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Das Reagenzglas ist kein Kochtopf

04.06.2012 | 18:56 Uhr
Das Reagenzglas ist kein Kochtopf
Sternekoch Alexandre Lagard (Jean Reno, li.) mit seinem Fan Jacky Bonnot (Michael Youn). (Foto: Senator)

Essen.   Die Deutschen schauen leidenschaftlich Kochsendungen – würde es sonst so viele geben? Vielleicht sollten sie sich einmal von der Coach erheben und ins Kino gehen. Denn dort läuft mit „Kochen ist Chefsache“ eine hübsche französische Komödie mit Jean Reno als Sternekoch in Nöten.

Vom Kochen können die Deutschen einfach nicht genug bekommen. Nun ja, nicht gerade von der Zubereitung in der eigenen Küche. Lieber schon hängt man vor der Glotze und schaut dabei zu, wie in zahllosen Shows ein Heer von „Sterne“-Köchen Köstlichkeiten kreieren, an denen man sich selbst nie versuchen würde. Das Kochen als Kinothema jedoch ist hierzulande weniger gefragt, Filme mit diesem Thema sind selten und machen auch nur mäßiges Geschäft. Die Franzosen sind in dieser Beziehung sehr viel aufgeschlossener, weshalb dort auch schöne Komödien rund ums feine Essen gedeihen können. „Kochen ist Chefsache“ von Daniel Cohen ist ein treffliches Beispiel für diese Art von Cuisine au Cinema.

Durch schwere Probleme abgelenkt

Es geht hier um zwei Männer, deren Lebensmittelpunkt der Herd sein sollte, die aber beide durch schwere Probleme andauernd vom Wesentlichen abgelenkt werden. Alexandre Lagard (Jean Reno in großartiger Spiellaune), Frankreichs führendem Sternekoch, droht der Rauswurf aus seinem angemieteten Gourmet-Restaurant. Für den Besitzer beginnt Edelgastronomie beim Reagenzglas in der trendigen Molekularküche, Alexandre mit seiner bodenständigen Küche stört da nur. Zumal er in letzter Zeit auffallend deutlich sein Gespür für die perfekte Zusammenstellung verloren hat.

Gäste bleiben unbelehrbar

Der zweite Mann mit Stress im Nacken ist der Koch Jacky Bonnot (Michaël Youn), der mehrere Entlassungen hinter sich hat, weil er sich viel zu oft mit unbelehrbaren Gästen angelegt hat. Nun hat er seiner schwangeren Frau zuliebe einen Job als Fensterputzer angenommen, träumt dabei aber ständig von den Gerichten Lazars, die er samt und sonders perfekt nachkochen könnte. Natürlich müssen sich die beiden irgendwann über den Weg laufen, was der Komik des Films äußerst zuträglich ist.

Die Molekularküche und ihre Propheten

Menschen, die unter Essen immer noch mehr verstehen als Geschmacksexplosionen auf der Zunge, hergestellt in wahren Küchen-Laboratorien, werden hier aufs Beste bedient. Regisseur Cohen, der auch am Drehbuch mitgeschrieben hat, macht kein Geheimnis daraus, dass die Molekularküche und ihre Propheten für ihn das Ende des Genusses bedeuten. Genau deshalb auch lässt er den wackeren Jacky schließlich einen ganz gewöhnlichen Obst- und Gemüseladen leerkaufen und aus dem Vorgefundenen ein Menü kreieren, das gefürchtete Gastrokritiker in wahre Wonneträume stürzt.

„Kochen ist Chefsache“ ist eine dieser schönen luftigen französischen Spielereien, der man den einen oder anderen Ausrutscher durchgehen lässt, weil das Gesamtwerk einfach glücklich macht. Auch deshalb, weil Jacky schließlich beweisen darf, dass er mehr kann, als nur nachzukochen.

Arnold Hohmann



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