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"Zimmer frei!" - Talkshow mit anderen Mitteln

09.10.2009 | 19:45 Uhr
"Zimmer frei!" - Talkshow mit anderen Mitteln

Essen. "Zimmer frei!": Aus einem Füller fürs Sommerprogramm wurde für die Moderatoren Christine Westermann und Götz Alsmann eine Erfolgsgeschichte. Ärger gab es vor der 500. Sendung wegen des Auftritts von Titanic-Chefredakteur Martin Sonneborn.

Schon viele Sendungen hat der WDR ins Programm geschickt und getestet, um sie dann kurzerhand wieder rauszuwerfen. Ein ganz anderes Schicksal erlebte die Sendung, mit der Christine Westermann und Götz Alsmann 1996 eigentlich nur das „Sommerloch” füllen sollten. Ihre Gespräche und Spiele mit Gästen, die auf diese Art und Weise auf ihre WG-Tauglichkeit geprüft wurden, kam so gut an, dass die Sendung zum festen Bestandteil des WDR-Programms am späten Sonntagabend wurde.

Garanten für gute Unterhaltung

Götz Alsmann und Christine Westermann mit ihrem Gast Kabarettist und Komödiant Ludger Stratmann (M). © WDR/Dietmar Seip

Aus dem Füller wurde eine Erfolgsgeschichte. Und jetzt ist Jubiläum. Vorhang auf für die 500. Folge von „Zimmer frei”, bei der am Sonntag Talkshow-Moderator Hubertus Meyer-Burckhardt vom NDR zu Gast ist.

„Zimmer frei!” ist zur festen TV-Größe am Sonntagabend geworden. Ein Programm genau am richtigen Platz, das keineswegs auf frühere, nur vermeintliche bessere Sendeplätze wechseln darf. Als das einmal versucht wurde, sanken die Marktanteile gewaltig. Die Talkshow mit anderen Mitteln braucht den späten Sonntag wie die „Tagesschau” den 20-Uhr-Termin.

Westermann und Alsmann sind jedenfalls Garanten für (fast immer) gute Unterhaltung. Im Jahr 2000 bekamen sie dafür den angesehenen Grimme-Preis. „80 bis 90 Prozent sind improvisiert”, sagt Alsmann über die Arbeitsweise der beiden. „Es ist wie Kindergeburtstag, aber niemand darf ihn so oft feiern wie wir.”

Sendung beginnt mit einem gemeinsamen Abendessen

Und wo er Recht hat, hat er Recht - es ergibt sich oft eine amüsante Plauder- und Minipartystunde. Dazu trägt nicht nur die „ultimative Lobhudelei” bei, zu der ein Freund des jeweiligen Gastes beauftragt wird, sondern auch die manchmal fürchterlich schräge Hausmusik, bei der Alsmann seine Gäste begleitet. Und ehrlich: Diese erreicht den höchsten Unterhaltungswert, gerade wenn sie kräftig danebenliegt. Und wo beginnt schon eine Sendung mit einem gemeinsamen Abendessen - und man ist doch nicht in einer Kochshow?

500 Sendungen - da reicht die Gästebilanz von Fritz Pleitgen, Joachim Fuchsberger, Gerburg Jahnke und Mariele Millowitsch bis hin zu Bela B., der als einziger WG-Bewerber zweimal in der Sendung war - als Drummer der „Ärzte” und als Solokünstler.

Duell der Worte

Verona Feldbusch (2.v.r.) besuchte Christine Westermann und Götz Alsmann in ihrer WDR-WG. Mit dabei die neugierige WG-Nachbarin Annemie Hülchrath (Cordula Stratmann, 2.v.l) © WDR/Dietmar Seip

Doch es gab auch Ärger. 1999 verließ ZDF-Moderator Cherno Jobatey vorübergehend das Studio, nachdem er immer wieder mit seiner ehemaligen Rechtschreibschwäche konfrontiert worden war. Als Alsmann in einem Srcabble-Spiel das Wort „Kummunalobligation” zusammenbauen wollte, war Jobatey rausregangen mit der Bemerkung, irgendwo nachschlagen zu wollen, was das bedeutet. Als er nach fünf Minuten zuückkehrte, meinte er: „Beim Intendanten ist auch kein Duden.”

Die Sendung landete wegen der Unstimmigkeiten zuächst im „Giftschrank” und wurde erst 2003 - mehr als vier Jahre nach der Aufzeichnung - ausgestrahlt. Die NRZ-Kritik urteilte damals, Jobatey sei im „Duell der Worte kontrollierter Sieger” gewesen. Und es sei unverständlich, warum der WDR so lange mit der Ausstrahlung gezögert habe.

Die lange "Zimmer frei!"-Nacht

Vorerst auf Eis gelegt wurde auch eine Sendung, die erst in diesem Sommer mit dem Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic”, Martin Sonneborn, aufgenommen wurde. Der war die ganze Sendung über als Vorsitzender der Partei „Die Partei” aufgetreten. Der WDR hatte davon abgeraten. Nun heißt es, die Sendung habe nicht funktioniert. Dass sie doch einmal ausgestrahlt werde, sei aber nicht ausgeschlossen - vielleicht als Dokument oder als Kuriosum.

Ungewöhnliche Blicke auf die Sendereihe gibt es bereits an diesem Sonntag. Vor und im Anschluss der Jubiläumssendung um 22.15 Uhr laufen die Beiträge „Durchs Schlüsselloch” (21.45 Uhr) und „Menschen, Spiele, Sensationen” (23.15 Uhr).

Und danach startet die lange „Zimmer frei!”-Nacht bis 6.20 Uhr mit sechs Wiederholungen - von Bruce Darnell als WG-Bewerber über Dieter Thomas Heck bis Natalia Wörner.

Karlheinz Burandt

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