Professoren kämpfen gegen Bachelorabschluss
11.11.2009 | 11:19 Uhr 2009-11-11T11:19:00+0100
Essen. Professoren machen gegen die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge mobil. Bei Studenten kommt das gut an – im NRW-Innovationsministerium nicht. Eine Gesetzesänderung zu Gunsten des Diploms sei ausgeschlossen, heißt es offiziell aus dem Hause Pinkwart.
Erstmals machen Professoren im Ruhrgebiet massiv Front gegen die seit zwei Jahren an allen nordrhein-westfälischen Hochschulen geltenden Bachelor- und Masterstudiengänge. Die Dekane der Technischen Universität Dortmund führen den Protest an. Acht von insgesamt 16 fordern die Rückkehr zum Diplom in ausgewählten Studiengängen – als Alternative zu Bachelor- und Masterabschlüssen. Bei Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) jedoch stoßen sie auf taube Ohren.
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Der Initiator des Professorenprotestes, Walter Krämer, sagt: „Bachelor und Master sind Micky-Maus-Abschlüsse, gesichtslos und nicht zu unterscheiden.” Krämer ist Dekan der Fakultät Statistik an der TU Dortmund. Ihn stört vor allem, dass die Studenten in Raster und Muster eingezwängt werden, der Studienverlauf ganz eng geregelt ist. „Diese Zwangsbeglückung geht mir gegen den Strich.”
Reif für das Berufsleben?
Unterstützung kommt von der SPD im Landtag. „Es gibt deutlichen Nachbesserungsbedarf”, meint deren hochschulpolitischer Sprecher Karl Schultheis. Professoren wie Studenten klagten über die komprimierten Studiengänge, unnötige Einschränkungen und mangelnde akademische Qualität. Für Schultheis steht fest: „Der Druck auf die Studenten ist zu stark.” Die Verschulung in Bachelor- und Masterstudiengängen verschlechtere die Berufsfähigkeit der Absolventen. Auch der Bochumer Volkswirtschafts-Professor Wim Kösters sorgt sich um die Persönlichkeitsbildung der Studenten. Er sage Firmenvertretern stets, dass sich diese „noch wundern werden”, wer da an Bewerbern auf sie zukommt, so Kösters, Vorstandsmitglied beimRheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen. Das Diplom dagegen biete die Möglichkeit, „die Persönlichkeit reifen zu lassen, außerhalb des Studiums Engagement an den Tag zu legen und dadurch für den Beruf wichtige Selbstständigkeit zu erwerben”.
Das für Hochschulen zuständige NRW-Innovationsministerium indes blockt ab. Eine Gesetzesänderung zu Gunsten des Diploms sei ausgeschlossen, heißt es offiziell aus dem Hause Pinkwart: Diplom- und Magisterstudiengänge wiedereinzuführen, „widerspräche der hochschulpolitischen Verpflichtung, die NRW im Rahmen des 'Bologna-Prozesses' eingegangen ist.” Dieser Prozess soll in Europa international vergleichbare Studiengänge schaffen. Zudem, so sagt der Minister selbst, habe „die Landeswissenschaftskonferenz der Rektoren der NRW-Universitäten erst kürzlich einmütig festgestellt, dass wir beim Bologna-Prozess auf einem sehr guten Weg sind.” Die Uni-Leiter stünden hinter dem neuen Studiensystem, ist Pinkwart überzeugt.
Studierende besetzen die Hörsäle.
Knapp 400 Studierende der Universität Duisburg-Essen haben gestern die jeweils größten Hörsäle an beiden Uni-Standorten besetzt. Mit der Protestaktion wollen sie auf die ihres Erachtens unzumutbaren Studienbedingungen aufmerksam machen. Der Protest richtet sich gegen die Studiengebühren, gegen das Bachelor-Master-System der Hochschulabschlüsse, gegen zu volle Vorlesungen und Seminare und nach Ansicht der Studierenden zu geringe Mitbestimmungsmöglichkeiten an der Universität. Uni-Rektor Ulrich Radtke stellte sich einer ersten Diskussion, die heute im Audimax Duisburg fortgesetzt werden soll.
Kritiker jedoch wenden ein: Das Immatrikulationsverbot, das es Studenten in NRW untersagt, sich neu in einen Diplomstudiengang einzuschreiben, gibt es in verschiedenen anderen Bundesländern nicht. Dort scheint man den „Bologna-Prozess” nicht so streng zu nehmen. In Bayern und Mecklenburg-Vorpommern gibt es noch nicht einmal verbindliche Vorgaben, bis wann Bachelor und Master als einzige Studienabschlüsse eingeführt sein müssen. Das macht es etwa möglich, dass Studenten an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern noch immer ein BWL-Studium auf Diplom beginnen können.
