Das aktuelle Wetter NRW 9°C
Kunst

Ausstellung präsentiert zeichnerische Werke von Beuys und Kiefer

28.06.2012 | 18:56 Uhr
Ausstellung präsentiert zeichnerische Werke von Beuys und Kiefer
Kiefer-Kunst XXL: „Deutschlands Geisteshelden (1973)“ .

Duisburg.   Die Duisburger Küppersmühle bringt zwei Größen der deutschen Kunst zusammen: Anselm Kiefer und Joseph Beuys mit ihrem zeichnerischen Werk. Sie präsentiert die Künstler fast gleichwertig, ohne sie in eine kuratorische Klammer zu zwingen.

So viel Kiefer war selten im Land: Während man in der Bonner Bundeskunsthalle gerade den Überwältigungskünstler, den Schwergewichtsmeister aller Leinwände feiert, kommt in einer Doppelschau im Duisburger Museum Küppersmühle nun der feine, bisweilen sogar farbenfrohe Zeichner und der frühe Beuys-Schüler zum Tragen. Einer, der nicht unbedingt Beuys’ gesellschaftspolitische Anliegen und schon gar nicht seinen Hang zu öffentlichen Auftritten teilt, aber doch die frühe Erkenntnis: Aller Anfang ist Papier!

Federleichtes Gegengewicht

So wie Beuys der umtriebige Medien-Künstler, der Aufmerksamkeits-Meister geworden ist, sieht sich Anselm Kiefer mit 66 Jahren gern als der große Zurückhaltende des deutschen Kunstbetriebes. Sparsam in seinen Auftritten und oft noch einen Tick enigmatischer als sein Schweigsamkeits-Kontrahent Gerhard Richter. Auch seinen Auftritt in der Küppersmühle am Donnerstag hatte der Wahl-Pariser kurzfristig abgesagt. Gerne hätte man ihn dabei zu den Querelen um die Bonner Großschau befragt. Hätte gerne gewusst, welche Zusagen ihm der Duisburger Unternehmer und Privatsammler Hans Grothe gegeben hat, der heute die größte Kiefer-Sammlung besitzt. Und der in der Vergangenheit durch unrühmliche Großverkäufe seiner Kunstschätze von sich reden machte.

Die Duisburger Ausstellung, die Beuys und Kiefer fast gleichwertig präsentiert, ohne sie in eine kuratorische Klammer zu zwingen, wird indes von Leihgaben aus aller Welt bestückt. Mit 200 Werken -- Zeichnungen, Gouachen, Büchern – bildet sie ein federleichtes Gegengewicht zu den tonnenschweren Skulpturen und containerhohen Gemälden, die man sonst mit Kiefer in Verbindung bringt. Denn mit der Leichtigkeit des Materials geht auch eine Leichtigkeit der Malerei einher. Das Grüblerische, Geschichtsbelastete, Mythenschwere, es hat in den Gemälden der 70er- und 80er-Jahre schon seine Wurzeln, aber die sind manchmal noch grün statt grauschwarz, von sparsamer Wucht und fast expressiver Leichtigkeit. Aber dass sie einmal Zeit und Raum sprengen wollen, zeigt schon „Deutschlands Geisteshelden“ von 1973, Kiefers persönliche Ruhmeshalle als wandhohe Riesenzeichnung, mit seinen Säulenheiligen von Richard Wagner bis Arnold Böcklin und Joseph Beuys als einzigem Zeitgenossen.

Was Beuys der Filz ist, wird Kiefer das Blei

„Beuys war der Erste, der meine Aktionen ganz unaufgeregt rein professionell als Kunstwerke einstufte“, erinnert sich Kiefer heute. Aber nicht nur die gegenseitige Wertschätzung rechtfertigt diese erste Ausstellungs-Begegnung beider Künstler. Sondern auch die Art und Weise, wie zwei gegen den Gedächtnisverlust der Nachkriegszeit angegangen sind, gegen das Geschmeidigmachen von Vergangenheit. Und wie sie sich ihrem Material verschrieben haben. Was Beuys der Filz ist, wird Kiefer das Blei.

Von beidem ist in der Ausstellung noch nichts zu sehen. Hier begegnet uns der frühe Beuys mit der bleistiftfeinen „Keltin“, dem sacht aufs Blatt gehauchten Frauenakt, dem feuerrot leuchtenden „großen Zahnbluten“ und vielen frühen Papierarbeiten aus den 50ern von unbestrittenem Rang. Während Kiefer in den 70ern mit „Brünhildes Tod“ große Oper als Gouache inszeniert und das zartblaue „Essenz /Ek -sistenz“ von 1975 schon auf seine riesige Vergrößerung in dem 23 Meter großen Berg-Wolken-Panorama von 2011 hinweist – derzeit zu sehen in Bonn.

Martina Schürmann



Kommentare
Aus dem Ressort
Folkwang-Fotografie strahlt bis nach Venedig
Kunst
Große Ehre für den Essener Kurator Florian Ebner: Er gestaltet den deutschen Biennale-Pavillon und verät jetzt erste Pläne. Er hat als Künstler Tobias Zielony, Hito Steyerl, Olaf Nicolai und das Duo Jasmina Metwaly & Philip Rizk engagiert: „Widerständige Bilder in Zeiten digitaler Überbelichtung“.
Warum Atze Schröder auch mal ein Mann für eine Nacht ist
Comedy
Premiere für eine Ratgeber-Stunde der unmoralischen Art: Comedian Atze Schröder hat sein neues Bühnenprogramm dem „Richtig fremdgehen“ gewidmet . Das stellte er nun in der Essener Lichtburg vor. Ein Abend zwischen Bravo für Erwachsene und Ballermann ohne Sangria-Eimer.
Das Rock-Magazin „Visions“ kennt das Geheimnis ewiger Jugend
Pop
Am Wochenende gibt’s ein Festival, denn das Dortmunder Magazin für Alternative Rock feiert seinen 25. Geburtstag - und hat sich die Frische erhalten. Ein Gespräch mit Chefredakteur Michael Lohrmann über Kurt Cobain, Rock’n’Roll-Lifestyle und größenwahnsinnige Vertriebsdeals in der Dönerbude.
U2 rocken im Treppenhaus von Radio NRW in Oberhausen
Konzert
U2 live und ganz nah: Sonst füllen sie Stadien, am Freitagnachmittag spielten sie vor 200 Zuschauern. Im Treppenhaus von Radio NRW in Oberhausen präsentierten Bono und seine Mitstreiter ihr neues Album "Songs of Innocence". Eine feine Party, aber leider eine kurze.
Theaterkarten in NRW werden mit bis zu 162 Euro bezuschusst
Kultur-Kosten
Der Bund der Steuerzahler NRW hat jährlichen Etats von Theatern in 22 Großstädten im Land unter die Lupe genommen und mit den Besucherzahlen in Relation gesetzt. Das schlechteste Verhältnis ergibt sich in Düsseldorf: Eine Theaterkarte wird mit 162 Euro subventioniert. Dortmund liegt auf Platz 2.
Umfrage
Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?

Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?