ARD und ZDF protestieren gegen Zensur im Iran
16.06.2009 | 08:42 Uhr 2009-06-16T08:42:00+0200
Essen. Schwerer Stand für die Korrespondenten von ARD und ZDF in Teheran. Eine kritische und offene Berichterstattung aus Teheran über die Situation nach den Präsidentschaftswahlen im Iran ist nur schwerlich zu gewährleisten. Chefredakteure schreiben an den iranischen Botscher.
Es sind verschwommene Bilder, die da in der „Tagesschau” zu sehen sind. Der Ton ist schlecht, wenn Peter Mezger spricht. Es sind Berichte aus dem Iran, die unter schwierigen Bedingungen entstehen, Berichte, die vor allem eines untermauern: Eine kritische und offene Berichterstattung aus Teheran über die Situation nach den Präsidentschaftswahlen im Iran ist von den Fernsehsendern nur schwerlich zu gewährleisten.
Massive Einschränkungen
Während sich ARD-Korrespondent Peter Mezger intensiven Behinderungen ausgesetzt sieht, ließ das zuständige Teheraner Ministerium den ZDF-Korrespondenten Halim Hosny vorübergehend sogar gar nicht mehr ans Mikrofon. „Gegen ihn wurde zunächst ein offizielles Berichterstattungsverbot verhängt”, erklärte ZDF-Sprecher Walter Kehr der NRZ. Doch dann habe Hosny noch einmal eine Aussprache mit dem Eschad-Ministerium gesucht, das für Informationen zuständig ist. Ergebnis: Seit gestern Nachmittag darf Hosny wieder berichten.
ARD und ZDF haben derweil den Schulterschluss geübt und gemeinsam bei der iranischen Botschaft gegen die Behinderung ihrer Fernsehkorrespondenten protestiert. Die Chefredakteure der beiden öffentlich-rechtlichen Sender haben in einem Brief an den Botschafter Ali Reza Sheikh Attar massive Einschränkungen beklagt.
Der gebürtige Wiesbadener Hosny, der für das ZDF seit Anfang 2008 aus dem Mittleren Osten berichtet und schon oft für die Mainzer als Kriegs- und Krisenberichterstatter im Einsatz war, hatte bereits unter erheblichen Behinderungen seiner Arbeit gelitten, bevor das vorübergehende Berichterstattungsverbot ausgesprochen wurde. Laut ZDF saß ein Aufpasser an der Schneidemaschine und entschied, was weitergeleitet werden durfte und was nicht.
Verstoß gegen die Pressefreiheit
ARD-Korrespondent Peter Mezger sendet mit einem kleinen Team aus seinem Teheraner Büro und darf sich auch außerhalb des Studios bewegen und Bericht erstatten. Doch nur unter Auflagen. Wenn Oppositionelle demonstrieren, muss er sich fernhalten.
In ihrem Brief an den Botschafter schrieben die Chefredakteure Thomas Baumann (ARD) und Nikolaus Brender (ZDF), dass die iranischen Behörden die Mitarbeiter der beiden Sender bei Dreharbeiten behindert, Überspielungen von Bildmaterial verboten und damit „Zensur geübt” hätten. „Wir sehen darin einen Verstoß gegen die Pressefreiheit und gegen demokratische Prinzipien.” ARD und ZDF wollten „kritisch, fair und unabhängig” berichten, so die Chefredakteure. Und sie wollten auch weiter über die Ereignisse im Iran berichten - trotz der Behinderungen.
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