„Ohne Master geht nichts”
Bei vielen Studenten kommt die Initiative der Dortmunder Professoren gut an. Sie zweifeln, ob sie mit dem Bachelortitel etwas anfangen können, ohne den darauf aufbauenden Masterabschluss in mehreren Semestern nachzuziehen. „In den Sozialwissenschaften kann man mit dem Bachelorabschluss direkt Hartz IV beantragen, ohne Master geht eh nichts”, sagt etwa Patrick Hinze, Vertreter der Studenten an der Uni Duisburg-Essen. Die Plätze für Masterstudiengänge aber sind begrenzt.
20:10
Viele US Universitäten, von denen sich Deutschland den Bachelor und Master abgekuckt hat, kehren inzwischen zurück zum Diplom!
Deutschland schafft sich also gerade ein Bildungssystem, das aus den USA stammt, aber dort inzwischen wieder abgeschafft wird…
Beispiele US-amerikanischer Universitäten, die inzwischen den Weg zurück zum Diplom gefunden haben:
- die Colorado State und die Carnegie Mellon Universitäten mit dem:
„Accelerated BSc/MSc-Modell”
- das MIT und die University of South Florida, mit dem sogenannten:
„Five Year Dual Programme”.
- und noch viele mehr, wie z.B. University of Maryland mit dem
“Combined MS/BS-Programm” .
Das sind allesamt Studiengänge, die unserem Deutschen Diplom / Magister nachempfunden konzipiert wurden.
Und die Liste US-Amerikanischer Universitäten, die Diplomähnliche Studiengänge z.Zt. gerade vorbereiten, kann ohne weiteres fortgesetzt werden..
Der Bologna-Prozess ist kein verbindlicher Vertrag! Deutschland könnte also jederzeit zurück zum Diplom!
17:53
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10:17
Hallo Herr Pinkwart, PISA lässt grüssen.
Das ist Made in Germany.
08:39
Natürlich sind sie das! Es geht doch um viel mehr als nur die Anpassung des Ba-/Ma- Systems! Studiengebühren werden falsch eingesetzt. Sie sind teilweise notwendig, anderorts nicht nötig. Hier gibt es welche, dort braucht man sie erst gar nicht zu zahlen. Eliteunis werden gefördert, statt anderen Unis mit diesen Fördergeldern zu unterstützen. Es geht um das Grundrecht Bildung, dass nicht jedem fair gegeben wird. Das beginnt im Kindergarten. Man muss das viel weiter betrachten! Letztendlich studiert jeder Protestierende gerne, nur sollen die Nebenbedingungen stimmig sein. Leider gibt es zu viele Studierende, die sich einfach mit der schlechten Bildungssituation abfinden!
05:34
Kein Wunder, wenn man bewährte eigene Bildungstraditionen mit Gymnasium und preussischem Staatsexamen über Bord wirft. Allerdings muss man sich auch ernsthaft die Frage beantworten, ob die streikenden - besser: protestierenden - Studis wirklich an einem Studium (Eifer/wissenschaftliches Interesse) interessiert sind.
16:16
Wenn ich hier so sehe, wer alles studiert und doch die einfachsten Regeln der Rechtschreibung nicht beherrscht, dann ist mir auch klar, was mit unserem Bildungssystem so alles nicht stimmen kann...
Da ist mit Bologna wohl die Dauerwurst gemeint...
15:34
Herr Pinkwart mokiert, dass die Wiedereinführung der Diplom-Studiengänge den Verpflichtungen widerspricht die sie mit dem Bologna-Prozess eingegangen sind. Aha: Seit wann kann haben Prozesse denn Verpflichtungen? Das hieße doch das ein vertragwerk unterzeichnet wurde.
Wie dem auch sei: Wenn das Diplom-Studium dem Bologna - Prozess widerspricht, warum kippen wir dann nicht den Bologna-Prozess?
Dann klappt es auch wieder mit dem Diplom.
14:11
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14:10
ah, maschinenbau! welches zweitfach? welche sprache noch dazu? latinum? graecum? promotion in vorbereitung?
verzerrtes wort: why
14:05
...wenn ich das immer höre...kein Engagement neben der Uni möglich...Ich habe neben dem Beruf in Abendform meinen Bachelor in Maschinenbau gemacht. ...Natürlich hat es viel Arbeit und Freizeit gekostet. Ich war aber auch nicht auf jeder Mediziner- Fachbereichs- oder Mensaparty.... Gerade Duisburg - Essen ist meiner Meinung nach mehr ein Feier- und Fetenschuppen als eine Uni.