Betuwe-Widerstand wächst - nun zweigleisig
Weseler Bürgerinitiative gerät in die Kritik. Befürworter einer wohnortfernen Trasse gründen einen neuen Verein.
Eine Menge Druck ließen Teilnehmer des Informationsabends bei der Bürgerinitiative „Betuwe-Linie – so nicht” ab. Es schien, als wollten sie deren Sprecher Gert Bork für die von der Bahn vorgestellten Pläne verantwortlich machen. „Mehr und deutlichere Aktionen dagegen”, forderten einige am Dienstagabend.
Anderes Gleis: Ferne Trasse
Emmericher und Weseler A 3-Aktivisten wollen ihre Kräfte bündeln und am Mittwoch auf einer internen Versammlung in Millingen einen Verein gründen. Das sagten Karl-Heinz Jansen und Jan-Simon Laarakker der NRZ. Beide hatten die von 430 Bürgern besuchte Betuwe-Veranstaltung bei „Slütter” in Vrasselt organisiert (die NRZ berichtete). Das Duo aus Praest zog danach ein positives Fazit. „Wir haben von Emmericher Politikern viel Lob und Beifall bekommen”, sagte Jansen.
Die verteilte Resolution gegen den Ausbau der Bestandsstrecke sei bislang von 310 Bürgern unterstützt worden, auch von einer Weseler Gruppe. „Wir haben die Resolution überarbeitet”, teilte Jansen mit. In dem neuen Entwurf wird das Spiekermann-Gutachten nicht mehr erwähnt. „Kompromisslos gefordert” wird jetzt, den „kompletten Güterverkehr auf der Schiene von und nach Rotterdam beziehungsweise Oberhausen aus Dörfern und Städten auf eine zweigleisige siedlungsferne Trasse (A 3) zu verlagern”. Bis zur Fertigstellung der Neubaustrasse sollten lärmmindernde Maßnahmen an der Bestandsstrecke erfolgen.
Jansen und Laarakker übten Kritik an der Bürgerinitiative: „Die verfolgen andere Ziele”, sagte Jansen. Und Laarakker: „Die setzen aufs falsche Gleis. Die Risiken bleiben in den Ortschaften, und die Risiken sind enorm.”
Bork erteilte der zusätzlichen Trasse an der A 3 eine Absage: Aufgrund einer Machbarkeitsstudie des ehemaligen NRW-Verkehrsministers Wolfgang Clement kommt er zu dem Schluss, „dass die Bahn auf der neuen Trasse wahrscheinlich nur ICE-Züge fahren lässt”. Das bedeute, Personen- und Güterverkehr würden auf der gefährlicheren Bestandsstrecke bleiben. Der Lärmschutz käme ohne drittes Gleis dann trotz Blockverdichtung nicht zum Tragen.
Der Landtagsabgeordnete Wolfgang Hüsken (CDU) nahm die Bahn aus der Schusslinie: „Die Bahn plant aufgrund der gesetzlichen Vorgaben, etwa des Bundesemmissionsschutzgesetzes, der Auftraggeber ist allerdings der Bund.” Sollte dieser die nötigen Mittel für Troglagen bereitstellen, könne auch die Bahn handeln.
Die Ängste der Anwohner vor den Folgen der Betuwe-Linie verstärken sich seit Jahren: Unerträgliche Lärmbelastung, Häuserrisse durch Erschütterungen, meterhohe Lärmschutzmauern. Ganz zu schweigen von der Gefahr eines explodierenden Kesselwagens in Höhe Byk-Chemie. „Dann braucht die Feuerwehr gar nicht mehr ausrücken”, sagte ein erboster Anwohner.
„Wir haben in den 15 Jahren viel erreicht”, so Jörn Schroh in der ungewohnten Position, die Bürgerinitiative verteidigen zu müssen. Mangelnde Information der Anwohner – diesen Vorwurf wollten er und viele andere nicht gelten lassen.
Demnächst wird die Bürgerinitiative eine Unterschriftenaktion starten. Von Emmerich bis Oberhausen sollen 100 000 Unterschriften den Forderungen Nachdruck verleihen. Dazu gehören: bestmöglicher Lärmschutz, ein Rettungsplan bei Gefahrgutunglücken und das Festschreiben der Beweissicherung von Anwohner-Häusern im Planfeststellungsverfahren. Der Einladung Schrohs, sich in einem kleinen Kreis an der Arbeit der Initiative zu beteiligen, kam nach Versammlungsende nur einer von 60 diskussionsfreudigen Teilnehmern nach. Mehr: www.betuwe-sicherheit.de


































