Das aktuelle Wetter NRW 12°C
Historie

Das Ende von Hitler – eine TV-Dokumentation in zwölf Stunden

29.04.2011 | 19:11 Uhr
Diktator Adolf Hitler: Der Schrecken verliert auch in ei­ner nüchternen Analyse nichts von seiner Wucht.

Essen.   Vox zeigt am Samstag, 30. April, die Mammutdokumentation „Ein Tag schreibt Geschichte – 30. April 1945“. Damit widmet der Sender zwölf Stunden seiner Sendezeit der Geschichte Adolf Hitlers. Ein Experiment, keine Frage.

Es sind die letzten Stunden im Führerbunker. „Es war erkennbar, dass da ein hoffnungsloser Mann vor einem steht“, sagt Adolf Hitlers Se­kretärin Traudl Junge, als er ihr sein Testament diktiert.

Berlin zerfällt im Häuserkampf, noch immer gehen Tausende in den Tod, obwohl der Krieg für das Deutsche Reich längst verloren ist. Es ist der 30. April 1945, es ist ein außergewöhnlicher Tag, dem „Spiegel TV“ am Samstag, 30. April 2011, auf Vox in einem Mammutprojekt ab 12 Uhr zwölf Stunden Sendezeit widmet. In „Ein Tag schreibt Geschichte“ hat Autor Mi­chael Kloft das Geschehen aufwändig rekonstruiert und in zwölf Einzeldokumentationen zerlegt. Ihnen laufen kurze Stundenprotokolle vorweg, die wichtige Ereignisse der entsprechenden Uhrzeit zu­sammenfassen.

Das beeindruckt zweifellos schon anhand der Materialfülle, die sich hier entlädt, gleichwohl stellt sich die Frage, wer zwölf Stunden ohne Pause vor dem Fernsehgerät verharren möchte, um diesen zwar erhellenden, aber doch düsteren Brocken aus Filmstücken und Interviews, Aussagen und Analysen zu verdauen. Ein Experiment, keine Frage.

Kloft hat Spannendes zu bieten

Man wird sein Interesse an den Kapiteln ausrichten müssen, wenn man auswählen will. In den Abendstunden konzentriert sich Kloft ab 20 Uhr auf das Ende des Schreckens, auf den Bunker, auf das Testament, den Selbstmord und die Kapitulation, jene Phase, die Bernd Eichingers „Der Untergang“ einem Millionenpublikum nahebrachte , dramaturgisch aufbereitet.

Info
Experte Kloft

Der Bonner Michael Kloft (49) beschäftigt sich intensiv mit dem Dritten Reich. Sein Zweiteiler „Welche Farbe hat der Krieg - Deutschland 1945“ wurde 1996 für den Grimme-Preis nominiert. „Hitlers Hehler – die Schweizer Banken und das Nazigold“ wurde in New York prämiert.

Doch auch zuvor hat Kloft Spannendes zu bieten, unter anderem die filmische Auseinandersetzung mit dem Massenmörder, Portraits von Goebbels und Eva Braun, Filme über die Machtzentrale in den Alpen oder das Nürnberger Parteitagsgelände.

Un­veröffentlichtes Archivmaterial

Kloft ist bei seiner gründlichen Recherche auch auf un­veröffentlichtes Archivmaterial gestoßen, wie das Verhör von Traudl Junge, das Schauspielerin Fritzi Haberlandt vorträgt. Zumindest teilweise neu sind such Tonbandaufnahmen der Vernehmungen von Hitlers Adjutanten Ot­to Günsche und seines Kammerdieners Heinz Linge durch die Münchener Staatsanwaltschaft 1956. Auch Rochus Misch, einst Telefonist und letzter Überlebender aus dem Führerbunker, kommt zu Wort: „Der Chef hat sich eben verabschiedet“, haben sie mir gesagt.“ Hitlers Heiratsurkunde und sein Testament sind zu sehen.

Frau Hitler ging gern baden

Vieles mag einem bekannt vorkommen, so kleinteilig und gebündelt hat man es freilich noch nie gesehen. Und der Schrecken verliert auch in ei­ner nüchternen Analyse nichts von seiner Wucht. Man braucht sich nicht der Illusion hinzugeben, dass Millionen ihren Samstag mit diesem Projekt zubringen werden. Klofts Mühe hätte ein großes Publikum indes verdient.

Frank Preuß



Aus dem Ressort
Die Staatsaffäre - so viel Merkel steckt in Veronica Ferres
Liebes-Komödie
„Die Staatsaffäre“ ist weniger eine Polit-Komödie als ein Liebesfilm. Veronica Ferres spielt die Bundeskanzlerin, die sich in den französischen Staatspräsidenten verliebt, mit ihm nachts Eier brät und versucht, die bilaterale Beziehung für die Politik auszunutzen.
Pfarrer erklärt seine Dusche beim Wort zum Sonntag
Ice Bucket Challenge
Pfarrer Gereon Alter aus Essen ließ sich beim „Wort zum Sonntag“ am Samstag in der ARD vor 1,8 Millionen Zuschauern mit Eiswasser duschen: Dass seine etwas andere Variante der „Ice Bucket Challenge“ seiner Würde als Pfarrer schadet, glaubt der Leiter der Großpfarrei St. Josef Ruhrhalbinsel nicht.
25. Simpons-Staffel startet - Notlösung wurde zum Mega-Hit
Simpsons
Bei ProSieben startet die 25. Staffel der Simpsons. Die Serie startete angeblich als Notlösung – und ist heute eine der erfolgreichsten der Fernsehgeschichte. Auch wenn die Quoten in den USA seit einiger Zeit sinken, ist kein Ende der Simpsomania in Sicht. Doch die Figuren verändern sich.
Für Jörg Pilawa stecken App-Shows noch in den Kinderschuhen
App-Shows
Auf den meisten Smartphones sind Apps zu finden. Deutsche Fernsehmacher wollen die begehrten Alleskönner für sich nutzen - und legten mit ihren Ideen bisher eher Bruchlandungen hin. Woran liegt das? Moderator Jörg Pilawa hat die Theorie, Interaktivität sei vielleicht gar nicht erwünscht.
ARD lässt der Konkurrenz mit "Tatort" keine Chance
TV-Quoten
Kaum gibt es wieder frische "Tatort"-Ware im Fernsehen, schon reagiert das Publikum. Die österreichische Fassung mit Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser war am Sonntagabend unumstrittener TV-Sieger. In der bisherigen Jahresbilanz liegt das ZDF (13,7 Prozent) vor der ARD (13) auf dem ersten Platz.
Umfrage
Die Lokführer der Deutschen Bahn streiken. Es geht um Lohnerhöhung und kürzere Arbeitszeit. Haben Sie Verständnis?

Die Lokführer der Deutschen Bahn streiken. Es geht um Lohnerhöhung und kürzere Arbeitszeit. Haben Sie Verständnis?

 
Fotos und Videos
Roter Teppich bei den Emmy-Awards
Bildgalerie
Fernseh-Oscar
Glaskasten für Galileo angeliefert
Bildgalerie
TV-Experiment
Die 20 "Bachelorette"-Kandidaten
Bildgalerie
Fotostrecke
The Voice Kids
Bildgalerie
Unterhaltung