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Syrische Rebellen beginnen Offensive zur "Befreiung" Aleppos

22.07.2012 | 19:13 Uhr
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Foto: /Ugarit News/Anonymous

Die syrischen Rebellen haben nach eigenen Angaben eine Offensive zur "Befreiung" der Stadt Aleppo begonnen. Aktivisten veröffentlichten auf der Videoplattform YouTube eine Stellungnahme des Rebellenkommandeurs Oberst Abdul Dschabbar Mohammed Akidi, in der er am Sonntag erklärte, der Befehl zum Einmarsch in die größte Stadt des Landes sei erteilt worden.

Beirut (dapd). Die syrischen Rebellen haben nach eigenen Angaben eine Offensive zur "Befreiung" der Stadt Aleppo begonnen. Aktivisten veröffentlichten auf der Videoplattform YouTube eine Stellungnahme des Rebellenkommandeurs Oberst Abdul Dschabbar Mohammed Akidi, in der er am Sonntag erklärte, der Befehl zum Einmarsch in die größte Stadt des Landes sei erteilt worden. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete außerdem Angriffe von Regierungssoldaten in der Hauptstadt Damaskus.

Die Beobachtungsstelle und der Aktivist Mohammed Said erklärten, in mehreren Stadtteilen von Aleppo werde gekämpft. Bereits am Samstag hatten Augenzeugen erklärt, die Gefechte gehörten zu den bisher schwersten in der nordsyrischen Stadt. Bisher stand Aleppo, die bevölkerungsreichste Stadt des Landes mit knapp 1,7 Millionen Einwohnern, loyal zum syrischen Präsidenten Baschar Assad und blieb von den Unruhen im Land weitgehend verschont.

Der Aktivist Said sagte via Skype aus der Stadt, zahlreiche Rebellen der Freien Syrischen Armee seien nach Aleppo gekommen und kämpften nun gegen Regierungssoldaten. Rebellenkommandeur Akidi sagte, Angehörige religiöser und ethnischer Minderheiten in der Stadt hätten nichts zu befürchten. Dies gelte auch für die Religionsgemeinschaft der Alawiten, der Assad angehört. "Unser Krieg ist nicht mit euch, sondern mit der Assad-Familie", sagte er.

Nach der Eroberung eines syrischen Grenzübergang zur irakischen Stadt Rabija durch die Rebellen verloren diese den Posten am Sonntag wieder an die Streitkräfte, berichteten irakische Sicherheitsvertreter sowie das syrische Staatsfernsehen. Die Aufständischen hätten den Übergang verlassen, noch bevor die Streitkräfte diesen zurückverlangt hätten, berichteten die irakischen Vertreter. An dem südlicher gelegenen Grenzposten nahe der irakischen Stadt Kaim war zudem Gefechtslärm zu hören.

Aus der Hauptstadt Damaskus meldete die Beobachtungsstelle am Sonntag Angriffe von Regierungstruppen auf die Viertel Masse und Barse, die zuvor von Rebellen gehalten worden waren. Dabei seien Kampfhubschrauber eingesetzt worden, es habe viele Opfer gegeben. Das staatliche Fernsehen erklärte, die Lage in der Hauptstadt sei ruhig, Kampfhubschrauber würden nicht eingesetzt. Die amtliche Nachrichtenagentur SANA meldete, Regierungstruppen hätten das Viertel Kabun aus Rebellenhand zurückerobert. Am Samstag hatten die Truppen bereits das Viertel Midan wieder eingenommen.

An den Zufahrten nach Damaskus errichteten die Behörden Kontrollstellen, um die Innenstadt von aufständischen Vororten abzuriegeln. Nach Angaben von Bewohnern konnten viele Lebensmittelgeschäfte ihre Vorräte deshalb nicht auffüllen. Müll sammelte sich in den Straßen. "Die Spannung ist greifbar, die Menschen haben Angst vor dem, was kommen mag", sagte ein Bewohner, der nicht genannt werden wollte.

In Damaskus wie in Aleppo leben Angehörige der syrischen Elite, die von den engen Verbindungen zum Regime von Assad profitierten. Seit Monaten gewannen die Rebellen jedoch im Umland von Aleppo Unterstützung, während sich in der Stadt Ärger über das gewaltsame Vorgehen der Regierung gegen Regimegegner breitmachte. Besonders die Studenten in Aleppo protestierten immer wieder gegen die Regierung.

Der französische Außenminister Laurent Fabius mahnte Assad derweil zum Rücktritt. Sein "Regime ist vom eigenen Volk, das großen Mut beweist, abgestraft worden", erklärte er. "Es ist Zeit, den Übergang und die Ära danach vorzubereiten." Zudem rief Fabius die zersplitterte syrische Opposition zur Einigkeit auf.

Seit Beginn des Konflikts sind in Syrien nach Angaben von Aktivisten mehr als 19.000 Menschen umgekommen. Allein in diesem Monat seien 2.752 Menschen getötet worden, teilte die Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag mit. Damit handele es sich um den Monat mit den meisten Opfern seit Beginn des Aufstandes im März 2011, sollte der bisherige Trend im Juli anhalten. Rom forderte italienische Staatsbürger angesichts der zunehmenden Gewalt am Sonntag zum Verlassen des Landes auf.

Immer mehr Syrer fliehen derweil vor den zunehmend blutigen Kämpfen in ihrem Land. Innerhalb von 48 Stunden seien zwischen 8.500 und 30.000 Syrer über die Grenze in den Libanon geflohen, teilten die UN am Freitag mit. Auch Tausende Exiliraker kehrten in ihre Heimat zurück.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) äußerte sich besorgt über die humanitäre Lage im Land. Durch die Kämpfe in Damaskus habe sich in der vergangenen Woche die Versorgungslage für zahlreiche Menschen in der Hauptstadt verschlechtert. Viele Geschäfte hätten geschlossen, alles sei teurer geworden. Innerhalb Syriens ist nach Angaben des Roten Kreuzes die Versorgungslage für etwa 1,5 Millionen Zivilisten durch den Konflikt schwierig geworden.

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dapd

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