Pixar in der Bundeskunsthalle – ein Zoo der Zeichner
09.07.2012 | 18:57 Uhr 2012-07-09T18:57:00+0200
Bonn. Hier sieht man Ratten in Kunstharz und Monster auf Papier: Die Pixar-Schau in der Bundeskunsthalle feiert die Macher von Animationsfilmen wie „Cars“, „Findet Nemo“ oder „Ratatouille“ als echte Künstler.
Als Trickfilme noch von putzigen Rehkitzen und zarten Prinzessinnen handelten, waren solche Kinowerke für Eltern eine willkommene Gelegenheit, den Nachwuchs für ein, zwei Stunden im Kino abzugeben. Das hat sich geändert. Bei „Toy Story 3“ wird auch der Vater wieder zum Spielkind. Animationsfilme sind heute perfektes Familienentertainment und damit eines der erfolgreichsten Hollywood-Genres überhaupt.
Lauter Werbung, sagt die Linke
So kommt es, dass es die amerikanische Bilderschmiede Pixar, seit 2006 Teil des Walt Disney Konzerns, jetzt bis in die Bundeskunsthalle geschafft hat. Dort, wo die große Anselm Kiefer-Schau, bestückt aus der Privatsammlung des Baulöwen Hans Grothe, dem Bundeskunsthallen-Chef Robert Fleck gerade harsche Kritik eingebracht hat, sorgt „Pixar. 25 Years of Animation“ nun für neuen Diskussionsstoff. „Man kann ein Haus wie die Bundeskunsthalle nicht dem Konzern Walt Disney exklusiv zur Verfügung stellen“, moniert Luc Jochimsen, kulturpolitische Sprecherin der Linken. Die Ausstellung sei „einseitige Werbung für das US-Filmunternehmen“.
Tatsächlich ist die Jubiläumsschau zu 25 Jahren Pixar eines sicher nicht: neutral. Sie gibt weder einen Überblick über die Entwicklung der Branche noch werden Pixars fraglos bahnbrechende Erfolge in das altgediente Genre der Animationskunst filmhistorisch einsortiert. Die Geschichte des computeranimierten Spielfilms beginnt hier im Grunde 1986 – mit der Gründung von Pixar. Damals noch eine Computergrafik-Abteilung von Lucasfilm, in der Nerds wie John Lasseter versuchten, Tischlampen Leben einzuzeichnen – nachdem er bei Disney wegen seiner verrückten Ideen als Unruhestifter rausgelogen war.
Es sind Geschichten wie diese, die die Ausstellung mit Vorliebe erzählt, um die zentrale Botschaft zu verbreiten: Der kreative Mensch, nicht der Computer ist es, der den Erfolg von Pixar-Filmen ausmacht. So wird aus der Schau gewissermaßen eine Ode an den Abspann: An die Modellierer und Animatoren, die Techniker, an die Künstler, die hier mit ihren innovativen Entwürfen, fantastischen Hintergründen und Storyboard-Skizzen vertreten sind. Zum Personenkult gehört auch die Erwähnung von Apple-Mitbegründer Steve Jobs, der Pixar über Jahre unterstützte, bis sich der erhoffte Erfolg einstellte und mit „Toy Story“ der erste abendfüllende Animationsfilm aus dem Computer auf die Leinwand kam. Seitdem steht die Firma für Millionenerfolge von „Monster AG“ bis „Ratatouille“, von „Findet Nemo“ bis „Up“, dem ersten Animationsfilm, der das Festival von Cannes eröffnen durfte.
Gleichwohl ist diese seit fünf Jahren durch die Welt tourende Ausstellung alles andere als eine einzige Trailer-Show. Im Gegenteil gibt es hier keine Filmausschnitte, keine interaktive Spielerei, nur ein fast historisch zu nennendes „Zoetrop“, eine Art 3D-Daumenkino und das „Artscape“, ein Gemälde-Kino. Der Besucher soll sehen, was vor den Kinoerfolgen, den Millionenumsätzen und den Oscar-Ehren kommt. Und das ist für die Pixar-Macher eindeutig – Kunst.
Ratten in Kunstharz, Zivilisations-Schrott als Eddinggekritzel
Über 500 Pastellskizzen, Gouachen, Bleistiftzeichnungen und Statuetten als Vorstudien der Figuren sind in Bonn versammelt. Ein Museum voller Ratten in Kunstharz, Blechspielzeuge in Pastell und Zivilisations-Schrott als Eddinggekritzel – das ist schon eine Rarität. Nicht minder überraschen wird manchen der beschriebene, oft jahrelange Aufwand, der in jedem Animationsfilm steckt. Selbst wenn die im Schnitt 129 600 Einzelbilder eines Films heute ja nicht mehr von Hand gezeichnet sind.
Wer die Schau sieht, bekommt Lust, der Feinschmecker-Ratte Remy noch mal beim Schnipseln zuzusehen. Dass man nicht mal in den Museumsshop muss, um sich mit DVDs einzudecken, sondern das Pixar-Merchandising quasi als Epilog der Ausstellung angehängt wird, macht klar, dass diese Ausstellung unter besonderen merkantilen Vorzeichen steht.
09:02
Wer hat das Recht zu sagen, was Kunst ist oder nicht?
Die Impressionisten durften im 19. Jahrhundert ihre Werke auch nicht in den Louvre hängen, weil es laut der damaligen Definition keine Kunst, sondern Schmierereien waren. Und Künstler wie van Gogh, Manet oder auch Monet galten nicht als Künstler.
Und heute?
Wer würde heute noch behaupten, die Bilder van Gogh, Manet, Monet, etc., seien keine Kunstwerke und die Maler seien keine Künstler?
Kunst ändert sich stetig, das war schon immer so. Früher waren es Bilder ... Stillleben, Selbstportrait ... heute sind es bewegte Bilder, die zu Kunstwerken werden. Egal, ob der Film von einem Nerd in einem kleinen Büro gebastelt wurde oder von einem riesigen Konzern.
Was wirklich Kunst ist, wird die Zeit zeigen und bedarf keinem Fingerzeig!
08:53
Ha ha, Luc Jochimsen, ich lach mich kaputt. Jahrzehntelang hat die sich den A.... beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen warm gehalten und kämpft jetzt, mit ihrer dicken Pension in der Hinterhand, für "linkes" Gedankengut.
Was wäre denn Ihrer Ansicht nach angemessene Kunst, Frau Jochimsen? Eine ganze Halle voller Lenin-Porträts?????
07:57
Ein Pragmatiker könnte immer von Werbung sprechen, wenn Kunstwerke ausgestellt werden, und es sich um einen Künstler handelt, der von deren Verkauf lebt.
Meiner Meinung nach ist es allerdings etwas anderes, wenn es sich um einen Weltkonzern handelt. Da muss man keine öffentlichen Einrichtungen zur Verfügung stellen.