E-Musik : Musiker komponiert mit der Spiele-Konsole Wii

Duisburg. Frank Rübler komponiert mit der Spiele-Konsole Wii elektronische Zukunftsmusik. Dabei kommen ganz schräge Töne heraus. Der Musiker hat auch ein Wii-Projekt für Schüler entwickelt.
Stampf! Zwo, drei, vier – Stampf! Zwo, drei, vier – laut trampeln Füße im rhythmischen Gleichschritt auf den Boden. Hüstel! Stampf! Zwo, drei, vier – Hüstel! – Schnarch – Stampf! Zwo, drei vier – skurrile Geräusche klingen aus den kleinen, weißen „Fernbedienungen” in den Händen der Achtklässler. Mal erinnert die akustische Kulisse an einen balzenden Auerhahn, mal an Donald Duck, der sich rasend über seine Neffen aufregt. Dann ertönt in Sekundenschnelle plötzlich das Horn eines großen Meeresdampfers. Oder es gibt kosmische Sounds auf die Ohren, die den Zuhörer auf eine Reise mit der Enterprise durchs Weltall schicken.
Schnarchen, Husten oder Schnalzen
Im Takt schiebt sich dazu mal der eine, mal der andere Arm der fünf jungen Elektro-Musiker nach vorn, mal nach unten. Alles, um der kleinen Spielekonsole die zuvor selbstproduzierten Töne – Schnarchen, Husten oder Schnalzen – zu entlocken. Und je nach Bewegung und deren Geschwindigkeit werden so daraus Töne eines Tennismatchs, das Scratchen eines Disc Jockeys auf den Plattentellern oder Drum'n'Base-Rhythmen in Reinstform.
Ivo Mehring, Lukas Amendt, Joshua Kaewnetara, Artur Austrin, Tobias Strader. Foto: Hayrettin Özcan
Foto: WAZ FotoPool
Sieht ziemlich ulkig aus, wie sich die Schüler auf der Bühne verrenken. Irgendwie wie Aerobic für eine Beatbox-Boygroup. Wii-Projekt nennt sich dieses neue Musik-Experiment, dessen Erforschung bis vor kurzem nur den fünf Jungs der Klasse 8d des Steinbart-Gymnasiums in Duisburg vorbehalten war.
Aerobic für eine Beatbox-Boygroup
Nun wird das Projekt auch an der Musikschule-Wedau angeboten. Musik mit der Wii? Gemeint ist die Spielekonsole. Ein kleines, elektronisches Gerät mit dem man Bewegungsabläufe, wie Springen, Hüpfen dank des Controllers zu Hause vor dem Bildschirm simulieren kann. Doch die Konsole macht nicht nur Sport, sondern auch ganz neue Töne.
„Es geht darum, neue Klänge zu produzieren, nicht die Natur zu imitieren”, sagt Frank Rübler. Der elektronische Komponist und ehemalige Schüler des Steinbart-Gymnasiums hat das wii-Projekt erfunden. Sein musikalisches und technisches Handwerk für die Entwicklung solcher Werke hat der 36-Jährige an der Essener Folkwang Hochschule gelernt. „In einem Studiengang, der eine Mischung aus Tontechnik, Musik und Informatik ist”. Mit der wii-Konsole zu experimentieren gehört zu seinem Job. Denn Rübler kreiert Zukunftsmusik. Und die klingt eben manchmal ganz schön schräg. Und wenn Ivo, Lukas, Joshua, Artur und Tobias auf der Bühne stehen und „musizieren”, dann sieht das auch so aus.
Klangliche Extravaganz
„Normalerweise werden Bewegungen der Musik angepasst, wie beim Tanzen. Im Wii-Projekt ist das anders herum”, sagt Rübler. Da spielt die Musik, wie man sich bewegt. Weder für Sesselhocker, noch für den Zappel-Philipp ist das Instrument besonders geeignet. Ein bisschen Sportgeist gehört dazu, genauso wie kontrollierte Bewegungen, um einen bestimmten Ton – lang oder kurz, hoch oder tief – aus dem Gerät heraus zu bekommen. „Mit der Konsole und dem angeschlossenen Nunchuk (einem Zusatzgerät) lassen sich so neue, unvorhersehbare Klänge erfinden. Die kann man so nie wieder nachmachen. Es ist ein Performance-Instrument, das live gespielt wird und sehr experimentell klingt”, so Rübler.
Nicht gerade hitverdächtig. Aber: „Wenn jemand mit einer Konsole in den Unterricht kommt, dann ist das natürlich besonders interessant”, sagt Wii-Musiker Lukas, der sich eigentlich nur deshalb für diese klangliche Extravaganz begeistert. So schafft Rübler mit seiner Konsolen-Komposition, was Generationen von Musiklehrern verwehrt blieb. „Genau deshalb bin ich mit meinem wii-Projekt auf die Schulen zugegangen”, sagt der Komponist, „ich möchte jungen Leuten experimentelle Musik näher bringen und ihr Gehör für Klänge schärfen”. Und zwar für richtig schräge!











