Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Theater

Minna von Barnhelms Kampf nach dem Krieg

14.12.2012 | 19:00 Uhr
Minna von Barnhelms Kampf nach dem Krieg
Minna von Barnhelm am Theater an der Ruhr.Foto: Andreas Köhring

Mülheim.   Karin Neuhäuser inszeniert Gotthold Ephraim Lessings „Minna von Barnhelm“ am Mülheimer Theater an der Ruhr. Die Liebesbeziehung zwischen Minna und ihrem Tellheim läuft auf Kühlschranktemperatur: Hier findet keine Gefühlssache ein glückliches Ende.

Dass es in Lessings „Minna von Barnhelm“ (1767) nicht eigentlich um Liebe geht, das ist schon von vielen Regisseuren akzentuiert worden, die hier so rein gar nichts von warmer Zuneigung entdecken konnten. Bei Karin Neuhäusers Einrichtung für das Theater an der Ruhr könnte auch ein Kühlschrank die Beziehung zwischen dem Major von Tellheim und dem Fräulein von Barnhelm symbolisieren.

Einem so matten Tellheim, wie ihn uns hier Klaus Herzog auf die Bühne schleppt, möchte man fast nicht die Hand geben, aus Angst vor dem damit einsetzenden Verfall. Verwundet, verarmt und erniedrigt aus dem Krieg zurückgekehrt, richtet sich dieses Bild des Jammers nur noch an seinem falschen Stolz auf. Auf keinen Fall will er sich aushalten lassen von jener Frau, der er bereits die Ehe versprochen hatte. Diese Minna aber, von Simone Thoma wohl vorsätzlich als Wiedergeburt einer älteren Audrey Hepburn gegeben, ist ein spätes Fräulein, das in Tellheim offenbar ihre letzte Chance wittert.

Landart
Sie rappen die Oper

Die „Kultur-Schocker“ verbinden verschiedene Kunstformen. Ein anderes „Tosca“-Erlebnis

Lessings Untertitel „Das Soldatenglück“ ist der pure Hohn für den Zweikampf dieser beiden grauen Gestalten um die Oberhand in einer Beziehung, die diesen Namen nicht verdient. Liebe kann es auch nicht sein, wenn Tellheim ausgerechnet dann erstmals fröhlich triumphiert, da der Staat ihn nun doch entschädigen will, Minna ihm aber gerade vorspielt, selbst völlig verarmt zu sein. Das Herzblut wird vom stets anwesenden Requisiteur in weiter Ferne per Infusionsständer vorbeigetragen. Denn hier findet keine Sache der Gefühle ein glückliches Ende, da handelt man eher schon nach den Gesetzen des Kapitalmarktes. Reichlich müde aber, möchte man hinzufügen.

Stück mit ausgestelltem Machotum

Man muss dieses Stück mit seinem ausgestellten Machotum eigentlich gar nicht aktualisieren, die Regisseurin versucht es trotzdem. Der Abend beginnt augenscheinlich nach dem Zweiten Weltkrieg, Frauen und Männer als Frauen arbeiten in einer Fabrik und singen dabei von Lili Marleen. Zum Frühstück werden lauter Reclam-Heftchen mit dem Stücktext verteilt. Jenseits des hübschen Gags, dass nun jeder allmählich in die ihm zugedachte Rolle gleitet, fragt man sich denn doch nach dem Sinn dieser Unternehmung, die danach ins Leere läuft.

Man ist hier schon dankbar dafür, dass zumindest das Buffo-Paar aus kesser Zofe (Dagmar Geppert) und wuchtigem Wachtmeister (Fabio Menéndez) gut aufgelegt sich müht, die Komödie freizuschaufeln. Man hätte sonst Stimmungsaufheller nehmen müssen.

Arnold Hohmann



Kommentare
Aus dem Ressort
Gipfeltreffen mit Moses und Klemm in Duisburg
Fotografie
Rund 400 Fotografien von Barbara Klemm und Stefan Moses: Das Duisburger Museum Küppersmühle lässt fünf Jahrzehnte Politik und Kunst Revue passieren, vor allem in Porträts von mehr oder minder prominenten Künstlern von Thomas Mann bis Madonna. „Schwarzweiß ist Farbe genug!“
Klangwerker arbeitet auch mit Promis
Musik
Thomas Müskens hat sich in Linden neben seiner Wohnung ein Tonstudio eingerichtet. Der Klangwerker nimmt CD, Hörbücher und Theaterproduktionen auf. Mit dem Schauspieler Dietmar Bär nahm er ein Hörbuch auf, dabei raschelte das Hemd.
Verkauf der Warhol-Bilder nicht mehr zu stoppen
Kunstauktion
Der umstrittene Verkauf von zwei Warhol-Gemälden aus dem Bestand des landeseigenen Casinos in Aachen hat im Landtag NRW eine Diskussion über den Umgang mit öffentlichem Kunstbesitz ausgelöst. Dass die Gemälde veräußert werden, ist nicht mehr zu verhindern. Aber wird es bei diesen Bildern bleiben?
Britischer Rockmusiker Alvin Stardust ist tot
Todesfall
Im Alter von 72 Jahren starb der britische Rockmusiker Alvin Stardust nach kurzer Krankheit. Der Musiker, der mit richtigem Namen Bernard Jewry hieß, begann seine Karriere in den 1960ern als Sänger der Band "Shane Fenton & The Fentones". Doch zum Star wurde er in den 1970ern in der Glam-Rock-Szene.
Rentner protestiert gegen Männerkritik in Udo-Jürgens-Song
Fan-Protest
Raser, Kriegstreiber und Kriminelle - Entertainer Udo Jürgens geht auf seinem aktuellen Album "Mitten im Leben" mit der männlichen Spezies hart ins Gericht. Einem Fan aus dem Odenwald geht die Kritik zu weit, in 16 Städten der Jürgens-Tour hat er "Männersolidaritätsdemos" angemeldet.
Umfrage
Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?

Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?