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Jubel für Mahler als Ballett

28.10.2013 | 00:21 Uhr
Jubel für Mahler als Ballett

Düsseldorf. Jubel für die Uraufführung von Martin Schläpfers „7“, ein Ballett zu Mahlers Siebter. Und das bei einem wenig populären Opus: Mit seinen zwei Nachtmusiken steht es an der Grenze zur neuen Musik. Generalmusikdirektor Axel Kober führt an der Rheinoper die Sinfoniker mit sicherer Hand, lässt Farbenreichtum und rhythmische Schärfen aufleuchten – keine geniale, aber eine runde Leistung.

Und Schläpfer, der in früheren Kreationen das Theater stärker als den Tanz betonte, findet zurück zum klassisch-modernen Tanz. Zur Leichtigkeit, zur Magie hoch gezüchteten Balletts und zu wohldosiertem Humor, der sich durch alle Sätze wie ein roter Faden zieht. Wie üblich verzichtet Schläpfer auf eine durchgehende Handlung, setzt auf Miniaturen getriebener Wesen – so getrieben, wie der Operndirektor und Tondichter Mahler gewesen sein soll.

Auffällig in der Szenencollage sind Stiefel und lange Mäntel, die an jüdische Folklore und Mahlers religiöse Wurzeln erinnern. Dominante Tänzerinnen mit langer Mähne oder Haarknoten indes weisen auf die Muse des Komponisten - Alma Mahler, die Femme Fatale, die nach Mahlers Tod noch mit Franz Werfel, Walter Gropius und Oskar Kokoschka liiert war. Spärlich setzt Schläpfer diese biografischen Zitate, unaufdringlich, aber nachhaltig.

Zu Ballett-Gesten, originell verschränkten, akrobatischen Hebefiguren und rasanten Sequenzen beflügelt scheint Schläpfer durch elf neu engagierte Tänzer: überwiegend groß gewachsene, grazile, biegsame Athleten, die durch markante Persönlichkeit ebenso in Bann ziehen wie durch fabulöse Technik und eine neue Schaffensphase des Choreographen einläuten könnten.

Noch betören die Luftgeister durch extreme 180-Grad-Dehnungen, und da mutieren sie plötzlich zu geerdeten Wesen – ein Kontrast, der für Schläpfers Werke typisch ist.

Später nähern sich zwei Paare an, tummeln sich kindlich und zärteln, bevor sie abrupt auseinander rennen. Wie diese Bilder, so spiegeln die meisten Szenen eine unbeschwerte Comédie Humaine und zeugen von einem Choreographen, der seine brillant trainierte Truppe zu neuen Ufern führen will.

Termine: 1., 3., 7., 9., 23., 30. Nov., 6., 21. Dez., 25. Jan. TEL: 0211-8925211, www.operamrhein.de

Michael-Georg Müller



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