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Gauck-Rede

Ein Europäer aus Überzeugung

22.02.2013 | 18:50 Uhr
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Ein Europäer aus Überzeugung
Bundespräsident Joachim Gauck hat verstärkte Anstrengungen für das Zusammenwachsen Europas gefordert.Foto: dapd

Joachim Gauck hat dem Amt des Bundespräsidenten zu einem neuen Respekt verholfen. Und wie er das macht, dafür war sein Auftritt gestern ein gutes Beispiel. Als Redner strahlt er natürliche Autorität aus. Das zählt in einem Amt, das nicht viel mehr hat als die Macht des Wortes. Mit Europa hatte er sich kein einfaches Thema ausgesucht. Weil er Kanzlerin Merkel politisch nicht zu nahe treten durfte – sie hat es schwer genug in der Krise – und weil Gefühle gegeneinander wirken. Das Gefühl, dass zu Europa alles gesagt sei, und das Gefühl, dass wir doch eine neue Erzählung bräuchten.

Gauck hielt eine kluge, differenzierte Rede, stimmig, nie langweilig, wie aufgeschrieben für die politische Bildung. Und doch war es keine Ansprache, die den Nerv der Zeit trifft wie Roman Herzog mit seiner Ruck-Rede 1997. Ebenso wenig war die Rede so wegweisend, dass sie die Politik unter Zugzwang setzen würde – anders als einst Johannes Rau mit seinem Wort zur Zuwanderungsgesellschaft. Es ist also zu befürchten, dass Gaucks erste große Rede verhallen wird.

Kein Wort zu Griechenland

Dass die Europäer eine Sprache sprechen, selbstredend Englisch, dürfte Gauck nicht mehr erleben; da stehen die Franzosen vor. Mit der europäischen Öffentlichkeit wird es ebenfalls schwer. Der Trend in den Medien geht in eine andere Richtung: Rückbesinnung auf die Region, auf Heimat. Und schließlich: Wer mehr Europa fordert, in der Wirtschafts- in der Finanz- in der Außenpolitik, muss etwas länger bei anderen Fragen verweilen: Wer soll dieses Europa kontrollieren? Wie steht es um de Rechte des Parlaments? Kein Wort verlor der Präsident über den Sozialstaat – droht er auf der Strecke zu bleiben? -, ebenso wenig über Griechenland. Dabei hat dort, in jeder Beziehung, alles angefangen.

Man kommt unweigerlich auf Angela Merkel zu sprechen, die am besten im Krisenmodus ist, als Erzählerin sich aber schwer tut. Gauck ergänzt sie, nimmt ihr die Schärfe, weil er erklärt und beruhigt. Hätte sie gestern diese Rede gehalten, das Manuskript wäre in jeder Hauptstadt auf versteckte Botschaften abgeklopft worden. Bei Gauck besteht die Chance, dass er richtig verstanden wird: Der erste Mann im Deutschland ist ein Europäer aus Überzeugung und mit viel Herz.

Miguel Sanches

Kommentare
24.02.2013
23:40
Ein Europäer aus Überzeugung
von 3Gregorius13 | #1

In puncto einer eventuellen EU-Sprache Englisch möchte ich Gauck widersprechen.

Wer sagt dann, dass zur Wahrung europäischer Interessen eine Einheitssprache vonnöten ist? Um die Europäische Union für neue Mitgliedsländer attraktiv zu machen, war die EU von Anfang an auf Vielsprachigkeit angelegt. Das sollte den Menschen evenutuelle Ängste nehmen, sie müssten durch einen EU-Beitritt zugleich ihre kulturelle und sprachliche Identität aufgeben. Dieses Versprechen hat die EU dann auch eingelöst, indem sie einen umfangreichen Dolmetsch- und Übersetzerdienst aufgebaut hat.

Und ist damit gut gefahren. Keine der wiederkehrenden EU-Rückschläge und -Krisen war durch eine fehlende Einheitssprache bedingt oder hätte sich durch sie lösen lassen. Ich kann nicht sehen, was dadurch gewonnen wäre, würde man das bunte Vielstaaten- und -sprachengebilde Europa in die Zwangsjacke einer Einheitssprache einschnüren.

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2013-02-22 18:50
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