Archäologie:: Römische Reihenhäuser
Im Archäologischen Park Xanten werden drei Wohngebäude in Lehmbautechnik rekonstruiert. Am Dienstag war Richtfest.
Lässig schwenkt der Zimmermann Hubert Heinrichs oben auf dem Gerüst das Rotweinglas in der rechten Hand, nippt kurz, wirft es auf den Boden und zitiert den Richtspruch: „Wenn das Glas zerspringt auf dem Grund, geweiht sei der Bau zur Stund'.” Na, dann kann jetzt bei der Rekonstruktion der drei Römischen Reihenhäuser im Archäologischen Park Xanten (APX) nichts mehr schief gehen.
Zumal jetzt auch das Dach drauf ist und die 60 Zentimeter dicken Außenwände nicht mehr feucht werden können. „Wenn die Nässe bekommen, dann schwimmen sie weg”, erklärt der Architekt des APX, Peter Kienzle. Deshalb haben die Räume in Xanten sowohl die Fundamente, als auch die Befestigung des Giebels aus Stein-Ziegeln gebaut, die allerdings am Niederrhein schwer zu finden waren. „Der römische Architekt Vitruv beschreibt in seinen Büchern, dass auf Lehmziegelwände eine Schicht aus gebrannten Ziegeln aufzubringen ist”, erklärt Kienzle.
Blöcke von zwei Metern Länge
Die Steine kamen per Schiff über den Rhein. Aufwändig und teuer. Deshalb wurden nur die öffentlichen Bauten vollständig auf Stein gebaut. Der römische Otto Normalverbraucher in der „Colonia Ulpia Traiana” in der Provinz „Germania Inferior” errichtete sein kleines Reihenhäuschen in Lehmbauweise. Die Außenwand besteht aus gestampften Blöcken von 60 Zentimeter Breite, 60 Zentimeter Höhe und zwei Meter Länge. Dazu wurde ein Schalungskasten aus Holz hergestellt, der unmittelbar nach dem Stampfen aufgesetzt wurde.
Der Lehm wurde in zirka acht Zentimeter starken Lagen per Hand in die Kästen geschaufelt und dann mit pneumatischen Stampfern verdichtet. „Zwischendurch haben wir es auch mit der Hand probiert. Kräfteraubend, aber nicht unbedingt zeitintensiver. Für einen Kubikmeter fertig gestampfte Lehmwand benötigt der Handwerker mit dem pneumatischen Stampfer 137 Minuten und mit dem Handstampfer 160 Minuten”, schmunzelt der Architekt.
Im Prinzip ist das Verfahren ganz einfach. „Mit ein wenig Erfahrung kann auch heute noch jede Familie ein Haus in Lehmbauweise errichten”, erklärt Zimmerer Hubert Heinrichs. Trotzdem macht es niemand. „Das ist das erste doppelstöckige Bauwerk seit 50 Jahren in Deutschland, bei dem ein Bau komplett in Lehmbauweise entsteht”, betont Kienzle. Das sorgt natürlich für Aufmerksamkeit.
Zimmerleute aus der ganzen Welt
„Es hat sich bis nach China herumgesprochen, dass wir hier ein Haus in Lehmbauweise errichten”, erklärt Hubert Heinrichs. Wandernde Gesellen aus vielen Ländern haben in den vergangenen zwei Jahren Hand angelegt und mitgeholfen. „Weil hier eine ganz besonderes Bauwerk entstand”, erklärt der Zimmermann aus Hiddenhausen bei Herford, der sich auf denkmalgeschützte Bauten spezialisiert hat und nun seine Zelte am Niederrhein abbrechen muss. „Schade, ich hatte mich so sehr an die Gegend hier gewöhnt. Aber vielleicht werden hier ja bald die nächsten römischen Häuser gebaut.”
Die Zimmerleute waren nicht die einzigen Mitarbeiter, die beim Aufbau der drei römischen Wohnhäuser mitgeholfen hatten: „Kinder und Jugendliche haben am Wochenenden auch ihren Teil dazu beigetragen”, erklärt Edda Gerusel, Museumspädagogin und Bildhauerin. An den Stallungen im Hinterhof der Gebäude, die wie die Innenwände in Fachwerkbauweise errichtet wurden, haben junge Besucher mitgearbeitet und eifrig Lehm auf Binsen- und Weidengerüste geworfen.
„Im Moment haben wir Schwierigkeiten, die richtigen Dachziegel in der gewünschten Größenordnung zu bekommen”, schildert Kienzle. Das Problem: Sie dürfen nicht zu gleich sein, sondern müssen sich wie die handgebrannten Tonziegel aus der Römerzeit unterscheiden. Für die Firma, die diesen Auftrag ursprünglich an Land gezogen hatte, war das dann doch zu viel. Kienzle: „Sie hat diese Aufgabe abgegeben.” Deshalb kann die ursprüngliche Zeitplanung auch nicht eingehalten werden. „Die Bauten werden wohl erst 2011 fertig werden”, kündigt Kienzle schon an.
















































