diesem Szenario lauert immenser Sprengstoff.
Es sind Wähler, die bislang nicht gerade mit der Linkspartei sympathisieren, die sich bekanntlich komplett von der Hartz-IV-Logik verabschieden will, ohne ein schlüssig finanzierbares Gegenmodell anzubieten. Es sind aber gewiss Wähler, die bei den etablierten Parteien sehr fein hinhören werden, wenn es darum geht, heute erkennbare Stolperstellen und Widersinnigkeiten des Hartz-IV-Systems vorsichtig zu entschärfen, bevor die Wucht der Krise morgen den Arbeitsmarkt verwüstet. NRZ
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