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Otto möchte abendfüllenden Ottifanten-Film drehen

29.06.2012 | 15:22 Uhr
Otto Waalkes gehört seit Jahrzehnten zu den populärsten Komikern der Republik.Foto: WAZ FotoPool

Essen.  Komiker Otto Waalkes möchte gerne einen abendfüllenden "Ottifanten"-Film drehen. "Irgendwo zwischen 'Dumbo' und den 'Simpsons' müsste doch ein Plätzchen frei sein, ich hab's nur noch nicht gefunden", sagt der Komiker. Zunächst kommt allerdings erst mal seine Stimme ins Kino: in "Ice Age 4".

Er läuft und läuft und läuft: Otto Waalkes gehört seit Jahrzehnten zu den populärsten Komikern der Republik. Traumquoten im Fernsehen, vergoldete Tonträger, ausverkaufte Bühnenshows. Die Kinoausflüge des Ostfriesen fallen gleichfalls erfolgreich aus. Der erste Otto-Filmstreich lockte vor 25 Jahren superlative 14 Millionen Zuschauer – Spitzenplatz bis heute. Vier weitere Otto-Streifen, 7 Zwerge-Märchen sowie „Ice Age“-Synchronrollen folgten – in dessen viertem Streich leiht Otto erneut dem Faultier Sid seine Stimme.

Ist die Arbeit im dunklen Synchronstudio nicht ein eintöniger Knochenjob im Vergleich zum interaktiven Bühneauftritt?

Otto: Weder noch. Ich meine, ich muss nicht meine Knochen hinhalten, sondern meine Stimme. Und die ist nicht eintönig. Als „Sid“ kann ich alle Register ziehen, von hochhysterisch bis tieftragisch, von  himmelhoch kreischend bis zu scheintot betrübt.

Absehen von der Milliarden-Gage, was ist der Kick beim Synchronjob?

Otto: Abgesehen davon ist es ein Vergnügen zu einem so hochprofessionellen Produkt sein Scherflein  beizutragen. Schon im Original ist ein gelungener Film immer ein kleines Wunder, wenn man so viel wie möglich in eine Fremdsprache rüberretten kann, ist das ein noch größeres.

Wie viel Otto steckt in Sid?

Otto: Ein paar Kiekser und eine feuchte Aussprache, die manche wohl Lispeln nennen würden.

Wie viel Sid steckt in Otto?

Otto: Charakterlich gibts da einige Übereinstimmungen: Für geborene Faultiere zeigen wir beide erstaunlichen Tatendrang und einen Bewegungsdrang, der zwar etwas ungelenk aussehen mag, trotzdem führt er fast immer zum Ziel – nicht immer zu dem, das wir im Auge hatten. Aber wie man unter arabischen Faultieren sagt: Der Umweg ist das Ziel.

Was sagen die Hollywood-Herren zu Ihrer Leistung?

Otto: Sie sind sehr nett zu mir, wobei ich nichts dabei finde, dass diese Freundlichkeit auch mit dem Erfolg der Ice-Age-Filme in Deutschland zu tun hat.

Wie groß ist Ihr Einfluss auf Eigenschaften und Sprüche des Faultiers?

Otto: Es ist wie bei Herrchen und Hundchen – am Ende weiß man  nicht, wer mehr von dem anderen übernommen hat. Aber ein paar Scherze hat der Kleine von mir gelernt.

Warum ist dieses Trickfilm-Abenteuer derart populär, dass es in die vierte Runde geht?

Otto: Meiner Meinung nach hat das mit der Qualität zu tun: Eltern und Großeltern gehen mit ihren Kindern und Kindeskindern rein – und alle amüsieren sich prächtig, nicht immer über die selben Scherze, doch offenbar ist für jeden genug dabei. Diese Art von Mischkalkulation ist nicht einfach herzustellen.

Träumen Sie nie davon, die Ottifanten einmal abendfüllend zu machen?

Otto: Sicher. Irgendwo zwischen „Dumbo“ und den „Simpsons“ müsste doch ein Plätzchen frei sein – ich hab's nur noch nicht gefunden.

Wenn Sie die freie Wahl hätten: Welche Cartoon-Figur würden Sie unbedingt gerne einmal sprechen? Grandpa Simpson beispielsweise…

Otto: Bei den Simpsons würde ich besser zu „Maggie“ passen, schweigsam wie ich bin. Aber Donald Duck ist für mich immer noch die Krönung der Gattung.

Was ist die größte Gefahr für einen Synchronsprecher?

Otto: Ich vermute mal, wenn er die Deckungsgleichheit zwischen Bild und Ton verlässt, das heißt, wenn er Sachen einbaut, die zwar an sich komisch wirken mögen, die aber nichts mehr mit dem Charakter zu tun haben, den er dabei verkörpern soll.

Alle sagen „Otto, find ich gut“ - sind Sie bisweilen neidisch auf Mario Barth und seinen Anfeindungen?

Otto: Nein, ich möchte nicht polarisieren. Ich bin chronisch gefallsüchtig und werde nicht eher Ruhe geben, bis mich tatsächlich alle „gut“ finden – schon um endlich ihre Ruhe zu haben.

Was ist die beste Otto-Pointe aller Zeiten?

Otto: Ich hoffe, die wird mir noch einfallen. Bis dahin muss ich wohl mit Klassikern wie „Theo, vier fahr´n nach Lodz“, „Großhirn an Kleinhirn“, „Susi Sorglos“, „Robin Hood“ etc. ganz zufrieden sein.

Was ist die klügste Frage, die man Otto stellen kann?

Otto: Sag mal, bist du so dumm oder tust du nur so?

Was ist die dümmste Frage, die man Otto stellen kann?

Otto: Sag mal, bist du so klug oder tust du nur so?

Wann gibt es die erste ernste Rolle von Herrn Waalkes?

Otto: Das frage ich mich auch? Muss ich wirklich bis zu meiner eigenen Trauerfeier warten? Oder wird die auch noch komisch?

Sind die „7 Zwerge“ Geschichte, oder wird es eine Wiederauferstehung geben?

Otto: Die „7 Zwerge“ sind natürlich unsterblich – wenn ich richtig mitgezählt habe, hat es nach unseren Filmen schon wieder drei weitere Filme gegeben. Und zumindest  Bubi würde ich gern wieder auferstehen lassen. Er ist mir so ans Herz gewachsen.

Otto Waalkes in Essen

 

Dieter Oßwald



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